Die Reformierten von Reiden feiern gleich zwei Geburtstage

Mit einem dreitägigen Fest begeht die reformierte Kirchgemeinde Reiden ihr 100-Jahr-Jubiläum. Zudem wurde vor 80 Jahren die reformierte Kirche eingeweiht. Diese sieht allerdings nicht so aus, wie ursprünglich vorgesehen war.

Susanne Balli
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Die reformierte Kirche von Reiden. (Bild PD)

Die reformierte Kirche von Reiden. (Bild PD)

Vor 100 Jahren, am 27. Januar 1918, versammelten sich 88 Personen im Schulhaus Reiden. Dies mit der Absicht, sich als protestantischer Verein zu organisieren. Das war die Geburtsstunde der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Reiden. Am Wochenende feiern die Reformierten von Reiden das Jubiläum mit einem grossen Fest (siehe Kasten unten).

Der Zweck des vor 100 Jahren gegründeten protestantischen Vereins war, die Reformierten von Reiden und Umgebung zu versammeln, wöchentlichen Religionsunterricht sowie monatliche Gottesdienste durchzuführen und Geld für den Bau einer eigenen Kirche zu sammeln. «Erste Gottesdienste fanden im Gemeindesaal des Pestalozzi-Schulhauses in Reiden statt», sagt Heinz Kägi (68). Der pensionierte Lehrer aus Willisau hat sich mit der Geschichte der reformierten Kirchgemeinden auseinandergesetzt und anlässlich des Jubiläums ein Büchlein dazu verfasst.

Gottesdienste wurden im Schulhaus gefeiert

Pfarrer Fischer aus Brittnau war der erste reformierte Seelsorger in Reiden. Er musst im Folgejahr diese Tätigkeit aber krankheitshalber einstellen. 1919 erfolgte die Amtseinsetzung von Vikar Rudolf Linder aus Sursee. «Erste Gottesdienste fanden im Gemeindesaal des Pestalozzi-Schulhauses in Reiden statt», sagt Heinz Kägi (68). Der pensionierte Lehrer aus Willisau hat sich mit der Geschichte der reformierten Kirchgemeinden auseinandergesetzt und anlässlich des Jubiläums ein Büchlein dazu verfasst.

Am 26. September 1937 fand die Grundsteinlegung statt, an der die Bevölkerung von Reiden und Umgebung Anteil nahm. (Bild PD)
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Der feierliche Glockenaufzug der reformierten Kirche in Reiden fand am 9. Juli 1938 statt. Das Ereignis war ein grosses Volksfest, an dem 700 Kinder aus Reiden und Umgebung mitfeierten. (Bild PD)
Ein Schwarz-Weiss-Bild der reformierten Kirche Reiden, die nach den Plänen des Architekten Karl Friedrich Krebs aus Luzern gebaut wurde. (Bild PD)
So sah das Modell des Luzerner Architekten Armin Meili der reformierten Kirche Reiden inklusive Pfarrhaus aus. Das Pfarrhaus wurde 1928/29 verwirklicht - die Kirche in dieser Form nicht.
Die reformierte Kirche von Reiden heute. (Bild PD)
Sie steht unauffällig mitten in einem Wohnquartier. (Bild PD)
So sieht die reformierte Kirche von Reiden im Innern aus. Heinz Kägi (links) hat ein Büchlein mit der Geschichte der Kirchgemeinde und Kirche verfasst. Rechts im Bild: Präsident der reformierten Kirchgemeinde Jürg Wermelinger (Bild: Corinne Glanzmann, 31. August 2018)

Am 26. September 1937 fand die Grundsteinlegung statt, an der die Bevölkerung von Reiden und Umgebung Anteil nahm. (Bild PD)

Die Strukturen der Reformierten erstarkten zusehends. Der reformierte Frauenverein und der Kirchenchor wurden gegründet. Pfarrer Linder wurde 1920 vollamtlicher Pfarrer von Reiden und Dagmersellen mit Wohnsitz in Reiden. Doch die Wohnungsfrage wurde bald ein Problem. 1921 musste der Pfarrer seine Wohnung verlassen und fand trotz grosser Bemühungen keinen Ersatz. «Da gab es noch keine leeren Wohnungen – und wer wollte zu dieser Zeit schon einen reformierten Pfarrer bei sich aufnehmen», sagt Jürg Wermelinger (39), Präsident der reformierten Kirchgemeinde Reiden.

In der Folge verliess Pfarrer Linder Reiden. Sein Nachfolger war der Basler Pfarrer Bernhard Kölbing, der in der Wohnung eines Lehrers unterkam und wesentlich zur Erstarkung eines regen Gemeindelebens beitrug. Er amtete bis 1935 als Pfarrer in Reiden.

1929 hatte das Wohnungsproblem ein Ende. Der Pfarrer konnte ins neue Pfarrhaus, das der Architekt Armin Meili aus Luzern geplant hatte, einziehen.

Doch bevor es soweit war, gab es bei den Reformierten einen weiteren wichtigen Meilenstein zu verzeichnen – die staatliche Anerkennung der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinden im Luzernbiet Anfang 1927. Zur neu umschriebenen Kirchgemeinde Reiden gehörten damals die Gemeinden Reiden, Wikon, Langnau, Richenthal, Pfaffnau, St. Urban und Roggliswil.

Suche nach einem neuen Architekten

Nach der Verwirklichung des Pfarrhauses wurde bei den Reformierten der Wunsch nach einer Kirche immer grösser. Architekt Meili hatte dazumal das Pfarrhaus als Einheit mit einer Kirche erarbeitet. Allerdings wurde diese Kirche nie realisiert, denn Meili wurde als leitender Architekt für die kommende Landesausstellung von 1939 nach Zürich berufen und hatte kein brennendes Interesse mehr daran, die reformierte Kirche in Reiden zu bauen. Darum mussten ein neuer Architekt gefunden werden.

«Das Modell der ursprünglich geplanten Kirche von Meili kann man heute im Turm unserer Kirche sehen», sagt Jürg Wermelinger. Schliesslich fiel die Wahl auf Architekt Karl Friedrich Krebs aus Luzern. «Dieser hat zusammen mit Architekt Alfred Möri auch die Luzerner Lukaskirche entworfen», sagt Heinz Kägi.

1937 bewilligten die Stimmbürger für den Kirchenbau einen Kredit von 195 000 Franken. Diese für die Kirchgemeinde hohen Kosten konnten unter anderem dank der Zusage der Reformationskollekte stemmen. 1937 erfolgte der Spatenstich.

Katholische Glocken läuteten für die reformierten

Am 9. Juli 1938 fand der feierliche Glockenaufzug statt – was zu einem grossen Fest mit 700 Schulkindern von Reiden, Wikon und Langnau wurde. In einem festlichen Zug mit Pferdegespann, Musikanten, Behördenvertretern und Kindern wurden die vier neu gegossenen Glocken mit einem Gewicht von über 5,5 Tonnen zur Kirche geleitet – begrüsst von den Glocken der katholischen Pfarrkirche. Jürg Wermelinger sagt: «Es war ein grosses Fest, an das sich einzelne Leute, die dabei waren, heute noch erinnern.»

Am 6. November 1938 – dem Reformationssonntag – wurde die neue Kirche eingeweiht. Somit können die Reformierten von Reiden am Wochenende nicht nur ihr 100-jähriges Bestehen, sondern auch den 80. Geburtstag der Kirche feiern.

Die reformierte Kirchgemeinde von Reiden hat heute zirka 2000 Mitglieder. Jürg Wermelinger sagt: «Zuzüge und Austritte halten sich dabei zum Glück die Waagschale.»

Jubiläumsfest dauert drei Tag

Vom kommenden Freitag bis Sonntag findet das Jubiläumsfest zum 100. Geburtstag der reformierten Kirche Reiden statt. Am Freitag beginnt das Fest ab 17 Uhr mit «Fürobe-Bier» und Tortellini-Plausch im Festzelt. Um 19.30 Uhr wird das Jubiläumsbuch von Heinz Kägi vorgestellt. Zu sehen gibt es auch historische Filme, unter anderem vom Glockenaufzug in Reiden. Bei einer Gesprächsrunde erzählen fünf Persönlichkeiten Erlebnisse und Episoden aus ihrer Tätigkeit in und mit der Kirchgemeinde.

Am Samstagnachmittag geht das Fest um 15 Uhr weiter mit Aktivitäten rund um die Kirche: Geschichten mit Musik, Turmbesichtigungen, Bilder malen, Handy-Parcours, Goldvreneli nageln sowie eine Hüpfkirche für die Kinder. Um 21 wird der Kirchturm zur Leinwand. In einem siebenteiligen Konzert mit Projektionen wird die Schöpfungsgeschichte erzählt. Verschiedene Essensstände sorgen am Samstag für das leibliche Wohl.

Am Sonntag um 9.30 Uhr finden die Feierlichkeiten ihren Abschluss mit dem Jubiläumsgottesdienst mit musikalischer Umrahmung durch den ökumenischen Chor Reiden. Anschliessend gibt es einen Apéro riche für die Bevölkerung. (red)

Serie: Kirchen im Kanton Luzern

In lockerer Abfolge stellen wir Ihnen eine Auswahl an bedeutenden, besonderen oder in irgendeiner Weise herausragenden Kirchen im Kanton Luzern vor. Unsere (subjektive) Auswahl erstreckt sich von kleinen Kapellen bis zu monumentalen Kirchen, von den romanischen bis in die Neuzeit.