Die Lozärner Määs findet nicht statt – es ist erst die zweite Absage in der Geschichte der traditionellen Herbstmesse

Vom 3. bis 18. Oktober hätte die Lozärner Määs stattfinden sollen. Nun wurde sie abgesagt. Es ist seit der Mobilmachung von 1939 das erste Mal, dass die Herbstmesse auf dem Inseli nicht stattfinden kann.

Sandra Monika Ziegler
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Mit der Fasnacht hatten die Luzerner ja noch Glück, doch bei der Määs muss Luzern nun doch den Baslern nachziehen. Diese hatten bereits Anfang Juli ihre Herbstmesse für dieses Jahr gestrichen. Die Stadt Luzern hat nun am Donnerstag entschieden: Die Lozärner Määs, geplant für den 3. bis 18. Oktober 2020 im Raum Europaplatz und Inseli, wird «auf Basis der geltenden Covid-19-Verordnungen und der damit verbundenen Bedingungen zur Durchführung von Grossanlässen» abgesagt.

Der Entscheid der Stadt wurde in Abstimmung mit den Markt- und Schaustellerverbänden, der Interessengemeinschaft Luzerner Herbstmesse und Märkte (IG LHMM), der Luzerner Polizei und weiteren Anspruchsgruppen getroffen, heisst es in der Mitteilung.

Mit Tagesfrequenzen von üblicherweise 20'000 Personen ist das Ansteckungsrisiko an der Määs zu gross. Im Bild die Menschenmenge nach der Zündung der Konfettibombe.

Mit Tagesfrequenzen von üblicherweise 20'000 Personen ist das Ansteckungsrisiko an der Määs zu gross. Im Bild die Menschenmenge nach der Zündung der Konfettibombe.

Eveline Beerkircher
(Luzern, 5. Oktober 2019)

Jährlich Hunderttausende Besucherinnen und Besucher

Die Lozärner Määs mit über 100 Marktständen an der Warenmesse, dem Lunapark und einem breiten Unterhaltungs- und Verpflegungsangebot zieht jährlich Hunderttausende von Besucherinnen und Besuchern an. Für die Stadt Luzern und alle Involvierten bringen die Tagesfrequenzen von rund 20'000 Personen grosse Herausforderung mit sich.

«Wir haben uns bewusst Zeit genommen für den Entscheid», sagt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern. Die Stadt habe verschiedene Szenarien mit allen involvierten Institutionen geprüft, um eine Durchführung der Määs zu ermöglichen, dies im engen Austausch mit Basel und St. Gallen. Denn gemäss der aktuellen Covid-19-Bedingungen des Bundes wären Jahrmarkt- und Marktveranstaltungen mit entsprechenden Schutzkonzepten grundsätzlich erlaubt. So wurde in den letzten Wochen geprüft, wie es gehen könnte, 15'000 bis 25'000 Personen im engen Raum auf Abstand zu halten. Zur Diskussion stand, die Määs in eingezäunten Sektoren mit Zugangskontrollen stattfinden zu lassen, sie auf die Allmend inklusive Nutzung der Messehallen zu verlegen, oder sie gleich in der ganzen Stadt auf die verfügbaren Plätze zu verteilen. Doch das Fazit habe bei allen Varianten gleich gelautet: «Es sind zu viele Menschen.» Enttäuscht ist auch Mario Lütolf:

«Es ist ein riesig grosser Frust. Als Määs-Veranstalter stehen wir in der Verantwortung und kapitulieren vor der Tatsache, unter den gegebenen Umständen kein überzeugendes Schutzkonzept realisieren zu können.»

Es sei unrealistisch über 16 Tage ein funktionierendes Schutzkonzept für täglich 20 000 Menschen in Gang zu halten. «Die Herausforderung sind nicht nur die vielen Menschen auf dem Areal, sondern auch diejenigen, die draussen Warten, um Einlass zu bekommen», so Lütolf.

Die Määs am Europaplatz 2017.

Die Määs am Europaplatz 2017.

Philipp Schmidli

Die Absage ist ein weiterer Schlag für die Betreiberinnen und Betreiber der Marktstände und der Schaustellbetriebe, die sich mit einer Vielzahl von Absagen an Markt- und Chilbi-Veranstaltungen konfrontiert sehen. Mario Lütolf: «Sie sind verzweifelt. Die Määs war für über 100 Marktstandbetreiber und 60 Schausteller ein letzter Strohhalm in dieser Zeit voller Absagen.» Die Stadt Luzern hat den Händlern und Schaustellern, die dieses Jahr leer ausgehen, den Zuschlag für einen Standplatz 2021 gegeben und werde für dieses Jahr auch keine Kosten verrechnen, so Lütolf.

Für die Schausteller kam der Entscheid nach all den vorherigen Absagen zwar nicht überraschend. Dennoch rechnet diese Branche mit grossen Verlusten, wie Eugen und Lisa Zanolla bereits Anfang Juni gegenüber unserer Zeitung sagten.

Nächste Lozärner Määs vom 2. bis 17. Oktober 2021

Die Määs hat eine lange Tradition. Seit dem 20. Jahrhundert findet dieser gesellschaftliche Grossanlass in der Regel jährlich statt. Der Anlass beginnt seit eh und je am Samstag vor dem ersten Sonntag im Oktober und dauert bis zum dritten Sonntag im Monat. Einzig infolge der Mobilmachung 1939 wurde die Herbstmesse auf dem Inseli in Luzern kurzfristig abgesagt. Die Lozärner Määs soll gemäss Plan im kommenden Jahr vom 2. bis 17. Oktober stattfinden.

Handwerkermarkt und Warenmarkt finden wieder statt

Nach dem Wochenmarkt, gibt es für zwei weitere Märkte Grünes Licht, wie Mario Lütolf sagt: «Während wir auf die Durchführung des Flohmarkts im September und Oktober verzichten müssen, weil es die örtlichen Begebenheiten nicht erlauben stimmige Schutzkonzepte umzusetzen, werden der Handwerkermarkt ab nächsten Samstag, 8.August, und der Monatswarenmarkt am Mittwoch, 5.August, mit entsprechenden Schutzkonzepten wieder stattfinden können.»