Das Historische Museum Luzern auf den Spuren von Queen Victoria

Die Monarchin des Vereinigten Königreichs besuchte vor 150 Jahren Luzern – und war begeistert von der Schönheit der Region. Jetzt präsentiert das Historische Museum bisher unbekannte Details.

Sandra Monika Ziegler
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Queen Victoria mit ihrem Hund Sharp, fotografiert 1866 von W. & Downey. (Bild: Royal Collection Trust (3), Verkehrshaus)

Queen Victoria mit ihrem Hund Sharp, fotografiert 1866 von W. & Downey. (Bild: Royal Collection Trust (3), Verkehrshaus)

Der ehemalige Botschaftsrat der britischen Botschaft der Schweiz, Peter Arengo-Jones, ist ein profunder Kenner des Königshauses. Speziell interessierte ihn der Schweizer Aufenthalt von Königin Victoria im Jahr 1868. Der promovierte Altertumswissenschaftler hatte dazu umfassende Recherchen betrieben und auch Kraft seines Amtes Zugang zu zahlreichen Archiven in Europa. Seine Recherchen wurden erstmals in englischer Sprache 1995 veröffentlicht. Diese bildet den Kern der Neuerscheinung.

Arengo-Jones hat jetzt ein Buch im Rahmen der Ausstellung «Queen Victoria in der Schweiz» im Historischen Museum Luzern verfasst. Herausgeber ist Museumsdirektor Christoph Lichtin. Das hat seinen Grund darin, dass Lichtin «dank einem glücklichen Zufall» dort wohnt, wo einst die Queen Victoria logierte – im Haus Wallis auf der Gütschhöhe. Und mit einem Blick aus seinem Wohnzimmer könne er heute die Gefühle der damals 49-jährigen Queen bestens nachvollziehen. Arengo-Jones ist es gelungen, ein spannendes Werk über die damals mächtigste Frau der Welt zu schreiben. Mit 18 Jahren bestieg sie den Thron, sie hatte neun Kinder. Das Buch zeichnet ein intimes Porträt einer Queen, die mit dem Leben haderte und innere wie äussere Kämpfe ausführen musste. Das in einer Zeit, die von Prüderie und Biederkeit geprägt war. Beides färbte auf die Darstellung der Queen ab und lässt sie deshalb als vorwiegend «not amused» durch die Geschichte gehen. Ein Umstand, den der Autor nicht ganz teilt. Er entdeckte bei seinen Recherchen spannende und facettenreiche Seiten der Königin – dank ihrer Tagebücher.

Luzern als Zufluchtsort

Wie sich die Königin in Luzern fühlte und was sie unternahm, ist in der aktuellen Ausstellung und der Theaterführung im Historischen Museum Luzern zu erfahren. Sie reiste nicht etwa als Königin, sondern als Gräfin von Kent. Damit konnte sie offiziellen Anlässen entgehen und so weit es ging inkognito reisen. Denn sie wollte sich erholen und den Tod ihres Gatten Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861) verarbeiten. Sie befand sich in einer tiefen Trauerdepression und trug seit dem Tod ihres Gatten bis an ihr Lebensende 1901 nur noch schwarz. Damit war sie Trendsetterin für Trauernde. Selbst ihr schwarzer Kohlenschmuck «Whitby Jet» wurde fortan als Zeichen der Trauer getragen und fand auch in der Gothic-Mode Einzug.

Mit Schiff und Bahn kam sie am 7. August, einem Freitag, in Luzern an. Das war die erste Reise der Queen in die Alpen, wie die «Times» in ihrem Leitartikel schrieb. Der Bericht war eine Lobeshymne über die schönen Seiten der Schweiz. Dort ist nachzulesen, dass durch solch betörende Natur «Leidende zu einer neuen und helleren Sicht des Lebens bewegt werden». Ihre ersten Tagebucheinträge sind voller Begeisterung und Bewunderung. So schrieb die Queen zu ihrer Ankunft in Luzern, dass nach dem lieblichen Sempachersee die grossartigste Landschaft beginnt. Sie freute sich, dass auch ihre geliebte schottische «Sociable»-Kutsche am Bahnhof bereitstand und ein lokaler Kutscher sie lenkte. Innert einer halben Stunde fuhr sie dann vom Bahnhof zur Pension Wallis, wo sie wie erwähnt während ihres Aufenthalts lebte. Die Queen war tief beeindruckt ob der schönen Landschaft und notierte, dass sie sich das zwar erträumt hatte, aber kaum glauben konnte, sie auch so zu sehen. Die Wirkung der Natur hielt sie oft in ihren Aquarellen fest.

2018 kommt wieder ein englischer Blaublüter nach Luzern

Sie wurde zunehmend unternehmungslustig und eroberte die umliegenden Berge. Auf den Pilatus ritt die 1,52 Zentimeter grosse Frau auf einem Pony. Am 9. September 1868 reiste sie wieder ab. Fast 150 Jahre später kommt Luzern erneut zu royalem Glanz: Am 1. und 2. Mai 2018 wird Prince Michael of Kent, der Cousin der heutigen Queen, die Ausstellung im Historischen Museum besuchen.

Hinweis: Die Ausstellung «Queen Victoria in der Schweiz» im Historischen Museum Luzern dauert bis 16. September.

Bild: Royal Collection Trust (3), Verkehrshaus

Bild: Royal Collection Trust (3), Verkehrshaus

Bild: Royal Collection Trust (3), Verkehrshaus

Bild: Royal Collection Trust (3), Verkehrshaus

Im Uhrzeigersinn: Queen Victoria mit ihrem Hund Sharp, fotografiert 1866 von W. & Downey; die Pension Wallis, in der die Queen wohnte, in einer kolorierten Aquatinta-Radierung von Rudolf Dikenmann um 1870; Aquarell «From the Steamer», Stehruderboot im Luzerner Seebecken, gemalt von Queen Victoria am 3. September 1868; Dampfschiff Victoria um 1870 auf dem Vierwaldstättersee. (Bilder: Royal Collection Trust (3), Verkehrshaus)

Im Uhrzeigersinn: Queen Victoria mit ihrem Hund Sharp, fotografiert 1866 von W. & Downey; die Pension Wallis, in der die Queen wohnte, in einer kolorierten Aquatinta-Radierung von Rudolf Dikenmann um 1870; Aquarell «From the Steamer», Stehruderboot im Luzerner Seebecken, gemalt von Queen Victoria am 3. September 1868; Dampfschiff Victoria um 1870 auf dem Vierwaldstättersee. (Bilder: Royal Collection Trust (3), Verkehrshaus)