Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Die Marienkapelle im Eigenthal sollte brennen

Ein 25-Jähriger zog durch die Region mit der einzigen Absicht, zu verwüsten. Eine Autowaschanlage, ein Hofladen, ein Jugendhaus und die Kapelle waren seine Ziele. Der Richter lässt mit erhobenem Zeigefinger Milde walten.
Sandra Monika Ziegler
Die Marienkapelle war ein weiteres Ziel der Vandalen, doch es ging relativ glimpflich aus. (Bild: Corinne Glanzmann, Eigenthal, 11. Oktober 2019)

Die Marienkapelle war ein weiteres Ziel der Vandalen, doch es ging relativ glimpflich aus. (Bild: Corinne Glanzmann, Eigenthal, 11. Oktober 2019)

Zwei Landburschen haben im Herbst 2017 während einiger Wochen in Malters und Region randaliert, zerstört und geklaut. Gestoppt wurden sie erst, als sie von der Polizei im Dezember geschnappt wurden.

An der Verhandlung am Donnerstag vor dem Luzerner Kriminalgericht war der ältere, heute 25-jährige Täter anwesend. Sein Kumpel, der zur Tatzeit noch minderjährig war, muss sich vor der Jugendanwaltschaft verantworten.

Für den Angeklagten wird eine Strafe von 18 Monaten bedingt bei einer Probezeit von vier Jahren gefordert. Dazu kommen eine Geldstrafe von 4500 und eine Busse von 600 Franken. Wie bereits erwähnt, war der Angeklagte mit seinem Kumpel unterwegs. Der Mann ist geständig. Ihm wird nebst Sachbeschädigung auch Diebstahl und versuchte Brandstiftung vorgeworfen. Doch dazu später.

Eine erste Tat des Duos war das Demolieren einer Autowaschanlage. Sie zerstörten die Mechanik, den Geldautomaten, rissen Kabel aus den parkierten Autos. Es machte den Anschein, als gehe es nur darum, zu zerstören – egal was, Hauptsache es ist nachher kaputt.

Dasselbe galt auch für ein Jugendhaus, das sie im Visier hatten. Sie drangen ein, zertrümmerten das Mobiliar, schäumten mit dem Feuerlöscher den Raum ein und rissen Bretter aus dem Boden. Nach der Tat verschwanden sie. Auch hier erfolgte eine mutwillige Beschädigung ohne Beute.

Sachschaden von 20'000 Franken

Ein weiteres Delikt war die versuchte Brandstiftung. Das Ziel war die Marienkapelle im Eigenthal. Auch dort verwüsteten sie das Interieur, plünderten den Opferstock und demolierten die Orgel. Dann zückten sie das Feuerzeug und fassten den Entschluss, die Kapelle anzuzünden. Zuerst ein Gesangsbuch und dann mit einer brennenden Kerze den Holzaltar. Dazu legten sie das Altartuch über die brennende Flamme. Dieses war aber gegen Feuer behandelt worden und erlosch von alleine. Es kam nicht zum Brand. Der Sachschaden in der Marienkapelle wird mit 20'000 Franken beziffert.

«Warum habt ihr das getan?», fragt der Richter. «Ich wollte die Kapelle anzünden, um zu sehen, wie alles brennt», so der Angeklagte. «Geschah dies aus Lust am Beschädigen?», hakt der Richter nach. «Lustig ist das nicht, ich war alkoholisiert», antwortet der Angeklagte. Ein Motiv fehlte auch bei dieser Tat. Der Richter wird zunehmend ratlos, fragt immer wieder nach, bekommt jedoch knappe Antworten. Mit dieser Brandstiftung habe er seinem Alkoholexzess die Krone aufgesetzt, so der Richter weiter und fragt, ob er eigentlich religiös sei und was die Eltern dazu sagten. «Ja schon, die Eltern sagten nichts.» Ob er denn froh darüber gewesen sei, dass die Kapelle nicht brannte, so der Richter. Antwort des Angeklagten:

«Ja, ich bin froh, ist sie nicht abgebrannt.»

Der Angeklagte war bereits früher straffällig geworden, wie am Gericht ausgeführt wird. So wurde er etwa im Oktober 2017 verhaftet und musste in Untersuchungshaft. Doch kaum war er draussen, ging er wieder auf Tour. «Nützte die Haft nichts? Machte das keinen Eindruck? Sollten sie demnach länger ins Gefängnis?», fragt der Richter. Der Angeklagte sagt, die Taten seien wohl der grösste Fehler seines Lebens und er wiederholt, diese unter Alkoholeinfluss begangen zu haben. Alkohol trinke er keinen mehr und die Kumpels von damals sehe er auch nicht mehr. Er wolle künftig ein anständiges Leben führen und zusammen mit seinem Bruder ein Lohnunternehmen aufziehen. Der Angeklagte wohnt auf dem elterlichen Hof und hilft dort und bei anderen Bauern. Er hat eine Beiständin, bezieht IV-Rente und ist seit zwei Jahren nicht mehr straffällig. Der Richter folgt der Staatsanwaltschaft und bestätigt das Urteil von 18 Monaten bedingt. Doch er mahnt den Angeklagten:

«Sollten Sie während der Bewährungszeit straffällig werden, gibt es keinen Bedingten, keine Milde mehr. Dann werden Sie nicht auf dem Hof, sondern im Landwirtschaftsbetrieb Wauwilermoos arbeiten.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.