Die Kapelle Heiligkreuz am Rigiweg in Weggis droht einzustürzen

Der Baugrund, auf welchem die denkmalgeschützte Kapelle steht, bewegt sich. Nun muss die Korporation Weggis als Besitzerin rasch Notmassnahmen ergreifen.

Susanne Balli
Drucken
Teilen
Der Eingangsbereich der Heiligkreuz-Kapelle am historischen Rigiweg oberhalb von Weggis.

Der Eingangsbereich der Heiligkreuz-Kapelle am historischen Rigiweg oberhalb von Weggis.

Bild: PD

Grosse Risse verteilen sich über die ganze Fassade der Heiligkreuz-Kapelle am Rigiweg ob Weggis. Auf der Südseite hat sich die Wand der 335 Jahre alten Kapelle bis 6 Zentimeter nach aussen gewölbt.

Mehrere Risse sind unterhalb der Fenster der Heiligkreuz-Kapelle zu sehen.

Mehrere Risse sind unterhalb der Fenster der Heiligkreuz-Kapelle zu sehen.

Bild: PD

Auch am Deckengewölbe ist ein Riss quer durch die Kapelle sichtbar. Das ganze Kirchlein steht schief – auf der Talseite bis zu 10 Zentimeter tiefer als auf der Bergseite. Die Stütze beim Vordach hat sich sogar bis zu 25 Zentimeter abgesenkt.

Die 1685 an Stelle der Vorgängerkapelle errichtete Heiligkreuz-Kapelle ist einsturzgefährdet. Die Korporation Weggis als Besitzerin ist für deren Unterhalt zuständig und muss Sofortmassnahmen ergreifen, um das denkmalgeschützte Gebäude zu retten. «Am 26. Juni findet unsere Generalversammlung statt, wo Geld dafür gesprochen werden soll. So lange müssen wir noch zuwarten, denn wir sind derzeit noch budgetlos», sagt Korporationsverwalter Josef Küttel. Für die Sofortmassnahmen müssen um die 15'000 bis 20'000 Franken budgetiert werden. Die Kapelle wurde letztmals zirka 1930 renoviert.

Ein Riss zieht sich über das Deckengewölbe und -gemälde der Heiligkreuz-Kapelle.

Ein Riss zieht sich über das Deckengewölbe und -gemälde der Heiligkreuz-Kapelle.

Bild: PD

Als erstes müssen laut Küttel die Aussenwände der Kapelle provisorisch unterfangen werden, damit das Gebäude nicht weiter abrutscht. «Das grösste Problem ist die Südfassade, die sich nicht noch stärker nach aussen wölben darf, denn dann droht die Kapelle in sich zusammenzufallen», erklärt Küttel.

Die Geschichte des Weggiser Rigiweges

Der Weggiser Rigiweg – auch bekannt unter dem Namen Mark-Twain-Weg – führt von der Schifflände in Weggis über die Heiligkreuz-Kapelle, das Felsentor, das Kaltbad und den Staffel zum Rigi Kulm. Ursprünglich diente diese Verbindung zur Erschliessung der Rigialpen, der anliegenden Güter und der Waldnutzung. Die Funktion als Landwirtschaftsweg lässt sich urkundlich bis in späte Mittelalter zurückverfolgen, wie die Vereinigung pro Rigi auf ihrer Website schreibt. Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Rigiweg auch als Pilgerweg zur Kapelle von Kaltbad benutzt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen dann an Stelle der Wallfahrer immer mehr Alpentouristen – der Pilgerweg wurde zum Touristenweg. Um illustre Gäste aus aller Welt mit Pferden oder Sänften zum Gipfel zu transportieren, wurde der Rigiweg zu einem breiteren Fuss- und Reitweg ausgebaut. Auf dem Weg zum Gipfel wurde bei der Heiligkreuz-Kapelle und auf der Helgenegg angehalten. Ein Waldbruder, der neben der Kapelle wohnte, bot den Gästen gegen Almosen Erfrischungen an. Das führte bald dazu, dass ein Sigrist den Ausschank (vor allem Bier und Kirschwasser mit Zucker) übernehmen musste. Schliesslich wurde 1868 das Restaurant Felsentor erbaut. 1878 liess sich auch der amerikanische Schriftsteller Mark Twain auf dem Rigiweg nach Kulm führen.

Mit der Inbetriebnahme der Vitznau-Rigi-Bahn 1871 verlor der Weggiser Rigiweg weitgehend seine Bedeutung. Heute gehört er zum Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz mit nationaler Bedeutung.

Infotafeln bei der Heiligkreuz-Kapelle am Rigiweg mit einer Kurzbiografie von Schriftsteller Mark Twain, der die Rigi besuchte.

Infotafeln bei der Heiligkreuz-Kapelle am Rigiweg mit einer Kurzbiografie von Schriftsteller Mark Twain, der die Rigi besuchte.

Bild: PD

Untergrund ist in Bewegung

Die Korporation Weggis hat im letzten Jahr eine Zustandsanalyse durch ein Bauingenieurbüro machen lassen. Gemäss geologischem Gutachten ist die Kapelle nicht auf Fels sondern auf Hangschutt und/oder künstlich aufgeschütteten Steinen und Blöcken gebaut. Dieser Untergrund ist offensichtlich in Bewegung, das Erdmaterial senkt sich ab, das Fundament driftet auseinander. Die Bewegungen des Untergrundes sind in den letzten Jahren offenbar stärker geworden, weil die Risse zum Teil frisch sind.

Damit die Kapelle auch die nächsten Jahrzehnte übersteht, müssen laut Küttel langfristig mehrere Sanierungsmassnahmen getätigt werden. Bevor die Risse geschlossen werden können, muss die Kapelle auf einen neuen Trägerrost abgestellt werden, der die unterschiedlichen Bewegung des Untergrunds überbrücken kann. «Die Fassaden müssen hydraulisch angehoben werden, damit sie mit Eisenträgern unterfangen werden können», erklärt Küttel. Damit der neue Trägerrost der Kapelle nicht wieder abrutscht, soll der Untergrund mit Mikrobohrpfählen gesichert werden.

Trotz des schlechten baulichen Zustands ist die Kapelle am historischen Rigiweg weiterhin zugänglich. «Es ist nicht so, dass die Kapelle sofort einstürzt», sagt der Korporationsverwalter. Die unmittelbare Gefahr würde laut Küttel wohl aber nach längeren starken Regenfällen eher bestehen.

Ein tiefer Riss auch oberhalb eines Fensters der Heiligkreuz-Kapelle.

Ein tiefer Riss auch oberhalb eines Fensters der Heiligkreuz-Kapelle.

Bild: PD

Korporation sammelt Spenden für Sanierung

Die Sanierungsarbeiten werden aufwändig und kostenintensiv. «Das Problem liegt darin, dass die Kapelle am Rigiweg keine Zufahrtsmöglichkeiten hat», sagt Küttel. Der Transport von Baumaschinen und -material mit dem Helikopter werde aufgrund einer Starkstromleitung in der Nähe wohl eher nicht möglich sein. Um die Sanierung zu finanzieren, will die Korporation nun Spenden sammeln.

Wie hoch die Kosten und das Spendenziel sind, kann Küttel noch nicht sagen, da es noch keinen Kostenvoranschlag gebe. Küttel ist zuversichtlich: «Die Solidarität bei den Weggisern ist gross. Zudem wollen wir bei diversen Institutionen anfragen.» Auch die kantonale Denkmalpflege habe mündlich einen Beitrag zugesichert. Bei der Sanierung der denkmalgeschützten Kapelle werde mit der Denkmalpflege zusammengearbeitet.

Auch Rigiweg muss befestigt werden

Sanierungsmassnahmen sind aber nicht nur an der Kapelle und ihrem Fundament nötig. Die Zustandsanalyse zeigt auf, dass der Rigiweg, der talseitig an der Kapelle durchführt, instabil ist. Das Gelände ist an dieser Stelle stark abfallend. Der Weg ist auf einer Länge von zirka 25 Metern mit einem Holzkasten und auf zirka 10 Metern mit einer Trockenmauer stabilisiert. «Der Holzkasten ist sehr morsch. Er muss dringend ersetzt werden», erklärt Josef Küttel. Hier werde in Zusammenarbeit mit der Gemeinde eine Lösung angestrebt. Zwar sei die Gemeinde Weggis für den Wanderweg zuständig. «Da es der Alpweg der Korporation ist, müssen wir uns zur Hälfte an den Kosten beteiligen», so Küttel.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Korporation Weggis eine Kapelle von Grund auf saniert. 2015 wurde die Felsenkapelle auf Rigi Kaltbad, die ebenfalls der Korporation gehört, renoviert. Die Arbeiten wurden ebenfalls wegen Rissen am Gewölbe und an den Wänden nötig. Auch damals wurden Spendengeldern von Privaten, Gönnern und Stiftungen gesammelt.

Hinweis: Spendenkonto: Luzerner Kantonalbank, AG 6003 Luzern, CH63 0077 8141 8848 4200 6 Heiligkreuz Kapelle Korporation Weggis; http://www.korporation-weggis.ch/

Mehr zum Thema