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Bereits 4000 Mitglieder: Die Seniorenuni ist beliebt wie nie

Während andere Seniorenuniversitäten in der Schweiz stagnieren, nimmt bei jener in Luzern die Mitgliederzahl von Jahr zu Jahr zu. Für den Boom gibt es gleich mehrere Gründe.
Yasmin Kunz
Die Seniorenuniversität geniesst jeweils Gastrecht in der Universität Luzern – hier im Hörsaal 1. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Januar 2019))

Die Seniorenuniversität geniesst jeweils Gastrecht in der Universität Luzern – hier im Hörsaal 1. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Januar 2019))

Sie sitzen schon eine halbe Stunde vor Vortragsbeginn an einem Tisch und diskutieren. Hanspeter Marzer (86) aus Stans und Hans Bucher (69) aus Luzern. Die beiden sind langjährige Besucher der Seniorenuniversität in Luzern. Marzer ist seit 20 Jahren mit dabei, Bucher seit rund 5 Jahren. Auf dem Programm steht ein Referat von Pirmin Meier zur Geschichte der Sexualität in der Zentralschweiz. Rund 100 Seniorinnen und Senioren sind anwesend. Das Interesse ist gross – und das ist kein Einzelfall. Denn: Es gibt immer mehr wissbegierige Senioren in unserer Region. Das belegen die aktuellen Zahlen der Seniorenuniversität Luzern. Der Verein Seniorenuniversität Luzern zählt heute rund 4000 Mitglieder, vor fünf Jahren waren es 3400 und im Jahr 2008 erst 2500. Die heutige Seniorenuniversität wurde vor gut 20 Jahren gegründet.

Zum Vergleich: Die Seniorenuniversität Zürich registriert seit Jahren 2500 Senioren. An der Uni Basel sind die Zahlen mit rund 1300 auch seit Jahren stabil. Und an der Uni Bern bleiben die Mitgliederzahlen seit rund zehn Jahren mit maximal 1000 Mitgliedern auf demselben Niveau. In Luzern ist ein Besuch der Seniorenuni bereits ab dem 50. Altersjahr möglich. Da es hierbei nicht um ein Studium mit Prüfungen und Abschluss geht, ist die Teilnahme offen für alle, unabhängig von ihrer Vorbildung.

Doppelt so viele Vorträge wie andere Unis

Warum die Seniorenuni Luzern besonders viele Mitglieder registriert, führt Michel Hubli, der die Seniorenuniversität seit 2017 leitet, auf das breit gefächerte Angebot zurück. «Wir bieten eine Auswahl von 80 Vorträgen. Dazu kommen ebenso viele mehrteilige Seminare. Auch Exkursionen, Sprachkurse und Kulturreisen gehören zum Angebot.» Verglichen mit anderen Seniorenunis in der Schweiz ist dieses Angebot tatsächlich reichhaltig. Das bestätigen auch die beiden Senioren aus Stans und Luzern. Peter Bucher kommt vor allem bei den Kulturreisen ins Schwärmen. Zudem lobt er die «ausgezeichneten Referenten». Dem schliesst sich die 57-jährige Helene Steinmann aus Zell an. Seit ihr jüngstes Kind erwachsen ist, habe sie Zeit, ab und zu einen Vortrag zu besuchen.

Zum Vergleich: Die Seniorenuni Basel etwa bietet zwischen 42 bis 44 Vorträgen pro Jahr. Ähnlich sieht es mit 40 Vorträgen bei der Seniorenuni Bern aus. In Zürich ist das Angebot mit 50 etwas höher als in Bern und Basel. Auch bezüglich Kosten gibt es klare Unterschiede: In Basel etwa zahlt ein Senior für eine Einschreibegebühr pro Jahr 180 Franken. Ein Einzeleintritt kostet 20 Franken. In Zürich beläuft sich der Jahresbeitrag auf 120 Franken. An der Seniorenuniversität Bern beträgt die Gebühr gar nur 80 Franken pro Jahr. Der tiefe Preis sei nur deshalb möglich, weil praktisch alle Leistungen ehrenamtlich erbracht werden, sagt die Präsidentin der Stiftung Seniorenuniversität Bern, Pasqualina Perrig-Chiello. 20 Stellenprozente werden von der Universität Bern bezahlt, die übrigen Kosten gehen zu Lasten der Stiftung.

In Luzern hingegen ist die Gebühr nicht pauschal geregelt. Die Senioren bezahlen einen Mitgliederbeitrag von 50 Franken. Damit erhalten sie für die einzelnen Vorträge eine Reduktion von sechs bis acht Franken. Ohne Mitgliedschaft kostet der Eintritt für eine Vorlesung 18 Franken.

Hubli: «Vieles geschieht auf ehrenamtlicher Basis»

Wie viele Vorträge ein Senior im Durchschnitt pro Jahr besucht, weiss Michel Hubli nicht mit Sicherheit: «Es gibt Personen, die besuchen pro Woche dreimal einen Vortrag und andere kommen einmal monatlich.» An der Seniorenuni Basel besucht ein Senior pro Jahr in der Regel 25 Vorträge. In Luzern würde das mit dem Mitgliederstatus mit Abo 300 Franken kosten. Feststeht: Vielbesucher greifen in Luzern wohl tiefer in die Tasche als andernorts.

Gemäss Michel Hubli sei die Gebühr allerdings noch nie eine Diskussion gewesen:

«Bildung ist ein kostbares Gut und dafür bezahlt man gerne etwas.»

Der ehemalige Rektor der Kantonsschule Sursee weist zudem darauf hin, dass die Hintergrundfinanzierung einen wesentlichen Einfluss auf die Gebühren hat und Vergleiche mit anders organisierten Seniorenuniversitäten deshalb schwierig sind. «Unsere Seniorenuni ist eine selbstständige Organisation und steht unter dem Patronat der Universität Luzern, bei der wir für die Vorträge Gastrecht haben. Unser Verein finanziert sich durch Mitgliederbeiträge, durch die Kostenbeteiligung der Teilnehmenden sowie durch private und öffentliche Zuwendungen.» Weil der letzte Beitrag bescheiden ausfalle, sei man darauf angewiesen, kostendeckend zu arbeiten.

Rund 300 Stellenprozente werden für die Seniorenuni eingesetzt – verteilt auf acht Personen, die in der Geschäftsstelle tätig sind. «Vieles geschieht auch auf ehrenamtlicher Basis.» Auch die Dozierenden würden für ein «relativ bescheidenes» Honorar ihre Vorträge halten. Das Gesamtbudget des Vereins Seniorenuniversität Luzern beträgt rund 700'000 Franken.

Vor einigen Jahren haben sich der Kanton Luzern und die Stadt Luzern noch an den Kosten beteiligt. Bis 2012 unterstützten sie die Seniorenuni zusammen mit rund 40'000 Franken – im Zuge der Sparmassnahmen wurden diese Beiträge gestrichen, «konnten aber dank umsichtiger Planung und Ausbau des Angebots aufgefangen werden», so Hubli. Heute beteiligt sich noch die Stiftung Josef Müller und die Gemeinde Meggen an der Seniorenuniversität.

Meggen zahlt seit 2002 pro Jahr einen niedrigen vierstelligen Betrag an die Seniorenuniversität Luzern. Gemeindepräsident und Kantonsrat Urs Brücker (GLP) sagt zum Engagement: «Viele Megger Seniorinnen und Senioren nehmen das Angebot in Anspruch.» Brücker ist überzeugt: «Wenn sie geistig fit sind und bleiben, dann kommt das letztlich auch der Gemeinde zugute.» Für ihn ist deshalb klar, dass die Gemeinde die Seniorenuni weiterhin finanziell unterstützen wird. Der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) kann sich vorstellen, dereinst die Seniorenuni wieder finanziell zu unterstützen, wie er sagt.

Bildung ist gut für die Gesundheit

«Gebildete und informierte Luzerner sind positiv für den Kanton», sagt Regierungsrat Reto Wyss (CVP). Er schätzt das Angebot der Seniorenuniversität Luzern und hält fest: «Die Bevölkerung nimmt auf diese Weise aktiver am politischen und gesellschaftlichen Leben teil und leistet einen wichtigen Beitrag zum volkswirtschaftlichen Wohlstand des Kantons.» Bei der älteren Bevölkerung habe dieses Angebot zudem einen präventiven Charakter: «Aktive Teilhabe wirkt sich positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit aus.» Unter der Voraussetzung einer besseren Finanzlage kann Wyss sich vorstellen, künftig wieder einen kantonalen Beitrag zu sprechen. «Im Sinne einer Anerkennung für den Beitrag, den die Seniorenuni im Kanton Luzern leistet.»

Geschichte und Kunst besonders begehrt

Künftig dürfte die Teilnehmerzahl der Seniorenuni in Luzern noch steigen. Michel Hubli sagt: «Die Babyboomerjahrgänge kommen jetzt ins Pensionsalter.» Das heisst, der Platz an der Uni und in den Räumen am Schweizerhofquai 2 dürfte dereinst knapp werden. Dessen ist sich Hubli bewusst. «Wir werden eine noch bessere Auslastung unserer Angebote anstreben und allenfalls müssen neue Räume dazumietet werden. Das wäre wiederum eine Kostenfrage.» Rege besucht seien insbesondere Vorträge zu geschichtlichen Themen und zur Kunst. Ebenfalls beliebt seien philosophische oder weltpolitische Themen. Michel Hubli sagt: «Bei gewissen Vorträgen platzt der Saal schon heute aus allen Nähten.»

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