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Ruswil: Die «kleine historische Sensation» verschwindet stumm

Es kommt immer wieder vor, dass im Kanton Luzern historische Gebäude der Abrissbirne zum Opfer fallen. Nun hat es in Ruswil Anfang August eines der ältesten Wohnhäuser im Kanton Luzern getroffen. Ein Nachruf.
Urs-Ueli Schorno
Älter, als es von aussen scheint: Das alte Gerichtsgebäude von Ruswil war hinter der Fassade dieses Hauses versteckt. (Bild: Denkmalpflege Luzern)

Älter, als es von aussen scheint: Das alte Gerichtsgebäude von Ruswil war hinter der Fassade dieses Hauses versteckt. (Bild: Denkmalpflege Luzern)

Zunächst deutet nichts darauf hin, dass in Ruswil gerade Historisches passiert. Die Dorferneuerung schreitet wie geplant voran. Die Gemeinde investiert rund 33 Millionen Franken in das Parkhaus und in die Überbauung Dorfkern Ost. Bis 2020 sollen 30 Wohnungen und Gewerbeflächen für einen Grossverteiler, eine Bank und weitere Läden entstehen. Auch für die geplanten öffentlichen Verbindungswege Märtplatz – Laubeweg und Märtplatz – Dorfplatz sind die ersten Verträge mit einzelnen Grundeigentümern unterzeichnet.

Damit das vom Volk abgesegnete Projekt umgesetzt werden kann, wurden Anfang August einige bestehenden Bauten abgerissen – um Platz zu schaffen. Ein ganz normaler Vorgang im Kanton Luzern.

Versteckt hinter Gebäude aus dem 19. Jahrhundert

Doch: Unter anderem fiel bei den Abrissarbeiten auch das alte Gerichtsgebäude den Baggern zum Opfer. Das alte Gerichtsgebäude in Ruswil? Es war nicht so leicht zu erkennen: Erst als die damaligen Besitzer 2004 das Haus verkaufen wollten, wurde die Denkmalpflege auf das Gebäude aufmerksam.

Hinter einer eher gewöhnlichen Fassade, die erst im 19. Jahrhundert errichtet wurde, trat nämlich Gebälk zum Vorschein, das zu einem Blockbau aus dem Jahr 1461 gehört. Das förderten Bausondierungen zu Tage. Eine kleine historische Sensation über die auch unsere Zeitung am 30. November 2004 berichtete. «Die Bauuntersuchung hatte damals ein hohes Alter des Hauses festgestellt, aber auch einen schlechten Zustand, insbesondere der Konstruktion des Holzbaus», sagt Marcus Casutt, für das Gebiet zuständiger Denkmalpfleger. Das alte Gerichtsgebäude war also baufällig, und obwohl Bund und Gemeinden einen Beitrag in Aussicht gestellt hätten, galt eine Sanierung nur dann als realistisch, wenn ein Gönner gefunden worden wäre – was nicht der Fall war.

Detail: Die Verzierung einer Innenwand aus dem 15. Jahrhundert. (Bild: Denkmalpflege Luzern)

Detail: Die Verzierung einer Innenwand aus dem 15. Jahrhundert. (Bild: Denkmalpflege Luzern)

«In der Abwägung priorisierte die Denkmalpflege den Erhalt des gegenüberliegenden Chrämerhauses, das im Kern von 1628 datiert. Gleichzeitig wollten wir die Zentrumsentwicklung ermöglichen», so Casutt. «Das Ziel war Erhalt und Entwicklung des Ruswiler Ortskern als Ganzes.»

«Der Bestand an historischen Zeugen aus den vergangenen Jahrhunderten wird nicht mehr grösser, er nimmt immer nur ab.»

Marcus Casutt, Denkmalpfleger

Im Rahmen des Gesamtprojekts Märtplatz stimmte die Bevölkerung 2015 also zu, eines der ältesten Wohnhäuser im Kanton Luzern abzureissen. «In Sinne der Rechtssicherheit war es nicht angezeigt, auf den damaligen Entscheid zurückzukommen. Zumal der Erhaltungszustand schlecht war», begründet Casutt die Zurückhaltung der Denkmalpflege. Er sagt aber auch: «Wir bedauern den Verlust von erhaltens- und schützenswerten Bauwerken immer. Der Bestand an historischen Zeugen aus den vergangenen Jahrhunderten wird nicht mehr grösser, er nimmt immer nur ab.»

Diese dunkel gefasste Bohlendecke kam erst bei einem Bauuntersuch zum Vorschein. (Bild: Denkmalpflege Luzern)

Diese dunkel gefasste Bohlendecke kam erst bei einem Bauuntersuch zum Vorschein. (Bild: Denkmalpflege Luzern)

Obwohl es nicht das älteste Wohnhaus des Kantons ist – das Torhaus in Hohenrain datiert von 1196 – sei das alte Gerichtsgebäude dennoch aussergewöhnlich gewesen. Das zeigte die Abbruchdokumentation. Casutt spricht von einem «auffällig grossen Grundriss». Im zweiten Obergeschoss gab es offenbar einen grossen Saal. «Zweifellos handelte es sich um nicht ein einfaches Wohnhaus, sondern einen Bau mit einer besonderen Nutzung», folgert Casutt.

Was ist das Geheimnis des grossen Saals?

Welche Nutzung das gewesen sein könnte, weiss Casutt nicht. «Dazu wären weitere Nachforschungen notwendig.» Diese werden nicht mehr am Original stattfinden können. Für die Aufbewahrung von Gebälk oder anderen Bauteilen fehlt nämlich das Geld. «Leider besteht keine Möglichkeit zur Einlagerung solcher Teile, geschweige denn ganzer Häuser. Wir würden uns ein Bauteillager aber sehr wünschen», sagt der Denkmalpfleger.

Was bleibt, ist die Möglichkeit der wissenschaftlichen Bearbeitung und Auswertung der Entdeckungen. Die Kantonsarchäologie könne diese aber aus Ressourcengründen nicht leisten. Casutt: «Wir hoffen dennoch auf die Aufarbeitung der Dokumentation durch wissenschaftliche Arbeiten, etwa im Rahmen einer universitären Diplomarbeit.» Diese könnte sich etwa dem Geheimnis des grossen Saals widmen – indem der Grundriss mit anderen Gerichtsgebäuden aus derselben Zeit verglichen wird. Doch vorerst versinkt das alte Gerichtsgebäude als Dokument in den Archiven. Auch das: ein ganz normaler Vorgang im Kanton Luzern.

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