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Viele Luzerner Ärzte sind schon Senioren: Warum es mit der Praxisübergabe oft hapert

Im Kanton Luzern sind 353 Hausärzte in einer Praxis tätig. Knapp 170 davon haben das Pensionsalter erreicht, arbeiten aber weiter – häufig, weil sie nur schwer eine Nachfolge finden.
Yasmin Kunz
Die eigene Praxis in neue Hände zu geben, gestaltet sich in vielen Fällen schwierig. (Bild: Christian Beutler/Keystone, 28. März 2014)

Die eigene Praxis in neue Hände zu geben, gestaltet sich in vielen Fällen schwierig. (Bild: Christian Beutler/Keystone, 28. März 2014)

Benno Kreienbühl führte 33 Jahre lang eine Hausarztpraxis in Ettiswil. Der Allgemeinmediziner arbeitete bis 70 – so lange, bis er 2011 nach vier Jahren Suche einen Nachfolger gefunden hatte. Dieser Schritt steht Willi Baldi noch bevor. Der Landarzt im Entlebuch sucht seit ungefähr fünf Jahren eine Nachfolge für seine Praxis. Aktuell arbeitet der 67-Jährige noch 120 Prozent, wie er sagt: «Mein Wunsch ist es, langsam das Pensum zu reduzieren.» Darum hoffe er auf eine baldige und gute Übergangslösung. Klaus Egger, ehemaliger Hausarzt in Adligenswil, ging Anfang 2018 mit 72 Jahren definitiv in Pension. Seine Nachfolge hatte der Hausarzt aber schon sehr früh geregelt, wollte aber in der Übergangsphase noch für seine Nachfolger da sein. Das Pensum habe er innert zwei Jahren nach und nach reduziert.

Weil die Praxisübergabe oftmals ein langwieriges Prozedere ist, arbeiten viele Ärzte in der Grundversorgung weit über das Pensionsalter hinaus. Im Kanton Luzern gibt es derzeit 232 Hausarztpraxen und 353 Hausärzte. Davon haben 170 Hausärzte ihr Staatsexamen zwischen 1976 und 1985 absolviert, also vor über 30 Jahren. Somit sind sie entweder an der Pensionsgrenze oder schon darüber hinaus. Sie haben also demnächst eine Praxis zu verkaufen.

Im Nachbarland werden gar Praxen verschenkt

Die Übergabe einer Hausarztpraxis gestaltet sich heutzutage sehr schwierig, wie Hansruedi Federer, Inhaber von Federer und Partners auf Anfrage sagt. Seit 20 Jahren ist das Unternehmen mit Sitz im aargauischen Dottikon in der Unternehmensberatung im Gesundheitswesen tätig. Federer betreute in den vergangenen Jahren mehrere Luzerner Hausärzte bei der Übergabe. Die Beratungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Praxis-/Zentrumsgründung, Optimierung bestehender Praxen sowie Praxisverkauf.

Noch akuter scheint das Problem der Praxisverkäufe ennet der Schweizergrenze zu sein: In Deutschland haben schon mehrere Hausärzte ihre Praxis zu verschenken versucht, weil sie keinen Käufer fanden. Doch auch das führte nicht immer zum gewünschten Ergebnis.

«Es ist verständlich, dass junge Ärzte ungern das Risiko der Selbstständigkeit tragen wollen und vorerst eher eine Anstellung mit weniger Verantwortung bevorzugen.»

Hansruedi Federer, Unternehmensberater

Zurück nach Luzern: Die Situation um die vielen zum Verkauf stehenden Praxen und die fehlenden Nachfolger ist prekär, wie Hansruedi Federer sagt. Er kennt auch die Gründe – einerseits den Zulassungsstopp von Ärzten aus dem Ausland, andererseits die Konkurrenz durch die Spitäler. Die Situation habe sich in den letzten Jahren zugespitzt, weil unter anderem immer mehr Frauen in den Hausarztberuf einsteigen, die primär Teilzeitmodelle anstreben würden, so Federer. Ausserdem verunsicherten staatliche Eingriffe ins Gesundheitswesen den Nachwuchs. «Es ist verständlich, dass junge Ärzte ungern das Risiko der Selbstständigkeit tragen wollen und vorerst eher eine Anstellung mit weniger Verantwortung bevorzugen.» Dem pflichtet auch der langjährige Hausarzt Willi Baldi bei und weist auf das Missverhältnis hin: «Es gibt mehr Praxen, die Jungärzte suchen, als Jungärzte.» Und in der Regel würde man nach Abschluss der Ausbildung nicht als Erstes ein «eigenes Geschäft» anvisieren.

Veraltete Praxen verhindern Verkauf

Und weil die Übergabesituation an sich schon schwierig ist, seien eine gute Planung und viel Vorlaufzeit unabdingbar, so Hansruedi Federer: «Ärzte, die an eine Praxisnachfolge denken, sollten etwa fünf Jahre vor der geplanten Übergabe professionelle Unterstützung annehmen.» Einem Fachmann würde dann genügend Zeit eingeräumt, Massnahmen zu ergreifen, um das Verkaufsergebnis zu verbessern. Oder er kann seinem Klienten im negativen Fall frühzeitig klar machen, dass ein Verkauf wenig Chancen hat.»

Das ist gemäss Federer nicht mal so selten der Fall. «Leider sind 70 Prozent der im Markt stehenden Grundversorgerpraxen eigentlich unverkäuflich, weil sie nicht mehr den Markterfordernissen entsprechen.» Konkret heisst das: «Ungünstiger Standort, veraltete Technologien, was die Geräte betrifft, zu wenig Patienten – vor allem bei pensionierten Ärzten – oder überaltertes Patientengut.»

Wer seine Praxis verkaufen wolle, müsse sie bis zur Übergabe à jour halten und «fortlaufend in Erneuerungen investieren». Federer weist jedoch darauf hin, dass Investitionen keine Garantie für eine erfolgreiche Übergabe sind. Erfahrungsgemäss gibt es einige Ärzte, die es zuerst auf eigene Faust probieren, ihre Praxis zu übergeben und wenn es nicht klappt, würden sie sich externe Unterstützung holen. «Doch die meisten Ärzte nehmen gleich von Beginn weg professionelle Hilfe in Anspruch.»

«Bei einem Zusammenschluss können Synergien genutzt werden und es kann sich eine vorteilhafte Kostenstruktur etablieren.»

Hansruedi Federer, Unternehmensberater

Einen eher innovativen Weg beschritten haben die beiden Hausärzte Mark Albisser und Josef von Rickenbach in Root. Sie haben ihre Einzelpraxen – die sich unter dem gleichen Dach befinden – auf den 1. Juli 2018 zu einer Familienpraxis zusammengelegt und die Bonamed AG als Besitzerin eingesetzt. Federer sagt dazu: «Bei einem Zusammenschluss können Synergien genutzt werden und es kann sich eine vorteilhafte Kostenstruktur etablieren.» Ein Beispiel: Die Öffnungszeiten können ausgedehnt werden, wenn zwei Ärzte in einer Praxis arbeiten. Zudem erlaubt eine Fusion den einzelnen Medizinern eine ausgewogenere Work-Life-Balance, weil sie nicht mehr die alleinige Verantwortung für das Geschäft tragen müssen. Federer fasst es so zusammen: «Der Patientennutzen wird gesteigert und gleichzeitig gewinnt der Hausarztberuf an Attraktivität.»

Praxisfusionen sind das Modell der Zukunft

«Gemeinschaftliche Modelle wie etwa jenes in der Gemeinde Root haben sicher Zukunft», sagt Federer. Die hausärztliche Versorgung mit hoher Qualität und breitem Angebot wird seiner Ansicht nach nicht ganz verschwinden, «aber doch zum überwiegenden Teil im Sinne einer Schmalspur-Medizin mit viel Hightech und weniger Empathie von angestellten Ärzten in Spitalambulatorien durchgeführt werden». Federer weist zudem darauf hin, dass Bundesrat Alain Berset dies unter anderem mit der Tarif-Anpassung, dem Numerus clausus und dem Zulassungsstopp so geplant hat. «Der Steuerzahler muss die enormen Defizite der Spital-Ambulatorien finanzieren und damit finanziert er gleichzeitig die Liquidation einer qualitativ hochstehenden Hausarzt-Medizin.»

«Ich war lange Zeit Lehrarzt und habe Studenten ausgebildet. Während ihrer Zeit bei mir in der Praxis versuchte ich, ihnen die interessante Arbeit schmackhaft zu machen.»

Klaus Egger,



ehemaliger Hausarzt in Adligenswil

Den Hausärzten Klaus Egger und Benno Kreienbühl ist die Übergabe letztlich geglückt und sie haben einen Nachfolger gefunden. Die Praxis in Adligenswil wird nun von einem Arzt und drei jungen Ärztinnen geführt. Egger: «Ich war lange Zeit Lehrarzt und hatte immer wieder Studenten ausgebildet. Während ihrer Zeit bei mir in der Praxis versuchte ich, ihnen die interessante Arbeit schmackhaft zu machen.»

Das hat funktioniert: Aus der Einzelpraxis – 33 Jahre haben Egger und seine Ehefrau diese alleine geführt – wurde eine Gemeinschaftspraxis mit Ärzten, die Egger zum Teil ausgebildet hat und die dann ihrerseits ihnen bekannte Kolleginnen ins Boot geholt haben. «Der Draht zum Nachwuchs hat mir gewiss geholfen», ist er überzeugt. Daneben war es mit Sicherheit hilfreich, eine moderne Praxis mit elektronischer Krankengeschichte und gut eingebundener Technik übergeben zu können. Mit seiner Nachfolge ist er «sehr zufrieden». Im Dezember 2018 wird in eine grosse Praxis, angegliedert an ein Pflegezentrum, gezügelt.

«Mit der Genossenschaftspraxis können wir finanzielle Risiken für die Nachfolger reduzieren.»

Willi Baldi, Landarzt in Entlebuch

In Entlebuch plant man derweil eine Genossenschaftspraxis. «So können wir finanzielle Risiken für die Nachfolger reduzieren», wie Willi Baldi sagt. «Das ist für Jungärzte attraktiver.» Die Eröffnung ist im Jahr 2021 geplant. Willi Baldi wird dann 70 sein und die Tätigkeit als Hausarzt definitiv einstellen.

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