Die Stadt Luzern soll künftig ohne Erdgas auskommen

Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Stadtrats will einen entsprechenden Passus in der Beteiligungsstrategie von Energie Wasser Luzern festschreiben. Die Umsetzung dürfte jedoch lange dauern.

Stefan Dähler
Drucken
Teilen
Ein Gasherd. (Bild: Getty)

Ein Gasherd. (Bild: Getty)

Mit rund 130 Millionen Franken Umsatz ist Erdgas derzeit das grösste Geschäftsfeld von Energie Wasser Luzern (EWL). Das ist fast die Hälfte des Gesamtumsatzes des Energieversorgers, der sich im Besitz der Stadt Luzern befindet. Zum Vergleich: Der Strom als zweitgrösstes Geschäftsfeld macht rund 90 Millionen Franken aus.

Künftig soll EWL jedoch ohne Erdgas auskommen. Die vorberatende Geschäftsprüfungskommission (GPK) beantragt dem Grossen Stadtrat gemäss einer Medienmitteilung, die EWL-Beteiligungsstrategie unter anderem mit folgenden Punkten zu ergänzen:

  • EWL soll bis Ende 2020 eine «Dekarbonisierungsstrategie» erstellen und «die Ablösung der CO2-intensiven Erdgasversorgung» vorantreiben.
  • Erneuerungen des Gasversorgungsnetzes sollen «auf ein notwendiges Minimum beschränkt werden», auf einen Ausbau sei zu verzichten. Weiter soll EWL keine Gasanschlüsse mehr subventionieren und Kunden über Alternativen informieren.

Hintergrund des GPK-Antrags ist, dass auf Bundesebene ein verschärftes CO2-Gesetz erarbeitet wird, das 2021 in Kraft treten soll, wie Kommissionspräsident Gianluca Pardini (SP) sagt. «Die EWL-Beteiligungsstrategie soll mit diesem Gesetz kompatibel sein, damit wir dann nicht wieder Anpassungen vornehmen müssen.» Auf die Festlegung eines konkreten Zeithorizonts hat man verzichtet. Nun liege es am Stadtrat, gemeinsam mit EWL aufzuzeigen, wie die Abkehr von Gas aussehen könnte. «Auf dieser Basis kann dann der Grosse Stadtrat den Antrag diskutieren.»

EWL begrüsst die Forderung «im Grundsatz»

EWL begrüsst die Forderung «im Grundsatz», wie die Medienstelle auf Anfrage mitteilt. Die gewählten Formulierungen müssten aber präzisiert werden. «Zum Beispiel muss die Versorgungs- und Betriebssicherheit jederzeit gewährleistet bleiben.» Weiter müsse der Ausbau des Gasnetzes im Zusammenhang mit Projekten zur Einsparung von CO2 weiterhin möglich sein. Als Beispiel nennt EWL die See-Energie. Um Letzterer zum Durchbruch zu verhelfen, «ist eine Spitzendeckung mit Erdgas unumgänglich». Es würde aber anteilsmässig nur wenig Erdgas benötigt, zirka 5 bis 10 Prozent.

Man erarbeite derzeit bereits ein Dekarbonisierungskonzept für die Wärmeversorgung. «Ein erster Entwurf wird im ersten Quartal 2020 erwartet», so EWL. Konkrete Aussagen dazu könne man noch nicht machen. Aber: «Die See-Energie und Abwärmenutzung, insbesondere von der Kehrichtverbrennungsanlage Renergia, werden dabei eine wesentliche Rolle spielen.»

Eine Prognose, ab wann ein Gas-Ausstieg realistisch ist, sei derzeit aber nicht möglich. Zu schnell soll es aus Sicht von EWL jedenfalls nicht gehen. «Kombiniert mit einem Rückgang des Umsatzes wird die Rentabilität von EWL unweigerlich abnehmen.» Konkret bedeute das, dass der Gewinn sich stark reduzieren würde und damit auch die Dividende.

Stadt Luzern soll weg vom Gas – aber wie?

Die Stadt Luzern will den CO2-Ausstoss deutlich senken. Doch die grosse Energiewende braucht wohl mehr Zeit als erhofft. Das räumt sogar der grüne Umweltdirektor ein.
Robert Knobel