Die letzten Tage von Ruchs «Chäsi-Lade» in St. Erhard: «Das Fondue wird auf Vorrat gekauft»

Am Fasnachtssamstag stehen Robert und Hedi Ruch zum letzten Mal hinter ihrer Käsevitrine. Nach fast 30 Jahren ist ihr «Chäsi-Lade» in St. Erhard bald Geschichte.

Janick Wetterwald
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An der Kantonsstrasse 10 in St. Erhard ist auf einer Tafel geschrieben: «Aktuell: 22 Sorten Raclettekäse und 4 Sorten Fondue fixfertig (hausgemacht)». Die Tafel steht vor dem «Chäsi Lade» von Hedi und Robert Ruch – noch bis am 22. Februar. Die Ruchs machen Schluss, nach fast 30 Jahren. «Wir haben einen Mieter gefunden, und mussten zuschlagen», sagt Robert Ruch. Seine Frau ergänzt: «Uns liegt am Herzen, dass der Laden im Dorf weiter besteht, darum haben wir diese Chance genutzt. Sonst hätten wir sicher noch ein paar Jahre weitergemacht.»

Noch bis zum Fasnachtssamstag verkauft das Ehepaar Ruch den Käse.

Noch bis zum Fasnachtssamstag verkauft das Ehepaar Ruch den Käse.

Pius Amrein (St. Erhard, 14.01.2020)

Volg wird Einzug halten und auch die Poststelle weiter bedienen. Anfang März soll der Laden bereits wieder offen sein. Das grosse Käsesortiment aber, das wird verschwinden. «Der Käse war unser Prunkstück, er hielt uns alle diese Jahre über Wasser», sagt der 62-jährige Robert Ruch.

Seit 1991 führt das Ehepaar den Laden im Knutwiler Ortsteil. «Damals hatte die Migros in Sursee am Montag geschlossen, alle kamen zu uns einkaufen», erinnert sich Robert Ruch und lacht verschmitzt. Die 58-jährige Hedi Ruch sagt rückblickend: «Es war stets ein Auf und Ab, wir standen mehrmals kurz vor dem Aufhören.» 

Dranbleiben oder untergehen

Als die Ruchs 1991 in St. Erhard einzogen, war die alte Käserei dort bereits zu einem Laden umgebaut. Diesen übernahm das Ehepaar, welches schon Erfahrung in diesem Geschäft sammeln konnte: Auf der Rigi und auch in Solothurn führten sie Läden, bevor sie nach St. Erhard kamen. Dort blieben sie stetig am Ball, um den Anschluss gegen die grossen Konkurrenten in Sursee nicht zu verlieren. Neue Kasse, neue Kühlregale, der Postschalter und zweimal ein grosser Umbau, zuletzt vor sieben Jahren: «Wir mussten investieren, oder den Laden aufgeben», sagt Hedi Ruch.

Sie investierten. Und vergrösserten die Käsevitrine. Einen Namen machten sich die beiden auch mit ihren grossen Fleisch-Käse-Platten. «Dieses Geschäft läuft super und die Arbeit macht Spass – aber es ist auch anstrengend», erklärt Hedi Ruch.

Aufwendig angerichtet: die Apéro-Platten von Hedi und Robert Ruch.

Aufwendig angerichtet: die Apéro-Platten von Hedi und Robert Ruch.

Pius Amrein (St. Erhard, 14.01.2020)

Die Ruchs schmissen den Laden all die Jahre zu zweit. Die Zeit scheint aber überhaupt nicht an den beiden genagt zu haben: Sie machen oft Witze und erinnern sich mit vielen Lachern an vergangene Tage.

Hedi Ruch erzählt von den Weindegustationen:

«Das waren schöne Feste mit vielen Leuten. Für diejenigen, die dann etwas wackelig die Treppe runter liefen, gab es auch noch eine Verpflegung aus dem Laden.»

Sowieso werden sie den Kundenkontakt und die Gespräche im Laden am meisten vermissen – und den Käse. Auch die Kunden werden den Spezialitäten vom «Chäsi Lade» nachtrauern, sagt Hedi Ruch: «Viele kaufen jetzt das Fondue auf Vorrat – es ist verrückt. ‹Dä cheibä Chääs!›.» 

Stressfrei geniessen

Nach dem Fasnachtssamstag werden die Ruchs nicht mehr in ihrem Laden stehen. Wie werden sie also die gewonnene Zeit nutzen? «Das wissen wir noch gar nicht», sagt Robert Ruch, «wir hatten ja bisher gar keine Zeit für Hobbys.» Die Aufräumarbeiten würden die beiden sicher über den 22. Februar hinaus beschäftigen. Hedi Ruch sagt: «Danach geniessen wir es einfach mal, ohne fixe Termine und ohne den Stress.»