Die Krux mit den vielen Bauten in der Landwirtschaftszone im Kanton Luzern 

Bauen in der Landwirtschaftszone ist stark eingeschränkt. Das führt im Kanton Luzern immer wieder zu Konflikten, denn bestehende Gebäude können weder erweitert noch ersetzt werden.

Roseline Troxler
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Diese Scheune ist offensichtlich noch in Betrieb, aber immer mehr von ihnen stehen leer.

Diese Scheune ist offensichtlich noch in Betrieb, aber immer mehr von ihnen stehen leer. 

(Bild: René Ruis/Keystone)

Eine ehemalige Scheune auf der Luzerner Landschaft. Kurt Müller* (Name geändert) hat das Gebäude von seinem Vater geerbt. Da es einst der Landwirtschaft diente, darf das Ökonomiegebäude nur noch zu Lagerzwecken ohne gewerblichen Charakter genutzt werden. Doch die Scheune ist baufällig – insbesondere der Dachstuhl. Die Handwerker winken ab, einzelne Balken zu ersetzen, wie Kurt Müller sagt. Dies sei zu aufwendig und teuer. Ein Neubau eines nicht mehr landwirtschaftlich genutzten Ökonomiegebäudes ist laut Raumplanungsgesetz hingegen ausgeschlossen, wie es in der Wegleitung des Kantons Luzern heisst. Kurt Müller ist ratlos und fragt: «Soll ich das Gebäude einfach verfallen lassen?» Der Luzerner braucht deutliche Worte: «Die Einschränkung durch das Gesetz kommt für mich faktisch einer Enteignung gleich.»

Kurt Müller ist überzeugt, dass dadurch in den nächsten Jahren immer mehr Lagerräume auf der Landschaft verschwinden werden. Dabei ist sich der Luzerner sicher, dass solche Gebäude für viele Vereine zentral sind: «Sie basteln und lagern dort beispielsweise ihre Fasnachtswagen.»

Striktere Handhabe ausserhalb der Bauzone

Die Schweiz hat in den letzten Jahren die Schrauben angezogen, was das Bauen ausserhalb der Bauzonen betrifft. So soll der Zersiedelung Einhalt geboten werden. Der Kanton Luzern hat in der Folge per 2019 das Planungs- und Baugesetz und die entsprechende Verordnung angepasst.

Roland Emmenegger leitet seit kurzem die Abteilung Baubewilligungen bei der kantonalen Dienststelle Raum und Wirtschaft (Rawi). Er sagt auf Anfrage: «Um die weitere Zersiedelung zu stoppen, ist die konsequente Umsetzung des Raumplanungsgesetzes zwingend.» Der Kanton Luzern halte sich daran, «auch wenn im Einzelfall anspruchsvolle Entscheide gefällt werden müssen». Nur mit einer strikten Anwendung könne man die Zersiedlung stoppen, «sonst gibt es immer wieder Spezialfälle, wo man Ausnahmen machen soll».

Ein Viertel der Bauten steht ausserhalb der Bauzonen

Genaue Zahlen zur Anzahl der Ökonomiegebäude, welche nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, hat der Kanton Luzern nicht. «Die Bauten ohne Wohnnutzung, die ausserhalb der Bauzonen stehen, sind nicht vollständig erfasst.» Klar ist, dass es im Kanton Luzern laut Rawi rund 70'000 Bauten mit Wohnnutzung gibt. Es kann laut Roland Emmenegger davon ausgegangen werden, dass insgesamt rund ein Viertel aller Bauten ausserhalb der Bauzonen stehen. «Zwei Drittel davon sind Gebäude ohne Wohnnutzung.»

Laut Emmeneggers Vorgänger Mario Conca gibt es im Kanton Luzern überdurchschnittlich viele Bauten ausserhalb der Bauzone. Wie er im November sagte, führe diese Tatsache nun oft zu Problemen, was sich auch am eingangs beschriebenen Fall zeigt. Denn eine Erweiterung ist ebenso ausgeschlossen wie der Ersatzbau, wie es in der Wegleitung zum Gesetz heisst. Möglich ist lediglich der bauliche Unterhalt. «Es dürfen nur mangelhafte Teile ersetzt oder instand gestellt werden», sagt Roland Emmenegger und führt aus:

«Für nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Bauten und Anlagen, die somit zonenfremd sind, hat das Raumplanungsgesetz strenge Anforderungen.»

Laut Roland Emmenegger wird keine Statistik dazu geführt, wie viele Beschwerden aufgrund von Entscheiden zu Bauen ausserhalb der Bauzone jährlich eingehen.

Tatsache ist: Immer mehr Bauern geben ihre landwirtschaftliche Tätigkeit auf. In der Folge steigt die Zahl der Ökonomiegebäude, welche nicht mehr für die Landwirtschaft benötigt werden. Künftig könnten also mehr und mehr dieser Ökonomiegebäude auf der Luzerner Landschaft verschwinden, weil die Gebäude baufällig werden, ein Ersatz aber nicht möglich ist. «In der laufenden zweiten Revision des Raumplanungsgesetzes soll der Zunahme an solchen Ökonomiegebäude besondere Beachtung geschenkt werden», sagt Emmenegger.

Schweizweit gibt es laut dem Bund rund 590'000 Gebäude ausserhalb der Bauzone, zirka 190'000 davon werden bewohnt. Heute ist noch ein grosser Teil davon landwirtschaftlich genutzt. Doch mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft ändert sich das zunehmend. In der Botschaft des Bundes zur Teilrevision des Raumplanungsgesetzes heisst es: «Die Frage, wie mit diesen Bauten umgegangen wird, ist von erheblicher Relevanz für Raum, Umwelt und Landschaft.» Doch derzeit geht es mit der zweiten Teilrevision im nationalen Parlament nicht voran. Emmenegger sagt:

«Die Interessen reichen von einer grundsätzlichen Lockerung für die Landwirtschaft bis zum kompletten Gegenteil.»