Kommentar

Die klare Priorisierung der Risikopersonen bei der Grippeimpfung ist richtig

In den letzten Jahren wollten sich wenig Schweizer gegen die Grippe impfen. Heuer ist es ganz anders. Daher müssen nun Risikopersonen klar bevorzugt werden.

Roseline Troxler
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Roseline Troxler

Roseline Troxler

Bei der Grippe sind Schweizer Impfmuffel. Das verdeutlichen Zahlen des letzten Jahres. Die Durchimpfung bei den über 64-Jährigen betrug bloss 31 Prozent, bei Personen mit chronischen Erkrankungen lag sie gar nur bei einem Viertel. Ganz anders etwa in Frankreich oder Italien, wo sich mehr als die Hälfte der Ü64-Jährigen gegen die Grippe impfen liess.

Mit der Coronapandemie haben sich die Vorzeichen gerändert. Auch im Kanton Luzern stieg die Nachfrage nach der Grippeimpfung stark an, wie Ärzte und Apothekerinnen bestätigen. Vor allem Risikopersonen fürchten sich vor der Grippe. Das Problem: Die Schweiz konnte sich bisher nur 1,8 Millionen Impfdosen sichern und es kommt nun zusätzlich zu Lieferverzögerungen. Daher ist es richtig, dass Ärzte bei der Grippeimpfung gefährdete Personen priorisieren.

Wichtig ist allerdings auch, dass sich die Impfrate beim medizinischen Personal erhöht. Dieses hat direkten Kontakt mit Risikopersonen. Ein Impfzwang wäre aber der falsche Weg. Vielmehr sollen Gesundheitsfachleute noch besser für das Thema sensibilisiert werden. Nicht angezeigt ist hingegen der Aufruf vieler Unternehmen an ihre Arbeitnehmer, sich impfen zu lassen. Die knappen Impfdosen sollen dieses Jahr Risikopersonen und nahen Angehörigen zugutekommen. Zumal die Gefahr einer Grippewelle heuer durch die vielen bestehenden Schutzmassnahmen deutlich geringer ist. Das zeigte sich jüngst schon auf der Südhalbkugel.