Die SP kritisiert Luzerner Unternehmer Jörg Bucherer – und verärgert Wirtschaftsverbände

In einem Facebook-Post kritisiert die SP Kanton Luzern den Stellenabbau beim Uhrengeschäft Bucherer. Der Wirtschaftsverband Stadt Luzern und die City-Vereinigung Luzern gehen hart mit dem Beitrag ins Gericht.

Simon Mathis
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Die Bucherer-Filiale beim Schwanenplatz in Luzern.

Die Bucherer-Filiale beim Schwanenplatz in Luzern.

Bild: Patrick Huerlimann (13. August 2020)

Ein Facebook-Beitrag der SP Kanton Luzern sorgt für Wirbel. Im Beitrag, der seit Donnerstag online ist, kritisieren die Sozialdemokraten den Luzerner Unternehmer Jörg Bucherer und den Stellenabbau in dessen Schmuck- und Uhrengeschäft. Im Beitrag heisst es: «370 Angestellte verlieren bei Bucherer den Job, davon 170 in Luzern. Jörg Bucherers Vermögen beläuft sich auf 2,5 Milliarden Franken. Mit einem Bruchteil davon könnte er die Löhne über Jahre bezahlen. Jetzt müssen jene, die ihm das Geld verdient haben, gehen. Die Öffentlichkeit muss einspringen.»

Screenshot des Facebook-Posts.

Screenshot des Facebook-Posts.

Bild: 18. August 2020

Es sind Sätze, die beim Wirtschaftsverband Stadt Luzern (WVL) grossen Ärger auslösen. In einer Medienmitteilung geht der Verband hart mit der SP ins Gericht. Die Partei verbreite «in den letzten Tagen auf Social Media einen Hass-Kommentar gegen den lokalen Unternehmer Bucherer». Wer wie Bucherer über Jahrzehnte einen wesentlichen Anteil an Steuersubstrat beitrage, Hunderte von Familien ein Einkommen ermögliche, «scheint offensichtlich in der Denkweise der SP-Protagonisten eine zu verachtende und aus unserer Gesellschaft auszugrenzende Person zu sein», so der WVL.

Der Verband wirft der SP weiter vor, die Coronakrise zu missbrauchen, um mit «härtesten Bandagen extreme Parteipolitik zu fahren». Obwohl der SP-Beitrag direkt Bucherer anspricht, interpretiert der WVL dies als «Frontalangriff gegen viele andere Unternehmer». Der Verband bedaure den Stellenabbau. Er weist jedoch auch darauf hin, dass Unternehmer in einer Krise eine «doppelte Last» trügen; sie müssten nicht nur für ihre eigene finanzielle Sicherheit sorgen, sondern auch für die ihrer Angestellten und Lieferanten. Das Vermögen Jörg Bucherers zu beziffern und anzuprangern, sei Unsinn; denn es brauche eine ausreichende finanzielle Substanz, um langfristig Hunderte oder Tausende Mitarbeiter beschäftigen zu können.

«Es ist völlig deplatziert, jene Unternehmer an den Pranger zu stellen, welche in der Coronakrise keinen anderen Ausweg mehr haben, als mit tiefen Einschnitten jene Voraussetzungen zu schaffen, dass ein Überleben des Unternehmens möglich ist.»

Weiter sei «völlig unverständlich», dass die SP kritisiere, Bucherer würde die städtische Infrastruktur mitbenutzen. Die Benutzer seien vielmehr die «Gäste aus nah und fern». Der WVL moniert, bei der SP herrsche «offensichtlich immer noch die fremdenfeindliche Einstellung gegen jeglichen Tourismus, welcher die Stadt Luzern bereichern könnte».

Der WVL schliesst mit der Bemerkung, dass die SP mit ihrem Beitrag «die verbleibende Hoffnung auf eine konstruktive Stadtpolitik in der nächsten Legislaturperiode» trübe. Man müsse sich die Frage stellen, ob sich die Stadtluzerner SP und der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli (SP) vom Facebook-Post distanzieren.

City-Vereinigung: SP lasse nur Fragen und Unsicherheit zurück

Mittlerweile hat sich auch die City-Vereinigung Luzern (CVL) mit einer ähnlich kritischen Mitteilung in die Diskussion eingeschaltet. Sie bezeichnet den Beitrag der SP als «polemischen Tweet», der nur Fragen und Unsicherheit zurücklasse. «Unsicherheiten sind bekanntermassen Gift für Investitionen und unternehmerisches Risiko», so die CVL. «Die Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen ist Aufgabe der Politik. Dies fordern wir ein und dafür bieten wir Hand.»

Die CVL stellt mehrere Fragen in den Raum, darunter: «Will die SP des Kantons Luzern neustens den kompletten Stillstand auf dem Arbeitsmarkt?» Die Vereinigung fährt fort mit grundsätzlicheren Fragen: «Ist Reichtum verwerflich, weil Reiche per se unter Verdacht stehen, sich ihrer Verantwortung für das Gemeinwesen zu entziehen?» Und: «Mit welchen Massnahmen reagieren wir auf die dramatischen und disruptiven Folgen der Covid-19-Pandemie für den Tourismus, die Hotel- und Gastronomie und den Detailhandel?»

SP-Präsident: «Ich sehe keinen Satz, den man widerlegen kann»

SP-Präsident David Roth sagt auf Anfrage, er könne die Kritik des WVL nur erstaunt zur Kenntnis nehmen. «Wir haben im Facebook-Post nur nüchtern die Fakten wiedergegeben», so Roth. Er sehe keinen Satz, den man widerlegen könne.

«Aus der Reaktion des WVL müssen wir schliessen, dass der Verband Kritik an Milliardären als Majestätsbeleidigung auffasst. Die Angestellten, die ihre Jobs verlieren, sind dabei wohl Nebensache.»

Dass die SP die Coronakrise für Parteipolitik missbrauche, bestreitet Roth. «Es ist doch ganz einfach: Jörg Bucherer hat sich für sein Vermögen und gegen die Arbeitsplätze von 170 Luzernerinnen und Luzerner entschieden. Und wir kritisieren diese Entscheidung nun. Ich sehe darin keinen Missbrauch.»

Die Behauptung, die Kritik an Bucherer sei gleichzusetzen mit einem Frontalangriff auf viele andere Unternehmer, weist Roth ebenfalls zurück. «Es war die SP, die den Erlass der Minimalsteuer für kleine Firmen gefordert und welche die Mietzinsreduktionen für Unternehmen durchgesetzt hat.» Dass der WVL die SP als fremdenfeindlich bezeichnet, hält Roth für «absurd».

Das Unternehmen Bucherer will zur Diskussion auf Anfrage nicht Stellung nehmen.

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