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Öffentliche Räume in Luzern-Süd: Da ist noch Luft nach oben

Hochhäuser, Bürokomplexe, Hotels: Der Süden von Luzern - einst der Hinterhof von drei Gemeinden - verändert sich rasant. Doch entsteht auch genügend öffentlicher Raum? Es wird wohl eng, wie ein Podium zeigt.
Roman Hodel
So soll der öffentliche Platz zwischen Bahnhof Mattenhof (links) und der Pilatusarena (Mitte) künftig aussehen. (Visualisierung: PD)

So soll der öffentliche Platz zwischen Bahnhof Mattenhof (links) und der Pilatusarena (Mitte) künftig aussehen. (Visualisierung: PD)

Einst war das Gebiet, auf dem zurzeit der neue Stadtteil Luzern Süd in die Höhe wächst, der Hinterhof von drei Gemeinden. Alle haben hier etwas gewurstelt. Seit ein paar Jahren läuft das Ganze koordiniert. Man will eine räumliche Qualität schaffen, damit man es als Stadt bezeichnen kann. Diese treffende Umschreibung lieferte am Mittwochabend im Laboratorium auf dem Luzerner EWL-Areal Pius Zängerle, Präsident des Verbands Luzern Plus. Nur: Entsteht auch genügend ­öffentlicher Raum?

Dieser Frage ging ein Podium nach, das dort stattfand. Dazu geladen hatte die AFG Architektenfachgruppe des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) Zentralschweiz. Entsprechend sassen im gut gefüllten Saal vorwiegend Architekten und Planer:

«Es wird wohl knapp», sagte der Krienser Stadtpräsident ­Cyrill Wiget (Grüne). Es fehle ein Park - abgesehen von jenem über der Autobahn -, und man könne nicht ständig auf die Allmend oder gar den Pilatus verweisen. Er fuhr fort:

«Im Nachhinein betrachtet, hätten wir früher eingreifen müssen, uns etwa Land sichern sollen.»

Das Problem sei halt, öffentliche Nutzungen lieferten den Investoren keine Einnahmen. «Dabei müssen auch sie ein Interesse haben, dass öffentliches Leben entsteht – sonst entsteht extrem gesagt ein Ghetto.»

Gewiss würden Investoren von gut funktionierenden öffentlichen Räumen profitieren, sagte Manuel Schneider, Leiter der Niederlassung Luzern von Losinger Marazzi. Das Unternehmen entwickelt auf dem Nidfeld-Areal eine Grossüberbauung mit einem 60-Meter-Hochhaus. Es läuft die Baubewilligungsphase. «Wir beteiligen uns beispielsweise an der Süd-Allee, weil eine Aufwertung dieser Strasse Sinn macht.» Daneben realisiere man innerhalb der eigenen Überbauung Grünräume mit öffentlichem Charakter, beispielsweise entlang der Autobahn. Schneider verneinte zudem, dass Investoren mit öffentlichen Nutzungen kein Geld verdienen würden:

«Wir würden für die Stadt problemlos ein Schulhaus einrichten und hätten es auch schneller gebaut. Die Kommunen müssten ja nicht alles selber bewerkstelligen.»

Eine öffentliche Nutzung jedenfalls hat die Stadt Kriens dem Nidfeld-Quartier «aufs Auge gedrückt», wie es Schneider formulierte: eine Entsorgungsstation. «Damit sind wir allerdings nicht glücklich, weil sie Lärm und Verkehr generiert – aber irgendwo im Gebiet muss es ja eine haben.» Podiumsleiter Jean-Pierre Deville, ehemaliger Stadtarchitekt von Luzern, musste darob schmunzeln und warf ein: «Na immerhin ist eine Entsorgungsstation ein Treffpunkt, vor allem am Samstag.» Worauf Schneider mit ironischem Unterton entgegnete: «Ja, genauso wie die vielen Cafés – gemäss den Visualisierungen der grossen Überbauungen entstehen in Luzern-Süd bestimmt 24 neue Cafés.»

Dass der öffentliche Raum sicher nicht überall gelingt oder gelungen ist, musste auch Ursina Fausch einräumen. Die Architektin verantwortet das räumliche Entwicklungskonzept zu Luzern Süd mit. Der Schweighof etwa besteht vornehmlich aus Abstandsgrün:

«Der Schweighof basiert auf einem Bebauungsplan, der schon bestand, als wir die Planung aufgenommen haben – das würden wir heute nicht mehr so durchwinken», sagte Fausch. Allerdings könne man mit dem Entwicklungskonzept sowieso nur bedingt Einfluss nehmen: «Es ist nicht verbindlich, daher heisst es primär gut zureden und verhandeln – das geht mal besser, mal schlechter.»

Auf dem Podium sass mit Wada Jossen auch ein Anwohner aus der nahen Kuonimatt. Er weiss um die Skepsis in der Bevölkerung: «Das Neue, vor allem in dieser Grösse, schreckt viele ab.»

Hier ein Blick auf das Modell des künftigen Stadtteils - im Vordergrund der Mattenhof:

Selber sieht es Anwohner Wada Jossen jedenfalls positiv: «Ich sagte immer, wenn ich alt bin, werde ich in die Stadt ziehen – nun kommt die Stadt quasi zu mir, ist doch toll.»

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