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Die neuen Ateliers für Hochbegabte in Luzern und Sursee werden überrannt

Ab dem neuen Schuljahr startet in Luzern und Sursee ein neues Förderangebot für hochbegabte Kinder. Es gab viel mehr Anmeldungen als erwartet.
Susanne Balli
Im Durchschnitt sitzen in jeder Klasse ein bis zwei Kinder, deren Fähigkeiten deutlich über den schulischen Anforderungen liegen. (Bild: Boris Bürgisser, 27. März 2018)

Im Durchschnitt sitzen in jeder Klasse ein bis zwei Kinder, deren Fähigkeiten deutlich über den schulischen Anforderungen liegen. (Bild: Boris Bürgisser, 27. März 2018)

Das Bedürfnis zur schulischen Förderung besonders intelligenter Kindern scheint im Kanton Luzern gross zu sein. Dies lässt sich aus der Anmeldungen schliessen, die bei der Dienststelle Volksschulbildung für die Ateliers für Hochbegabte eingegangen sind. Ab dem neuen Schuljahr startet das neue Angebot an den beiden Standorten Luzern und Sursee, das sich an Kinder mit einem Intelligenzquotienten ab zirka 130 richtet (wir berichteten). Ab diesem Wert spricht man von Hochbegabung. «Wir haben mit maximal 50 bis 60 Anmeldungen gerechnet, doch es wurden 195 Kinder angemeldet», sagt Charles Vincent, Leiter Dienststelle Volksschulbildung. Damit seien die Erwartungen sehr deutlich übertroffen worden.

Gesichert sind bisher 12 Ateliers, vier in Sursee (direkt beim Bahnhof) und acht in Luzern (an verschiedenen Standorten in der Nähe des Bahnhofs). «Wir versuchen nun, noch zwei bis drei weitere Ateliers zu realisieren», sagt Vincent. Diese sollen nach den Herbstferien dazukommen. Es können also vorerst nicht ganz alle Anmeldungen berücksichtigt werden. «Nach den Sommerferien werden bis zu 140 Kinder die Ateliers besuchen dürfen. Die übrigen kommen auf eine Warteliste.»

Robotik, Chinesisch, Kunst, Denksport

Der Kanton muss für den Ausbau des Angebots neben zusätzlichen Räumlichkeiten auch noch geeignete Fachpersonen finden, zum Beispiel für die Fächer Robotik und Chinesisch. Diese beiden Themen waren aus den sieben angebotenen Möglichkeiten die zwei meist gewählten, wie Vincent sagt. Weitere Ateliers gibt es zu den Themen Denksport, Tüftelwerk, Philosophieren, Programmieren, Kunst sowie Zeichen. Die angemeldeten Kinder werden einen oder zwei Nachmittage an den Ateliers teilnehmen. Dafür werden sie in der Regel zwei Lektionen in ihrer Klasse fehlen.

Die grosse Zahl von Anmeldungen erklärt sich Vincent zum einen durch die Sensibilisierung der Schulleiter und Lehrpersonen zum Thema Hochbegabung. Vincent sagt:

«Statistisch gesehen gibt es ein bis zwei Mehrleister pro Klasse, deren Fähigkeiten deutlich über den schulischen Anforderungen liegen. Zirka 1,5 bis 2 Prozent der Kinder gelten als hochbegabt.»

Andererseits sei vielleicht eine gewisse Anfangseuphorie für das neue Angebot vorhanden. «Wir werden schauen, wie sich das längerfristig entwickelt.» Die Ateliers sind für die nächsten vier Jahre auf sicher, dann werden sie evaluiert. «Es ist vorgesehen, dass es ein dauerhaftes Angebot sein soll.»

Tatsache ist, dass in den vergangenen Jahren in der Volksschule in der Tendenz ein grösseres Augenmerk auf schulisch schwächere Kinder gelegt wurde. Nur wenige Gemeinden bieten eigene «Pull-out-Angebote» ausserhalb der Regelklassen für hochbegabte Kinder an. Dass das Bedürfnis vorhanden ist, auch lernstarke Kinder besser zu fördern, wurde schweizweit erkannt. Der Schweizer Lehrerinnen- und Lehrerverband fordert in seinem aktuellsten Positionspapier, dass die Förderung von Kindern mit hohen Begabungspotenzialen verbindlich geregelt wird. Dies als Grundauftrag aller Schulstufen.

Auch Kinder aus weiter entfernten Gemeinden

Die für die Lernateliers angemeldeten Kinder stammen aus dem ganzen Kanton. So werden auch Kinder daran teilnehmen, die dafür einen längeren Weg auf sich nehmen müssen. «Tendenziell gibt es sicherlich mehr Kinder, die in der Nähe von Luzern oder Sursee wohnen, aber es sind beispielsweise auch Kinder aus Reiden, Altwis oder Schüpfheim dabei.» Falls die Nachfrage nach dem neuen Angebot so hoch bleibt, wird der Kanton prüfen, künftig auch noch andernorts, zum Beispiel im Raum Hochdorf und Wolhusen solche Ateliers anzubieten.

Bei etwa 40 Prozent der Anmeldungen lag eine Potenzialanalyse bei – durchgeführt vom jeweiligen schulpsychologischen Dienst oder aber von Fachpersonen, welche Abklärungen in diesem Bereich durchführen. Vincent sagt: «Eine solche Potenzialanalyse wurde aber nicht explizit verlangt. Nötig war aber die übereinstimmende Einschätzung der jeweiligen Lehrpersonen und der Eltern.» Es reiche also nicht aus, wenn allein die Eltern von der Begabung ihrer Kinder überzeugt seien.

Mehr Buben als Mädchen angemeldet

Das Verhältnis der angemeldeten Mädchen und Buben liegt bei 40 zu 60 Prozent. «Meine Interpretation dafür ist, dass den Buben in der Tendenz immer noch mehr zugetraut wird, wenn es um zusätzliche Anstrengungen geht, als den Mädchen – auch vonseiten der Kindern selber.»

Die zahlreichen Anmeldungen haben zur Folge, dass das Angebot mehr kosten wird, als ursprünglich geplant. «Vom Kanton budgetiert sind gut 100 000 Franken. Zusätzliche Kosten werden über Dritte, zum Beispiel Stiftungen aber auch private Firmen, finanziert», sagt Vincent. Man sei derzeit weiter im Gespräch mit möglichen Sponsoren. Die Eltern der teilnehmenden Kinder bezahlen für das Angebot einen symbolischen Beitrag von 50 Franken pro Semester. «Dies im Sinne der Verbindlichkeit der Anmeldung.»

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