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Die Rottanne gehört in den Luzerner Wäldern zu den Verliererinnen

Der Klimawandel hat grossen Einfluss auf die Wälder. Im Luzerner Wald wird der Anteil der Laubbäume steigen.
Roseline Troxler
Eiche und Ahorn werden in den Luzerner Wäldern in den nächsten Jahren tendenziell zulegen, weil sie besser mit Hitze und Trockenheit umgehen können. (Bild: LAIF/Andrea Kuenzig)

Eiche und Ahorn werden in den Luzerner Wäldern in den nächsten Jahren tendenziell zulegen, weil sie besser mit Hitze und Trockenheit umgehen können. (Bild: LAIF/Andrea Kuenzig)

Erste Vorboten kündigen den Herbst an. Für die Wälder bedeuten tiefere Temperaturen nach der Hitze ein Aufatmen. Dennoch sagt Bruno Röösli, Leiter der Abteilung Wald bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald: «Die Stimmung in der Wald- und Holzbranche ist angeschlagen. Die Verunsicherung und das Unwissen, wie es wegen der Trockenheit weiter gehen wird, sind gross.» Selbst bei einem gemässigten Herbst stossen die Forstarbeiten rasch an logistische Grenzen.

Laut Röösli sind die Nachwehen des Hitzesommers 2018 und die Trockenheit auch in diesem Jahr noch deutlich spürbar. Ausserdem sagt er:

«In der Vegetationszeit verzeichnen wir auch dieses Jahr ein Niederschlagsdefizit von vierzig Prozent, übers ganze Jahr gesehen beträgt es zwanzig Prozent.»

Das Problem sei, dass auch im Winter keine Reserven angesammelt werden konnten.

Hitzesommer belastet die Wälder langfristig

Für Röösli ist klar: «Der Sommer 2018 gibt einen Eindruck der künftigen klimatischen Bedingungen.» Selbst wenn solche extremen Sommer die Ausnahme seien, hätten sie langfristige Auswirkungen auf die Wälder. Röösli erwartet aufgrund der Klimaszenarien einen deutlichen Zuwachs an Hitzetagen.

Wegen Hitze und Trockenheit mussten viele Bäume geschlagen werden. «Betroffen waren vor allem die Rot- und Weisstanne.» Die Rottanne, auch Fichte genannt, fiel in tieferen Lagen dem Borkenkäfer zum Opfer. Auch Buchen sind geschwächt oder teils gar abgestorben. Die ausserordentlichen Schläge hätten die Situation der Holzproduzenten strapaziert. «Der Markt wird von Schweizer Holz überschwemmt, Exporte sind kaum möglich, die Preise sind entsprechend gesunken.» Wie Ernest Schilliger, Geschäftsführer bei Schilliger Holz, sagt, gibt es derzeit infolge von Sturm und Borkenkäfer viel bläulich verfärbtes Holz. «Dieses kann zwar bei technischen Anwendungen, nicht aber für Fassaden verwendet werden.» Die Holzverarbeiter hätten Mühe, frisches Holz zu erhalten, da Förster zuerst das sogenannte Käferholz verarbeiten würden. Die Herausforderung ist laut Röösli gross, wenn Eingriffe ausserplanmässig geschehen müssten. «Es führt auch dazu, dass eine natürliche Verjüngung des Waldes erschwert wird. Der Wald braucht mehr Pflege und es gibt mehr Freiflächen.»

Die Vegetation verschiebt sich 500 bis 700 Meter

Waldexperten erwarten durch den Klimawandel weitreichende Auswirkungen auf den Wald. Bruno Röösli sagt: «Die Vegetation wird sich gemäss Forschern 500 bis 700 Meter nach oben verschieben. Der Einfluss ist allerdings stark abhängig von den Niederschlägen und der Exposition. Je nördlicher im Kanton, desto stärker sind die Veränderungen.» Betroffen werden also vor allem das Seetal, das Surental und das Wiggertal sein, weil dort weniger Niederschläge erwartet werden. Gemäss Röösli handelt es sich um Szenarien bis in 60 bis 70 Jahren gegen Ende des Jahrhunderts.

Einen Einfluss hat das Klima auch auf die Zusammensetzung im Wald. «Heute gibt es in den Luzerner Wäldern 42 verschiedene Baumarten. Die Palette wird zwar etwa gleich bleiben, doch der Anteil der Nadelbäume, der heute bei 75 Prozent liegt, wird deutlich zurückgehen.» Die grösste Verliererin sei die Rottanne, die weniger gut mit einem Temperaturanstieg umgehen kann. Der Abteilungsleiter sagt:

«In den letzten Jahren ist der Anteil der Rottanne um zehn Prozent zurückgegangen.»

Betroffen ist auch die Weisstanne, falls sie nicht am optimalen Standort wächst. Laut Röösli gibt es aber auch Bäume, denen ein Temperaturanstieg entgegenkommt. Dazu gehören die Eiche, der Ahorn, die Kastanie und die Linde sowie in höheren Lagen die Buche. Derzeit werden laut Röösli Herkünfte unserer Baumarten, welche in wärmeren Ländern wachsen und andere genetische Eigenschaften aufweisen, an hiesigen Standorten getestet.

Der Leiter der Abteilung Wald empfiehlt den Waldbesitzern aufgrund der erwarteten Entwicklungen, auf eine breite Artenpalette und stärker auf Baumarten zu setzen, welche mit Trockenheit und höheren Temperaturen umgehen können. Bund und Kantone entwickeln für Forstfachleute eine App, die standortgerecht passende, zukunftsfähige Arten anzeigt (www.tree-app.ch). Die heute keimenden Bäume dürften bereits im mittleren Alter in einem stark veränderten Klima wachsen.

Der Kanton Luzern hat mit 70 Prozent schweizweit den grössten Anteil an Privatwaldbesitzern. Dies ist eine Herausforderung für die Bewirtschaftung. Röösli sagt aber: «Viele Waldbesitzer haben sich neun regionalen Waldorganisationen angeschlossen, welche zusammenarbeiten. Der Aufbau war die Lehre aus dem Sturm Lothar, wo ebensolche Strukturen fehlten.» Obwohl die Strukturen im Luzerner Wald herausfordern, haben sie auch Vorteile: «Die Ausfälle durch Hitze oder Sturm sind weniger existenziell, als wenn es im Kanton wenige grosse Waldbesitzer gäbe.» Für die Betroffenen sei es dennoch ein wirtschaftlicher Schaden.

Holzindustrie ist auf Nadelbäume ausgerichtet

Werden andere Baumarten gepflanzt, hat dies auch Einfluss auf die Holzindustrie, die auf Rot- und Weisstannen spezialisiert ist. Laut Röösli wird in diesem Bereich aktuell viel geforscht und entwickelt. Dies bestätigt Ernest Schilliger. Die Herausforderung sieht er darin, dass wieder eine Baumart gefunden wird, welche in der ganzen Schweiz sowie im angrenzenden Ausland beim Bau verwendet wird. «Derzeit sind alle Normen auf die Fichte ausgerichtet.» Schilliger wünscht sich, dass der Kanton Luzern hier noch enger mit Nachbarkantonen zusammenarbeitet. Für ihn haben auch Nadelbäume trotz Klimawandel nach wie vor viel Potenzial, etwa die Douglasie.

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