Die neue Luzerner Wirtschaftsfakultät auf dem Prüfstand

Haben Regierung und Uni-Verantwortliche ihre Abstimmungsversprechen über die Wirtschaftsfakultät gehalten? Die SP und das Gewerbe sehen das unterschiedlich.

Niels Jost
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Für Unternehmer Reto Sieber ist klar: Die Ziele, welche sich die Luzerner Regierung und die Uni-Verantwortlichen mit der Gründung der neuen Wirtschaftsfakultät (WF) gesetzt hatten, seien verfehlt worden.

Kritik übt auch SP-Kantonsrat Marcel Budmiger. Das Ziel, möglichst viele einheimische «Talente» an die Uni Luzern zu holen, «wurde bisher offensichtlich noch nicht erreicht», sagt er. Der Geschäftsleiter des Luzerner Gewerkschaftsbundes gehörte zu den Abstimmungsgegnern der WF. Die Zahlen verwundern Budmiger nicht, sei doch der Dekan der WF, Christoph Schaltegger, ein Vordenker der Luzerner Tiefsteuerstrategie, «mit all ihren negativen Auswirkungen auf den Bildungsbereich. Dass die ehemals von den Zwangsferien betroffenen jungen Menschen nicht in Scharen hier studieren wollen, ist ihnen nicht zu verübeln.»

Gewerbeverband spürt Wirtschaftsfakultät bereits

Budmiger stellt grundsätzlich in Frage, ob es richtig ist, die gesamte Bildungskarriere an einem Ort zu absolvieren. «Ein externes Studium bringt auch neue Perspektiven.»

Zumindest in diesem Punkt widerspricht ihm Gaudenz Zemp nicht. Der Direktor des kantonalen Gewerbeverbandes hält aber klar fest, dass es noch zu früh für eine Beurteilung der WF sei, da sie noch nicht in Vollbetrieb ist. «Man spürt durchaus, dass sich die Fakultät aktiv mit den lokalen Unternehmen vernetzen will. Sie verfolgt das Ziel, die Ausbildung so nahe wie möglich mit der Praxis zu verknüpfen. Das alles braucht aber Zeit.»

Zemp: Der Wirtschaftsfakultät fehlt das Renommee noch

Zemp betont zudem, dass gerade Wirtschaftsstudenten stark auf das Renommee und auf die Rankings der Unis achten. Eine neue Fakultät wie jene in Luzern stehe in direkter Konkurrenz mit etablierten Universitäten mit gutem Ranking. Deshalb sagt Zemp, der sieben Jahre in der Geschäftsleitung der Hochschule Luzern tätig war:  

«Bis auf weiteres werden viele Luzerner ganz bewusst in St. Gallen oder Zürich studieren wollen, weil diese Wirtschaftsfakultäten bereits ein hohes Renommee geniessen.»

Zemp sagt weiter: «Luzern muss sich seinen Platz mit Top-Qualität über Jahre erkämpfen.» Grundsätzlich sei der Studiengang in Luzern breiter als üblich aufgestellt. Ob dieses Profil noch geschärft werden muss, werde sich in den nächsten Jahren zeigen.

Fehlende Unternehmerschule: Hoch- und Fachhoschule dürften erste Wahl bleiben

Dass zu diesem Profil nun die Unternehmerschule nicht zählt, kommentiert Marcel Budmiger so: 

«Der Bevölkerung wurde etwas anderes versprochen.»

Für Praktiker bleibe deshalb weiterhin die Hochschule Luzern erste Wahl.

Gaudenz Zemp sagt, er könne die Forderung nach einer «richtigen» Unternehmerschule nachvollziehen. Aber: «Eine Universität ist in erster Linie eine Forschungsinstitution und sie ist entsprechend akademisch ausgerichtet. Maturanden mit einer primär praxisorientierten Ausrichtung steht der Weg über die Fachhochschule offen», sagt der FDP-Kantonsrat. «In Anbetracht dieser Situation ist die Strategie der Uni Luzern nachvollziehbar.»

Dies sieht Reto Sieber anders. So habe sich die Gewerbekammer des Kantons Luzern im Jahr 2014 für ein Ja zur Wirtschaftsfakultät mit Unternehmerschule ausgesprochen – «und zwar einstimmig».