Die reformierte Kirche von Weggis feiert ihren 100. Geburtstag

Heute vor 100 Jahren konnten die Protestanten in Weggis ihre eigene Kirche einweihen. Dank eines schweizweiten Aufrufs konnte der Kirchenbau damals finanziert werden. Das Besondere: Die Kirche steht auf Holzpfählen.

Susanne Balli
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Die reformierte Kirche in Weggis ist aufgrund ihrer Lage direkt am See bei Brautpaaren beliebt. (Bild: Philipp Schmidli, 20. Juni 2019)

Die reformierte Kirche in Weggis ist aufgrund ihrer Lage direkt am See bei Brautpaaren beliebt. (Bild: Philipp Schmidli, 20. Juni 2019)

Ein ganzes Jahrhundert: So lange steht in Weggis die kleine reformierte Kirche an bester Lage am See. Am 22. Juni 1919 wurde die Kirche eingeweiht. Das Jubiläum wird heute und morgen mit einem Festakt gefeiert (siehe Kasten). «Dass die Protestanten eine eigene Kirche in Weggis erhielten, war dem Tourismus zu verdanken», sagt Thomas Widmer (61), der seit fünf Jahren als reformierter Pfarrer der reformierten Teilkirchgemeinde Rigi Südseite amtet.

Im «Reformierten Gemeindeblatt» ist Spannendes zur Geschichte der Kirche zu lesen: Protestanten leben vor der Jahrhundertwende nur ein paar wenige in Weggis. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kamen aber zahlreiche Touristen – darunter viele Protestanten – mit dem Raddampfer von Luzern nach Weggis und wollten an Sonntagen den Gottesdienst besuchen können. Ihretwegen nahm der Gemeinderat damals mit der Basler Mission Verbindung auf. So konnte in den Sommermonaten jeden Sonntag ein Gottesdienst in einem Schulzimmer abgehalten werden.

Kurpfarrer logierte in Hotels

«Der Kurverein Weggis machte sich schliesslich für protestantische Gottesdienste stark», sagt Widmer. So wurde 1897 in Weggis die Kurpastoration eingeführt. Hoteliers verpflichteten sich, einen Kurpfarrer zu logieren. Als Gegenleistung hielt dieser die sonntägliche Predigt für die Protestanten – allerdings immer noch im Schulzimmer.

Die Reformierten sammelten Geld für den Bau einer eigenen Kapelle in Weggis. 1911 wurde schliesslich der protestantische Kapellbauverein gegründet. Weil während des Ersten Weltkrieges das Geld knapp war, wandten sie sich an den protestantischen kirchlichen Hilfsverein Zürich. Es klappte mit der Unterstützung. «Zwei Jahre lang wurde mit der Konfirmandenkollekte schweizweit Geld für die Reformierten in Weggis gesammelt», sagt Widmer. Im Aufruf an alle Konfirmanden von 1916 hiess es:

«Macht mit, ich weiss eine Schar von Protestanten, die eurer Hilfe bedürfen. Manche von euch sind wohl schon am herrlichen Vierwaldstättersee gewesen. Dort liegt am Fusse der Rigi das liebliche Weggis. Ein Garten Gottes mit feinen Wiesen, Fruchtbäumen, Gemüsebeeten. (...) Die dortige kleine protestantische Gemeinde sehnt sich seit langem nach einem Kirchlein. Das Schulzimmer, das ihr für ihre Gottesdienste eingeräumt ist, fasst besonders an Festtagen die Zuhörer nicht, zu denen sich zahlreiche Kurgäste und in neuester Zeit auch internierte deutsche Soldaten gesellen (...) Sobald sie eure Gaben bekommen, werden sie mit dem Bau beginnen. Und wenn euch später ein Ausflug an den Vierwaldstättersee vergönnt ist, und euch das Kirchlein auch am Ufer freundlich grüsst, so dürft ihr mit freudigem Stolze sagen: Wir haben es bauen helfen.»

Immer wieder neue Risse im Gemäuer

Der Kirchenbau kostete 130 000 Franken. «Das Spezielle an der reformierten Kirche von Weggis ist, dass sie nicht auf felsigem Untergrund, sondern auf aufgeschüttetem Boden und auf Holzpfählen steht», sagt Widmer. Dies habe bis heute Folgen. «Die Kirche ist immer etwas in Bewegung, es entstehen im Gemäuer fortlaufend neue Risse. Es sind regelmässig Massnahmen dagegen nötig. Für die Zukunft der Kirche an diesem Platz gibt es darum viele Fragezeichen.»

Laut Pfarrer Thomas Widmer ist die reformierte Kirche von Weggis bei Brautpaaren sehr beliebt. «Dies vor allem aufgrund ihres sehr schönen Standorts direkt am See.»

Konzert, Film und eine dritte Glocke

Heute findet anlässlich des 100. Geburtstags der evangelisch-reformierten Kirche Weggis um 19 Uhr ein Jubiläumskonzert mit «Tangos Argentinos» statt. Im Anschluss wird um 20.20 Uhr der Kurzfilm «Zwinglis Erbe» in der reformierten Kirche gezeigt. Morgen um 9.45 Uhr findet der Festgottesdienst statt. Laut Pfarrer Thomas Widmer sind die Platzverhältnisse in Kirche mit zirka 200 Plätzen eher bescheiden.

Zu einem späteren Zeitpunkt soll es aber noch ein Volksfest geben. «Dieses findet voraussichtlich 2021 statt, wenn die Kirche eine dritte Glocke erhält», sagt Widmer. Auf Wunsch eines verstorbenen Mitglieds will die Teilkirchgemeinde Rigi Südseite eine dritte Glocke «einläuten». Das verstorbene Mitglied hatte 100 000 Franken als Legat zu diesem Zweck hinterlassen. Die Kirchgemeinde hat an einer ausserordentlichen Versammlung den Einsatz von 42 500 Franken zur Restfinanzierung gutgeheissen. «Für die dritte Glocke braucht es Veränderungen im Kirchturm», sagt Thomas Widmer. So muss etwa der Glockenstuhl vergrössert und mit Holz ausgekleidet werden.

Der Pfarrer meint: «Allen, die sich Sorgen wegen zu lauten Glocken machen, sei gesagt: Mit diesen Änderungen wird das Kirchengeläut selbst mit einer dritten Glocke leiser sein als heute.» (sb)