Die Polizei geht unter die Fasnächtler

Landauf, landab werden die höchsten Fasnächtler gekürt. Während in Meggen ein Greenhorn Chef ist, prägt in Ebikon die Zahl 50 den Zunftmeister.

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Zunftmeister der Fröschentzunft Meggen: Bauunternehmer Reto Brun mit Ehefrau Claudia. (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)

Zunftmeister der Fröschentzunft Meggen: Bauunternehmer Reto Brun mit Ehefrau Claudia. (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)

Der ideale Zeitpunkt für einen Banküberfall wäre wohl der letzte Samstagabend gewesen. Die Spitze der Luzerner Polizei befand sich nämlich in Ebikon in Festlaune. Selbst Polizeikommandant Beat Hensler weilte an der Inthronisationsfeier für Toni Emmenegger. Die Rotsee-Zunft Ebikon kürte Toni Emmenegger, den Polizeichef der Region Ost des Kantons Luzern, zum 50. Zunftmeister.

Gigantischer Wagen am Umzug

Emmenegger ist mit Christine verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Für ihn sei die Zunftmeisterwahl eine besondere Ehre, denn: «Ich darf im 50. Jahr der Rotsee-Zunft Zunftmeister sein, ich bin also der 50. Zunftmeister, und ich werde dieses Jahr zudem 50 Jahre alt. Diesen runden Geburtstag hat meine Frau dieses Jahr schon hinter sich gebracht», sagte Toni Emmenegger bei seiner Ansprache im Pflegeheim Höchweid. Dies sei eine besondere Ehre, aber auch eine Verpflichtung. Er freue sich insbesondere auf die Pflege der Geselligkeit, aber auch darauf, dass die Rotseezunft in ihrem Jubiläumsjahr «mit einem gigantischen Wagen am Luzerner Umzug» teilnehmen werde.

Ein Polizist als Fasnachtsregent - für Polizeikommandant Beat Hensler kein Problem. «Die Fasnacht gehört zu unserer Gesellschaft genauso wie die Polizei. Da hat es auch Platz für einen Polizisten als Zunftmeister. Toni Emmenegger wird dieses Amt sensationell ausfüllen», sagte Hensler am Rande des Apéros. Und Ebikons Gemeinderat und Finanzchef Herbert Lustenberger meinte schmunzelnd: «Mit Polizist Emmenegger komme ich sowohl als Gemeinderat als auch als Staatsbürger gut aus.» Da könne sich die Politik über die Fasnachtstage getrost etwas weniger wichtig nehmen.

Eine Megger Eigenart

Am gleichen Abend hievte auch die Fröschen-Zunft Meggen ihren Zunftmeister auf den Thron. Die Eigenart der Fröschen-Zunft ist es, dass der Zunftmeister vor seiner Ernennung nicht der Zunft angehört. Umso überraschender ist es deshalb auch für die Zünftler, wer ihr neuer Chef wird. Dieses Jahr fiel die Wahl auf den 45-jährigen Bauunternehmer Reto Brun. Er habe dieses Amt als Greenhorn angenommen, weil auch seine Frau Claudia und die drei Söhne Samuel (13), Louis (11) und Noah (8) Freude an der Fasnacht hätten. Dennoch fragte sich Brun: «Megger Kirchenratspräsident und Zunftmeister: Geht das zusammen?» Und er gab sich die Antwort gleich selbst: Ja, selbstverständlich. Und da er auch gut küssen und sich einen zünftigen Ranzen anfressen könne, würde er sicherlich 80 Prozent der Vorgaben an den Fröschenzunftmeister erfüllen.

Zunftmeister der Fröschentzunft Meggen: Bauunternehmer Reto Brun mit Ehefrau Claudia. (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)

Zunftmeister der Fröschentzunft Meggen: Bauunternehmer Reto Brun mit Ehefrau Claudia. (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)




















Dennoch: Reto Brun ist ein viel beschäftigter Mann, sei es als Unternehmer, Vizepräsident des Luzerner Baumeisterverbandes oder eben im Kirchenrat. Wie schafft er es da, die rund 100 Termine eines Zunftmeisters in diesem Jahr wahrzunehmen? «Ich muss mir die Zeit stehlen», bekannte Brun. Die Kraft hole er sich in der Familie, und in der Firma werde er die eine oder andere Aufgabe delegieren müssen.

Der Herr möge es verzeihen

Apropos Firma: Einige Kaderangehörige wurden von Reto Brun ziemlich veräppelt. Da die ganze Zunftmeisterwahl bis am Samstagabend unter höchster Geheimhaltungsstufe stand, ging das Brun-Kader davon aus, zum 111. Firmenjubiläum eingeladen worden zu sein. Selbst dem Megger Kirchenrat musste Brun eine Notlüge auftischen - wobei er bei seiner Entschuldigung darauf hoffte, dass ihm der Herr im Himmel dies verzeihen werde ...

Christian Bertschi