Die Stadt Luzern investiert deutlich mehr Geld in Littau als im alten Stadtgebiet

Schulhäuser sanieren oder auch Cheerstrasse ausbauen: In Littau investiert die Stadt 228,7 Millionen Franken – im alten Stadtgebiet «nur» 175 Millionen. Der Nachholbedarf sei eben gewaltig, findet ein Littauer Politiker. Die Baudirektorin widerspricht.

Robert Knobel
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So soll das Schulhaus Staffeln dereinst aussehen - allein für dieses Projekt gibt die Stadt 53,7 Millionen Franken aus. (Visualisierung: PD)

So soll das Schulhaus Staffeln dereinst aussehen - allein für dieses Projekt gibt die Stadt 53,7 Millionen Franken aus. (Visualisierung: PD)

Die Stadt Luzern hat mit dem Aufgaben- und Finanzplan (AFP) 2019-2022 ihre mittelfristige Strategie aktualisiert (wir berichteten). Darin sind auch sämtliche Investitionen aufgelistet, die in der Stadt bis 2022 und darüber hinaus anstehen. Und zu investieren gibt es tatsächlich einiges – das Gesamtvolumen erstreckt sich auf mehrere hundert Millionen Franken. Einzelne Projekte davon sind bereits in Ausführung, andere sind lediglich auf der längerfristigen «To-do-Liste» der Stadt aufgeführt.

Auffallend ist, dass deutlich mehr in Littau investiert werden soll als im alten Stadtgebiet. Allein die Investitionen in die dortigen Schulhäuser belaufen sich auf fast 170 Millionen Franken. Der grösste Anteil daran hat der Neubau des Schulhauses Staffeln (53,7 Millionen), der bereits läuft. Zählt man die wichtigsten standortgebundenen Investitionen zusammen, kommt man für das Gebiet Littau/Reussbühl auf 228,7 Millionen Franken (siehe Tabelle). Das «alte» Stadtgebiet, das ein Vielfaches grösser ist, kommt bloss auf 175 Millionen Franken. Dazu gehört etwa die Erneuerung des Theaters, für den die Stadt vorsorglich einen Beitrag von 40 Millionen reserviert hat. Wieviel das neue Theater tatsächlich kosten wird, ist allerdings unklar – genauso wie der genaue Kostenteiler zwischen Stadt und Kanton.

«Es gab einen Investitionsstau in Littau»

Doch weshalb wird in Littau so viel mehr investiert als in der «alten» Stadt? Hat die frühere Gemeinde Littau womöglich ihre Infrastruktur vernachlässigt, was die Stadt nun ausbaden muss? Der Littauer CVP-Grossstadtrat Roger Sonderegger sagt dazu: «Es gab einen Investitionsstau in der Gemeinde Littau. Wir haben einen massiven Nachholbedarf.» Littau habe es verpasst, in eine zeitgemässe Infrastruktur zu investieren. «Der Gemeinde fehlten schlicht die finanziellen Möglichkeiten», sagt Sonderegger. Tatsächlich ist auffallend, das acht Jahre nach der Fusion praktisch sämtliche Littauer Schulhäuser umfassend saniert oder neu gebaut werden müssen. Roger Sonderegger erwähnt auch das Zentrum St. Michael, den einzigen grösseren Veranstaltungsraum in Littau. «Dieser wurde bezeichnenderweise nicht von der Gemeinde gebaut, sondern von der Kirche.»

«Der Gemeinde fehlten schlicht die finanziellen Möglichkeiten.»

Das zurückhaltende Engagement der Gemeinde Littau war gemäss Sonderegger allerdings nicht nur den knappen Finanzen geschuldet. Es entsprach auch einer Philosophie, die stärker auf Eigeninitiative setzte. So sorgte beispielsweise eine Genossenschaft für den Bau der Zimmereggbadi. Wenn Unterhaltsarbeiten oder Reparaturen anstanden, legten die Mitglieder in ihrer Freizeit selber Hand an. Heute hingegen plant die Stadt die Totalsanierung des Schwimmbads – für 12 Millionen Franken.

«Wir sind heute weiter weg von den Entscheidungsinstanzen, dafür profitieren wir von einer höheren Qualität», bilanziert Sonderegger. Und diese Qualität wolle man von der Stadt auch künftig einfordern. So sei die ÖV-Erschliessung nach wie vor schlechter als in der übrigen Stadt. Sonderegger plant deshalb zwei Vorstösse. Damit will er eine bessere Erschliessung der Gebiete Ruopigen und Littauerboden erwirken. Bessere Busverbindungen nach Ruopigen stehen schon länger auf der Wunschliste der Littauer und Reussbühler, genauso wie eine S-Bahn-Haltestelle im Littauerboden. Neu ist hingegen die Idee, diese Haltestelle unterirdisch, im Zimmereggtunnel zu errichten. Sonderegger schwebt ein Bahnhof wie derjenige auf der Allmend vor. «Damit könnten der Littauerboden und vor allem Ruopigen deutlich besser an den ÖV angebunden werden.» Mit dem Vorstoss will Sonderegger den Stadtrat beauftragen, die Machbarkeit einer Tunnelstation zu prüfen.

Mehr Neubauten gleich mehr Investitionen

Eine andere Sicht auf das Investitionsvolumen in Littau hat die städtische Baudirektorin Manuela Jost (GLP): «Von einem Nachholbedarf kann keine Rede sein.» Man dürfe auch keinesfalls den alten gegen den neuen Stadtteil ausspielen. «Wir planen und investieren dort, wo es nötig ist und setzen Prioritäten.» Dass in Littau viel investiert wird, hänge auch mit der dortigen Entwicklung zusammen: «Im Stadtteil Littau hat in den letzten Jahren eine positive Dynamik eingesetzt.»

«Unser Ziel ist eine lebenswerte Stadt – was aber nicht heisst, dass überall dasselbe Angebot und dieselbe Infrastruktur vorhanden sein müssen.»

Tatsächlich hat Littau deutlich mehr Landreserven als der alte Stadtteil. Entsprechend viel wird in den nächsten Jahren gebaut – mit Auswirkungen auf die Bevölkerungszahl. Das erkläre auch die grossen Investitionen in die Schulhäuser, betont Jost. «Mit unseren Projekten reagieren wir auf diese sehr erfreuliche Entwicklung.» Auch der Eindruck, wonach Littau nachträglich auf das Qualitäts-Niveau der Stadt gehoben werden soll, stimme nicht, so Jost. «Unser Ziel ist eine lebenswerte Stadt – was aber nicht heisst, dass überall dasselbe Angebot und dieselbe Infrastruktur vorhanden sein müssen.»

In Littau entsteht ein neuer Vorzeige-Bau

Mit 164 Wohnungen plus Gewerbefläche wird auf dem Areal Grossmatte West die erste Luzerner 2000-Watt-Überbauung realisiert. Dazu gehören 800 Quadratmeter Fotovoltaikanlage und ein elektronischer «James».
Sandra Monika Ziegler