Die Luzerner Polizei bildet Anwärter ab nächstem Frühling in eigener Formation aus

Die Ausbildung der Polizistinnen und Polizisten wird in der Schweiz von bisher einem auf neu zwei Jahre erweitert. Die Luzerner Polizei bildet für ihre Aspiranten eine eigene Formation an einem zentralen Standort. Derweil stellt die Polizeischule in Hitzkirch auf kompetenzorientierten Unterricht um.

Alexander von Däniken
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Schutzschilde, Absperrbänder, Uniformen: Bei der Luzerner Polizei ist die gesamte Logistik an einem Ort – für ein mittelgrosses Korps ist das eine Ausnahme. Ab dem 1. März 2021 orientiert sich die Luzerner Polizei auch bei der Ausbildung ihrer Anwärter an den «Grossen». Dann werden die Aspiranten im zweiten Ausbildungsjahr in einer neuen, eigenen Formation untergebracht – im gleichen Gebäude wie die Logistik im Luzerner Industriequartier Ibach.

Schweizweite Reform als Auslöser

Hintergrund des Systemwechsels ist eine schweizweite Reform bei der Polizeiausbildung. Bis jetzt haben die Aspiranten nach dem ersten Jahr Grundausbildung, zum Beispiel an der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch (IPH), die Berufsprüfung absolviert und sammelten im zweiten Jahr in ihrem Korps praktische Erfahrungen. Wie, war in vielen Bereichen den Korps überlassen. Im Kanton Luzern fanden sich die angehenden Polizisten bei der Verkehrs- und Sicherheitspolizei wieder – an irgendeinem Standort.

Neu wird die Berufsprüfung schweizweit erst nach dem zweiten Jahr absolviert. Das Praxisjahr im Korps erhält dadurch eine höhere Bedeutung. Während kleinere Korps ihre Anwärter wie bisher in verschiedenen Abteilungen verteilen, hat für Luzern die eigene Formation Vorteile, wie Kommandant Adi Achermann gestern vor den Medien erklärte. Der Formation stehen ein Leiter und zwei Stellvertreter vor, die als Mentoren fungieren. Dazu kommen fünf sogenannte Praxisbegleiter; also erfahrene Polizisten. Letztes Jahr haben 30 Aspirantinnen und Aspiranten ihre Ausbildung in Luzern gestartet.

Luzerner Polizei investiert viel Zeit in die Ausbildung

Ein besonders Augenmerk richtet die Luzerner Polizei der psychologischen Verfassung der Anwärter. Schon beim Bewerbungsprozedere werde auf die psychische Stabilität geachtet. Achermann:

«Beim Schlussgespräch frage ich jeden einzelnen Bewerber, wie er den Umgang mit Macht sieht.»

Der Kommandant fügt an: «Schliesslich muss mit dem Machtmonopol sorgsam umgegangen werden.» Das Reflektieren der eigenen Handlungen sei entsprechend auch an der Berufsprüfung ein wichtiges Thema. Im Praxisjahr werden die angehenden Polizisten regelmässig an der Front eingesetzt: Sie begleiten erfahrene Kollegen auf Patrouillen, rücken mit ihnen bei häuslicher Gewalt oder Diebstählen aus. Nach der Ausbildung kommen sie zur Verkehrs- und Bereitschaftspolizei, von dort aus können sie sich dann spezialisieren.

An der Schule werden mehrere Bereiche gleichzeitig geübt

Für die regionalen Polizeischulen hat der Systemwechsel nur geringe Auswirkungen, sagt IPH-Direktor Alex Birrer. Angepasst werde die Unterrichtsform: «Während zuvor Wissen vermittelt worden ist, setzen die Polizeischulen jetzt stark auf die Vermittlung von Kompetenzen.» Zum Beispiel werde eine Trainingseinheit so gestaltet, dass die Aspiranten bei der gleichen Übung Psychologie, Recht und Technik anwenden müssen.

Das ist laut Birrer auch für die Ausbildner eine Herausforderung, sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Bewertung: «Statt gut oder schlecht gibt es jetzt verschiedene Grautöne, die bei der Bewertung einer Arbeit berücksichtigt werden müssen.»

Abschlussarbeit wie auf der Hochschule

Anders sehen jetzt auch die Hauptprüfungen aus, die nach zwei Jahren absolviert werden: Wie bei einer Hochschule schreiben die Polizeianwärter eine Abschlussarbeit, bei der es laut Birrer um Reflexion der eigenen Arbeit geht. Alex Birrer ist vom neuen Ausbildungssystem überzeugt: «Es trägt unserer mobilen Gesellschaft Rechnung, indem die Grundzüge der Polizeiausbildung kantonal weiter angeglichen werden.»

Zudem fördere das Vermitteln von Kompetenzen das vernetzte Handeln besser. Dabei werde dem Föderalismus weiterhin Rechnung getragen. «Der IPH sind elf unterschiedliche Kantone angeschlossen. Die Begebenheiten zwischen Basel-Stadt und Uri unterscheiden sich zum Beispiel stark. Die Korps haben weiterhin die Möglichkeit, ihr Polizeiwesen auf ihren Kanton zuzuschneiden.»

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