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Die Luzerner FDP setzt im Wahlkampf auf Hausbesuche

Die Luzerner Freisinnigen besinnen sich auf eine alte Methode: den Tür-zu-Tür-Wahlkampf. Damit will die Partei 1,5 Wählerprozente gewinnen und die SVP überholen. Kann das gelingen? Kampagnenexperte und Politologe Mark Balsiger glaubt ja.
Lukas Nussbaumer

Bis 1994 kam es «nur allzu oft» vor, dass Parteien vor Urnengängen Einblick in die Stimmregister nahmen, um bisher nicht wählende Personen ausfindig zu machen. Dann stellte die Regierung diese «Missbräuche» ab, wie sie die Änderung des Stimmrechtsgesetzes begründete. Seither können Parteien nur noch unbearbeitete Register einsehen.

Was aus datenschützerischer Sicht ungeheuerlich erscheint, war für die Parteien damals Gold wert: Sie konnten säumige Wähler persönlich besuchen und im Idealfall für sich gewinnen. Der aufwendige, aber erfolgsversprechende Haustür-Wahlkampf erlebte seine Blütezeit. Wahlbeteiligungen von über 60 Prozent waren die Regel.

Stagniert die SVP, muss die FDP 3,2 Prozent gewinnen

Heute interessieren die Wahlen im Kanton Luzern weniger als 40 Prozent der Stimmberechtigten (siehe Grafik). Wer als Partei trotz des schwindenden Interesses zulegen will, muss entweder mit überdurchschnittlich guten Kandidaten und Themen aufwarten – oder das eigene Wählerpotenzial ausschöpfen. Ersteres nehmen selbstredend alle Parteien für sich in Anspruch, zweiteres versuchen sie mit wechselnden Methoden Wahljahr für Wahljahr.

Das gilt auch für die FDP. Jene Partei also, die sich schon im Sommer, acht Monate vor den Wahlen vom 31. März 2019, zum Ziel gesetzt hat, zweitstärkste politische Kraft zu werden. Damit müsste sie die SVP überholen, welche die Freisinnigen 2011 vom Ehrenplatz hinter der CVP verdrängte. Stagniert der Wähleranteil der SVP, bräuchte die FDP mindestens 3,2 Prozent Wähleranteile mehr (siehe Grafik).

Zehn Freiwillige lassen sich schulen

Erreichen will Parteipräsident Markus Zenklusen dieses ehrgeizige Ziel auch mit dem in der Schweiz in Vergessenheit vergangenen Haustür-Wahlkampf. Anders ist dies in den USA oder in Frankreich, wo das gute alte Hausieren als Politmarketing Hochkonjunktur hat (siehe Kasten).

Laut Zenklusen lassen sich derzeit zehn freiwillige Freisinnige für den Tür-zu-Tür-Wahlkampf schulen. Zum ersten Mal im Einsatz stehen die als Zweier-Teams auftretenden Wahlkämpfer im Januar, bevor es im März, kurz vor dem Wahltermin, um das Eingemachte geht. Pro Stunde sollen etwa fünf Gespräche geführt werden – in der Regel vor und nicht in der Wohnung, und dies eher abends sowie an Wochenenden.

Der Besuch kommt ohne Geschenke

Um erahnen zu können, wo die Stimmenfänger Sympathien erwarten, setzt die Partei auf ein ausgeklügeltes Datenmodell. Dieses erlaubt eine Einschätzung des Wählerpotenzials nach Gemeinden, Quartieren und sogar Strassen. Laut Zenklusen konzentriert sich die FDP vorab auf ausgewählte Adressen in der Stadt Luzern, in Sursee und Willisau. Präsente werden keine verteilt.

Markus Zenklusen verspricht sich viel vom «Canvassing», zu Deutsch Kundenfang: Rund 1,5 Prozent Wähleranteile will der pensionierte Manager, der für seine Partei aktuell etwa ein 60-Prozent-Pensum leistet, so gewinnen.

«Der Schlüssel zum Erfolg heisst mehr Bürgernähe. Das machen wir mit den Hausbesuchen.»

Ausser Zeit kostet diese Art von Wahlkampf die Luzerner FDP nichts; alle Auslagen übernimmt die Mutterpartei. Neben Luzern wird die neu entdeckte alte Mobilisierungsart auch in Zürich und Baselland ausprobiert. Zeigt sie Erfolg, wird sie bei den nationalen Wahlen vom Herbst 2019 angewendet.

SVP-Wahlkampfleiter lässt Katze nicht aus dem Sack

Wie die SVP die Offensive der FDP parieren will, bleibt vorerst offen, wie SVP-Wahlkampfleiter Fredy Winiger sagt.

«Unsere Mobilisierungsmethode steht noch nicht definitiv. Doch wir haben eine Strategie»,

so der Kantonsrat aus Kleinwangen. Sicher organisiert würden Standaktionen, um persönliche Kontakte zu knüpfen.

Ebenso klar ist, wie die Volkspartei ihre Kandidaten auf den Wahlkampf vorbereitet: nämlich in Seminaren mit Tipps und Tricks für die politische Arbeit. Die FDP bildet ihre erstmaligen Anwärter auf ein politisches Amt an sogenannten Academys aus. Gemäss Zenklusen ist dieses Angebot von 60 Kantonsratskandidaten besucht worden.

Kampagnenexperte: SVP schöpft ihr Potenzial am Besten aus

Laut Kampagnenexperte und Politologe Mark Balsiger wird das eigene Wählerpotenzial von den Parteien unterschiedlich ausgeschöpft. Dabei sei klar:

«Wer die potenziellen Sympathisanten aus dem eigenen Lager besser aktivieren kann, legt zu.»

Eine Studie der Uni Lausanne zu den Nationalratswahlen 2015 zeige den Unterschied: CVP, FDP und SP hätten zwischen 44 und 59 Prozent ihres Potenzials zum Wählen gebracht, die SVP 81 Prozent.

Für Balsiger, der seit 2002 rund 50 Abstimmungs- und Wahlkampagnen begleitet hat, liegt für die Luzerner FDP «etwas drin, wenn sie den Tür-zu-Tür-Wahlkampf im grossen Stil hinbringt und ihn sympathisch macht». Viel wichtiger sei allerdings, dass die Freisinnigen bei den Nationalratswahlen 2015 gewinnen konnten. Das gebe der Partei nach 32-jähriger Talfahrt Mumm und Selbstvertrauen.

Teilnahme an «Hundsverlochete» kann sich lohnen

Klar ist für Balsiger zudem: Der persönliche Kontakt ist wirkungsvoller als das Verbreiten der eigenen politischen Meinung in den sozialen Medien. Dies «deshalb, weil man die Kandidaten auf diese Weise quasi mit fast allen Sinnen wahrnimmt». Wer problemlos mit fast allen Leuten ins Gespräch komme, profitiere von der Teilnahme an «Hundsverlochete». Wer hingegen eher linkisch oder schüchtern sei, lasse persönliche Kontakte besser bleiben.

Obama, Hollande und Macron

«Sagen Sie mir, in welcher Strasse Sie wohnen, und ich sage Ihnen, wie Sie wählen.» Das ist das Prinzip des Elsässer Marketingexperten Guillaume Liegey. Anhand von Alter, Einkommen und der geografischen Lage lasse sich annehmen, wo die für den Erfolg entscheidenden Wechselwähler wohnen. Liegey studierte in den USA und verfolgte dort 2008 den Haustür-Wahlkampf von Barack Obama.

Zurück in Frankreich, entwickelten er und zwei Kollegen eine Software, die 2010 in einer Pariser Vorstadt angewendet wurde. Die Sozialisten als Auftraggeber waren überzeugt, François Hollande verpflichtete das Trio – und gewann 2012 die Präsidentschaftswahl. Liegey sagte später, er habe Hollande wohl etwa 250 000 Stimmen gesichert. Persönliche Kontakte den sozialen Medien vorgezogen Von der weiter entwickelten Haustür-Methode machte auch Emmanuel Macron Gebrauch. Er schickte 5000 Freiwillige los, die den Alltagssorgen der Leute lauschten. Die sozialen Medien nutzte Macron nur beschränkt. Sie seien zu breit gefächert. (nus)

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