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Interview

Luzerner Tausendsassa baute schon über ein Dutzend Brunnen

Georg Grüter (62) ist ein Allrounder. In seinem Haus lagern Hunderte Elektrogeräte und Instrumente. Und in seinem Garten in Hohenrain stehen etliche Brunnen. Die baut er alle selber. Warum er damit angefangen hat, weiss er aber nicht.
Roger Rüegger
Georg Grüter mit einem seiner Brunnen bei sich zu Hause im Garten in Oberebersol. ((Bild: Dominik Wunderli (Hohenrain, 25. Juli 2018))

Georg Grüter mit einem seiner Brunnen bei sich zu Hause im Garten in Oberebersol. ((Bild: Dominik Wunderli (Hohenrain, 25. Juli 2018))

Georg Grüter, gewöhnliche Leute haben einen Pool im Garten, um sich abzukühlen. Sie aber stellen auf Ihrem Grundstück – buchstäblich vor dem Tore – regelmässig neue Brunnen auf. Wäre es nicht einfacher, ein Bassin zu bauen?

Wieso? Meine Frau und ich können gar nicht schwimmen.

Das ist wohl nicht der Grund, weswegen Sie bis jetzt über ein Dutzend Brunnen gebaut haben. Warum stellen Sie andauernd neue auf?

Das weiss ich eigentlich auch nicht. Brunnen sind so etwas wie ein Schweizer Symbol. Es gibt von denen so viele in unseren Gemeinden und Städten. Ich gehe nie an einem vorbei, ohne ihn genauer zu betrachten und die Hand ins Wasser zu halten. So habe ich, wenn ich mich recht erinnere, 2014 meinen ersten gebaut.

Gab es einen Auslöser dazu?

Nein, da war nichts. Ich baue jetzt einfach Brunnen. Das passt gut, es wird bei uns ja immer heisser.

Ja eben, deshalb wundere ich mich, dass Sie nicht ein Becken bauen, in dem Sie sich abkühlen können.

Die Hitze macht mir nichts aus. Ich habe lange auf dem Bau gearbeitet. Da konnte ich mich auch nicht in den Schatten verziehen, wenn die Sonne brannte.

Haben Sie auf dem Bau Betonieren gelernt?

Ja, unter anderem.

Sie begnügen sich nicht mit Brunnen, aus denen einfach Wasser aus einem Hahn in einen Trog fliesst. Ihre Konstruktionen sind sauber verarbeitet und mit hübschen Details verziert. Zudem bewegen sich etwa Räder aus Beton oder Eisen durch den Fluss des Wassers. Haben Sie jeweils eine Idee im Kopf?

Nein, ich mache eine oder zwei Skizzen und lege einfach los. Es ergibt sich immer etwas.

Keine Pläne, kein Konzept?

Nein, ich bin nicht so gut im Lesen und Schreiben.

Dann sind Sie ein Künstler im wahrsten Sinn des Wortes?

Weiss nicht. Ist ein Künstler nicht einer, der spezielle Dinge anfertigt?

Tun Sie das nicht? Ihre Brunnen bewegen sich, ähnlich wie die Skulpturen von Jean Tinguely, zum Teil auch.

So? Dann bin ich vielleicht doch einer. Das ist mir aber egal.

Verkaufen Sie Ihre Brunnen?

Nein, ich habe es nicht vor. Ein Bankier aus der Region wollte mir mal einen abkaufen. Aber solange wir noch genug zu Essen haben, verkaufe ich keinen. Mir gefallen die Brunnen in unserem Garten.

Seine Frau Lisbeth, mit der Grüter seit 40 Jahren verheiratet ist, betritt den Garten. Grüter ruft: «Gäu Mötzu, mer händ’s schön?»

Sie stellen die Brunnen also nicht nur her, Sie sammeln diese quasi auch?

Jaja, genau. Und nicht nur die. Ich sammle auch alte Monitore, Kameras, Tonbänder und Radios. Ausserdem besitze ich zahlreiche Instrumente. Die hole ich mir an Flohmärkten. Wenn ich etwas sehe, habe ich nur noch Augen für das Objekt. Ich weiss sofort, was ich will. Wollen Sie meine Sammlungen sehen?

Georg Grüter führt Reporter und Fotograf durch seine Wohnung und durch mehrere Werkstätten und Bastelräume, die sich im Gebäude befinden. Das Haus ist fast bis unter das Dach mit Elektroapparaten, Lastwagenmodellen und anderen Sammlerstücken ausgestattet. Im Estrich stehen zudem zahlreiche Instrumente, mit denen man locker eine Big Band ausrüsten könnte. Darunter sind mindestens 30 Handorgeln, dazu Blasinstrumente, Geigen und eine Zither. Die Geschichte nimmt ein Ausmass an, mit dem nicht zu rechnen war.

Ich wollte mich beim Interview auf die Brunnen fokussieren, aber da Sie ebenfalls Elektrogeräte und Instrumente in eindrücklichem Ausmass sammeln, haben Sie wohl zu diesen Themen ebenfalls etwas zu erzählen. Was hat es zum Beispiel mit den Radios auf sich?

Wenn es mir nicht gut geht, kaufe ich mir ein altes Radio. Dann bin ich wieder zufrieden.

Wie zufrieden sind Sie?

300 Stück habe ich sicher. Aber keine Röhrenradios, die habe ich alle weggeschmissen.

Die Geräte funktionieren alle?

Sicher, ich kann nichts aufbewahren, das nicht geht. Auch ein Achtspur-Tonbandgerät, wie sie früher in Autos eingebaut waren, habe ich. Vielleicht bin ich ein Spinner, aber ich finde es total schön, so eines zu besitzen, das man erst noch abspielen kann. Ich habe gerne, wenn etwas gut tönt – und das tun alle meine alten Geräte.

Auch Ihre Instrumente?

Aber ja. Nur spielen kann ich fast keines von denen. Ich müsste etwas üben, dann würde ich vielleicht den Schneewalzer auf einer Handorgel wieder hinbekommen. Dadadaaaa ... kennen Sie den? Mir reicht es aber, wenn ich die Instrumente besitze. Letzthin habe ich einen E-Bass gekauft. Der ist super, aber auch auf dem kann ich nicht spielen. Aber reparieren kann ich die Instrumente, wenn es nötig ist.

Sind Sie also ein Alleskönner?

Ich verbringe so viel Zeit in meiner Werkstatt, dass ich mir einiges selber beigebracht habe. Ich tüftle so lange, bis etwas wieder läuft. Manchmal mache ich es wie im Spital: Ich vertausche die Kabel und versetze den Geräten einen Elektroschock. Das klappt meistens. Ich habe früher übrigens auch Lastwagenmodelle angefertigt. Die bewahre ich alle in einem Schopf auf. Darin ist auch die Tabakpfeife, mit der ich seinerzeit einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde geschafft habe. Zehn Leute rauchten über drei Stunden lang. Die grösste Kerze der Welt habe ich übrigens auch angefertigt. Warten Sie, die ist ...

Danke, danke, die Geschichte erzählen wir ein anderes Mal. Ich wundere mich übrigens, dass obwohl derart viele Maschinen und Geräte in ihrem Haus aufbewahrt sind, jedes Ding seinen Platz zu haben scheint. Wissen Sie, welches Teil sich wo befindet?

Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung, was sich an welchem Platz befindet. Das ist zu Hause genauso wichtig wie bei meiner Arbeit bei einer Heizungs- und Sanitärfirma, wo ich als Allrounder angestellt bin.

Da Sie offensichtlich immer unter Strom stehen, haben Sie bestimmt ein Projekt am Laufen. Stimmt’s?

Ich baue gerade einen Brunnen.

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