Die regionale Kulturförderung will sich neu erfinden – und den Kanton ins Boot holen

Nach dem Austritt der Gemeinde Ebikon muss die Regionalkonferenz Kultur (RKK) über die Bücher. Weitere Austritte drohen zurzeit nicht.

Simon Mathis
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Das Kleintheater ist eine der von der Regionalkonferenz Kultur unterstützten Institutionen.

Das Kleintheater ist eine der von der Regionalkonferenz Kultur unterstützten Institutionen.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 8. September 2017)

Von 17 werden bald noch 10 übrig sein: Mehrere Mitgliedsgemeinden der Regionalkonferenz Kultur (RKK) sind in den vergangenen Jahren ausgetreten. Dass 2021 nun auch Ebikon als eine der grossen Gebergemeinden aussteigt, bringt die RKK in Zugzwang: Sie muss ihr Fördermodell grundsätzlich überdenken. Im Gespräch war schon länger ein System, das die Gemeinden nicht mehr aufgrund der Einwohnerzahl berappen lässt, sondern aufgrund ihrer Distanz zu den Institutionen, welche die RKK unterstützt.

Das letzte Wort ist nicht gesprochen. Die RKK arbeitet am neuen Modell, das im Frühling vorliegen soll. Wie die Gemeinden auf die Neuerfindung der Kulturförderung reagieren, ist offen; eine Umfrage zeigt, dass jetzt vor allem Abwarten angesagt ist. Weitere Austritte stehen bei anderen grossen Mitgliedsgemeinden nicht zur Diskussion.

Die RKK-Gemeinden

RKK-Mitglieder Luzern, Kriens, Emmen, Horw, Rothenburg, Dierikon, Malters, Meggen, Schwarzenberg, Weggis
Ehemalige Mitglieder Adligenswil, Buchrain, Udligenswil, Greppen
Austritt beschlossen Root, Hergiswil (NW), Ebikon

Der Druck hat sich erhöht

Luzern bedauert den Austritt Ebikons sehr, wie Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagt:

«Erstmals tritt eine grosse Gemeinde aus. Die Zukunft der RKK in der heutigen Form ist dadurch fraglich. Der Verlust ist schwer verkraftbar und könnte auch in anderen Gemeinden Diskussionen auslösen.»

Für Institutionen in der Stadt wie auch Projekte vor Ort seien die Beiträge der RKK von grosser Bedeutung, so Züsli.

Eine Auflösung hätte wohl zur Folge, dass Institutionen und Kulturschaffende künftig andere Geldgeber suchen müssen. Vieles dürfte bei der Stadt landen, die bereits an fast alle dieser Organisationen wesentliche Beiträge leiste. «Daher ist es wichtig, eine neue Lösung zu finden.» Der Vorschlag für Beiträge je nach geografischer Nähe sei eine Möglichkeit, es müssten unter Einbezug des Kantons aber noch weitere Varianten diskutiert werden.

Zur Situation sagt die Krienser Stadträtin Judith Luthiger (SP): «Klar ist, dass sich der Druck zusätzlich erhöht hat, ein neues Modell zu erarbeiten.»

Auch Horw sei weiterhin interessiert, sich an der RKK zu beteiligen, so Gemeindepräsident Ruedi Burkard (FDP). Die Gemeinde wünsche sich, dass man den Kanton Luzern finanziell stärker in die Pflicht nimmt.

Der Emmer Gemeinderat war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Kritik an der RKK kam in der Vergangenheit vor allem von kleineren Gemeinden ausserhalb der engeren Agglo. Marcel Gigon (FDP), Gemeindepräsident von Schwarzenberg, differenziert:

«Das kulturelle Angebot rund um Luzern wird von vielen Menschen ausserhalb des engsten Agglomerationsgürtel besucht.»

Daher sei der Gemeinderat der Meinung, dass die umliegenden Gemeinden sich beteiligen müssen.

Der Weggiser Gemeinderat hat sich noch nicht mit der neusten Entwicklung beschäftigt. Die Haltung des zuständigen Gemeinderats Philipp Christen (CVP) ist aber klar: Auch Weggis soll sich in Zukunft an der regionalen Kulturförderung beteiligen. Man müsse aber bedenken, dass für Weggis auch andere Kulturzentren wichtig sind – etwa Küssnacht, das nicht von der RKK abgedeckt wird.

Meggen steht weiterhin hinter der RKK. Das neue Modell hält Gemeindepräsident Urs Brücker (GLP) für «diskussionswürdig». Allerdings:

«Man kann sich fragen, ob der ‹Wert› des Kleintheaters oder des Südpol für Vitznauer, Ebikoner oder Megger so grundsätzlich unterschiedlich sein soll.»

Adligenswil ist 2017 aus der RKK ausgetreten. Die Folge: Die Ausgaben für Kultur gingen insgesamt stark zurück. Dies war aber nur eine vorübergehende Sparmassnahme, betont die Adligenswiler Bildungs- und Kulturvorsteherin Felicitas Marbach (CVP). «Im letzten Jahr gaben wir 57 600 Franken für die Kulturförderung aus. Das ist fast doppelt so viel wie früher die Beiträge an die RKK.» Im Unterschied zur RKK werden mit diesem Geld aber nur lokale Adligenswiler Projekte unterstützt – selbst die Fasnacht profitiert. Marbach:

«Wir wollen primär unsere eigenen Leute unterstützen.»

Sie will nicht ausschliessen, dass sich Adligenswil eines Tages doch wieder bei der RKK beteiligt.

Ähnlich klingt es in der Gemeinde Root, die vor zwei Jahren beschlossen hat, per Ende 2020 auszutreten. Die Mitgliedsgemeinden Rothenburg und Dierikon haben die neue Ausgangslage noch nicht besprochen. 

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Simon Mathis