Die «saugeile Stimmung» ist im Kasten

Man hockt gemütlich in der warmen Stube und erlebt die Luzerner Fasnacht dennoch hautnah. Zu verdanken ist dies den Mitabeitern von Tele 1, denen im Einsatz einiges in die Quere kommt.

Drucken
Teilen
Tele1-Kameramann Peter Steger filmt mitten aus dem Umzug der Zunft zu Safran. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Tele1-Kameramann Peter Steger filmt mitten aus dem Umzug der Zunft zu Safran. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

In Luzern ist es laut und chaotisch an diesem Schmutzigen Donnerstag. Der Umzug der Zunft zu Safran ist bereits gestartet. Die Guuggenmusigen ziehen über den Schweizerhofquai, bunte Fasnachtswagen folgen ihnen, Kinder stehen mit ihren Konfetti am Umzugsrand. Mitten in diesem Treiben steht Kameramann Peter Steger, die über 15 Kilogramm schwere Funkkamera geschultert. Er versucht, die besten Bilder einzufangen. «Ich gehe möglichst nah ran, um viele Details zu filmen», sagt Steger. «Der Zuschauer soll das Gefühl haben, mittendrin zu sein.» Hinter Steger steht Aufnahmeleiter Roman Loeffel und schaut, dass Steger beim Rückwärtslaufen nicht stolpert. «Er ist mein Auge nach hinten. Alleine könnte man so nicht drehen», sagt Steger.

Tele1-Kameramann Peter Steger filmt mitten aus dem Umzug der Zunft zu Safran. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
13 Bilder
Peter Steger macht sein Equipment bereit. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
Produzent Adriano Gerussi (zweiter von links) bespricht mit seinen Leuten den Ablauf. (Bild: Philipp Schmidli/Neue LZ)
Georges Theiler wird in der improvisierten Maske im Eventmobil am Schwanenplatz für die Live-Übertragung geschminkt. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Georges Theiler, Marco Thomann und Thomas Erni (von links) vor dem Beginn des Umzugs. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Simon Leus (vorne) und Christina Zulauf bedienen den Kamerakran. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Konzentriert: Die TV-Mitarbeiter im Übertragungswagen. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Der Kamerakran wird aufgebaut. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
Adriano Gerussi (links) und Claudio Magnano (rechts) im Regiewagen. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
Tele1-Moderator Thomas Erni übt nochmals die Moderationen. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
Viele Knöpfe im Regiewagen. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
Die ganze Fasnachtsübertragung kostet Tele 1 rund 100'000 Franken. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
Moderiert am Umzug: Thomas Erni. (Bild: Eveline Beerkircher/Neue LZ)

Tele1-Kameramann Peter Steger filmt mitten aus dem Umzug der Zunft zu Safran. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Alles auf die Sekunde geplant

Loeffel und Steger gehören zum Team des Zentralschweizer Fernsehsenders Tele 1, der die Luzerner Fasnacht in die Stuben jener Fasnächtler bringt, die zu Hause vor dem Fernseher sitzen und nicht draussen auf der Gasse feiern. Gut 50 Personen sind dafür im Einsatz. Vom Techniker bis zum Kameramann, vom Regisseur bis zum Moderator. Sie alle müssen für die Übertragung der Fasnacht äusserst präzise arbeiten. «Es braucht eine Topleistung von jedem Einzelnen», sagt Adriano Gerussi, Produktionsleiter und Produzent der Fasnachts-Live-Sendungen. Auch Gerussi selber steht am Donnerstag unter Strom. In seinen Händen hält er einen Stapel Blätter, auf denen auf die Sekunde genau der Ablauf der Sendung geplant ist. «Bei einer Live-Sendung muss man sehr flexibel sein und schnell reagieren können», sagt Gerussi.

Wie das aussieht, zeigt sich wenige Minuten später. Ein Gast der Zunft, der hätte erscheinen sollen, fehlt. Gerussi, ein Köpfhörerset mit Mikrofon auf dem Kopf, sitzt in der Regie und gibt dem Moderator Anweisungen, wie es weitergeht. Ein vorproduzierter Beitrag muss eingespielt werden. Die Situation ist gerettet, der Plan wieder im Lot.

Übertragung für 100 000 Franken

Doch nicht nur der Zeitplan spielt bei der Live-Übertragung eine wichtige Rolle, sondern auch die Technik. Der Materialaufwand ist gewaltig. Sechs Scheinwerfer liessen den Schwanenplatz an der Tagwache taghell erscheinen. Sieben Kameras, darunter eine grosse Krankamera, fangen die Fasnachtsbilder ein. Für die Übertragung hat der Sender einen speziellen Übertragungswagen, der auch immer wieder für Eurosport im Einsatz ist, dazugemietet. Die ganze Fasnachtsübertragung kostet Tele 1 rund 100 000 Franken.
Der Übertragungswagen steht auf dem Schwanenplatz und ist das Herzstück der Fasnachtsberichterstattung. Hier sitzen Regisseur, Produzent und Tontechniker zusammen. Es ist eng, Schallschutzwände halten den gröbsten Fasnachtslärm fern. Draussen tobt der Sturm, drinnen herrscht Bibliotheksatmosphäre. Kleine Monitore zeigen die Aufnahmen der verschiedenen Kameras, ein grosser Monitor gibt jenes Bild wieder, das gerade über den Sender läuft. «Von hier aus wird auch die ganze Kommunikation koordiniert», sagt Gerussi. Jeder ist mit jedem über Funk verbunden. «Die verschiedenen Funkkanäle zu koordinieren, ist nicht ganz einfach.»

Mann aus der Champions-League

Auch Simon Leus empfängt Anweisungen über seinen Kopfhörer. Er bedient zusammen mit Christina Zulauf den sechs Meter langen Kamerakran. Normalerweise ist dieser bei Champions-League-Spielen hinter dem Tor im Einsatz. Während Leus am Boden mit einem Joystick den schwenkbaren Kopf der Kamera bedient, hievt Zulauf den Arm des Krans in die richtige Position. Seit 15 Jahren arbeitet Leus schon mit dem Kran – an der Luzerner Fasnacht ist er aber damit zum ersten Mal. Ob es wohl daran liegt, dass er ein Basler ist? «Ha, nein, die Fasnacht hier ist saugeil. Eine richtige Festhütte», sagt Leus. Und damit diese «saugeile» Atmosphäre richtig rüberkommt, achte Leus bei jedem Schwenk besonders darauf, dass dieser sehr «smooth» geschieht. Also dass das Bild nicht wackelt. «Mit dem Kran können wir ansonsten wirklich sehr nahe an die Wagen ran. Wir müssen aber besonders auf die Busleitungen aufpassen», sagt Leus.

Steger stürzt über Hund

Mittlerweile laufen die letzten Nummern über den Schweizerhofquai. Noch immer schwärmen die Tele-1-Mitarbeiter wie Ameisen zwischen den Fasnächtlern herum. Kameramann Steger an vorderster Front. Der trägt das 15-Kilogramm-Ding mittlerweile seit zwei Stunden auf den Schultern. «Das ist schon stark an der Grenze. Da weisst du am Abend, was du gemacht hast.» Leus schwenkt fleissig in die Wagen rein und lässt den Kran über den Köpfen der Zuschauer schweben.

Kurz nach 16 Uhr fährt der letzte Wagen an den Kameras des Senders vorbei. Erleichterung macht sich breit. «Es lief fast alles nach Plan», sagt Gerussi. Der Ablauf stimmte auf die Sekunde genau. Einen kleinen Unfall gab es aber doch. So stürzte Steger beim Rückwärtslaufen über einen Hund, der hinter ihm mitten im Umzug Platz genommen hatte. Loeffel hatte ihn zu spät gewarnt. Hund und Kameramann blieben dabei unverletzt. Doch der Sturz blieb bei so vielen Kameras natürlich zur Schadenfreude der Regie nicht unbemerkt. Drei Kameras hatten ihn eingefangen. «Der kommt in die Highlights», sagt Gerussi und lacht. Für heute ist der Stress vorbei. Doch bereits am Dienstag beim Monstercorso müssen alle wieder auf ihre Posten – für die daheimgebliebenen Stubenfasnächtler.

Andreas Bättig / Neue LZ

HINWEIS

Fasnacht auf Tele1: Sonntag um 18.30 Uhr: Regio-Talk mit Christian Vannay. Montag um 18.40 Uhr: Der Tag der Wey-Zunft. Dienstag, 18.25 bis 22.15 Uhr: Monstercorso live. Alle Sendungen werden wiederholt.
Fasnacht auf SF1: Montag 13.55: Umzug der Wey-Zunft live.