Die Stadt Luzern verbietet den Verkauf von Christbäumen aus dem Ausland

Auf Christbaummärkten dürfen nur noch einheimische Tannen angeboten werden. Damit reagiert die Stadt auf Anbieter, die es mit der Herkunft nicht immer so genau nehmen. Im Zweifelsfall droht eine DNA-Probe.

Roman Hodel
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Ob buschige Nordmanntannen, schlanke Rottannen oder stachelige Blautannen – ab nächstem Montag wimmelt es am Schweizerhof- und Nationalquai wieder von Hunderten Christbäumen. Der traditionelle Christbaummarkt an der Luzerner Seepromenade lockt jedes Jahr Tausende Kunden an. Neu gilt allerdings ab diesem Jahr: Die Produzenten und Händler dürfen nur noch Schweizer Christbäume verkaufen. Dies bestätigt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen.

Der Luzerner Christbaummarkt an der Seepromenade.

Der Luzerner Christbaummarkt an der Seepromenade.

(Archivbild: LZ)

Den Entscheid hat die Dienstabteilung zusammen mit den Produzenten und Händlern gefällt. «Das Verlangen nach Schweizer Qualität, ökologischer Nachhaltigkeit und Vergleichbarkeit des Angebots wurde aus Kreisen der Christbaumhändler an uns herangetragen und die Stadt befürwortet dies», so Lütolf. Die letztjährigen Christbaumverkäufe hätten aufgezeigt, dass eine grosse Nachfrage nach heimischen Bäumen bestehe. Die Kundschaft schätze es, wenn sie wisse, woher der Baum stammt. 

Doch das ist nur ein Teil der Geschichte. Tatsache ist, dass in der Vergangenheit auf dem Christbaummarkt vereinzelt ausländische Bäume angeboten wurden, ohne dies zu deklarieren. «Wir beschlossen deshalb zusammen mit den Händlern eine Deklarationspflicht bezüglich der Herkunft – ausländische Tannen waren als solche zu kennzeichnen», sagt Lütolf und fügt an:

«Aber diese Lösung überzeugte nicht wirklich, sondern sorgte eher für unübersichtliche Verhältnisse und Verunsicherung der Kundschaft.»

Denn der Preisunterschied ist natürlich gross: Inländische Nordmanntannen sind in der Regel gut doppelt so teuer wie ausländische, die in der Stadt weiterhin etwa bei Grossverteilern erhältlich sind. Wer nicht richtig deklariert, also beispielsweise eine ausländische als inländische Tanne verkauft, kann somit einiges mehr verdienen.

Luzern mit Vorreiterrolle?

Traditionellerweise sind fünf Christbaumbetriebe an der Seepromenade präsent – dieses Jahr allerdings werden es nur vier sein. Hansueli Furrer aus Schongau hat Mitte November abgesagt. Er handelt mit Bäumen, besitzt selber keine Baumkulturen. Von der neuen Regelung ist er mässig begeistert: «Wir haben auch ausländische Tannen verkauft und diese seit dem vergangenen Jahr auch entsprechend deklariert.» Da nun nur noch inländische Bäume zugelassen seien, müsse er dieses Jahr passen, «weil die Schweizer Bäume meines Lieferanten letzten Frühling grosse Frostschäden erlitten haben.»

Unter den verbleibenden vier Anbietern sind die Gebrüder Isenegger aus Fenkrieden. Sie verkaufen seit Jahrzehnten an der Seepromenade Bäume. «Wir sind froh über die neue Regelung, sie kommt langjährigen Produzenten von Schweizer Bäumen zugute», sagt Oswald Isenegger.

Seit Jahrzehnten produziert Oswald Isenegger Christbäume in der Region und verkauft sie unter anderem an der Luzerner Seepromenade.

Seit Jahrzehnten produziert Oswald Isenegger Christbäume in der Region und verkauft sie unter anderem an der Luzerner Seepromenade.

(Bild: Jakob Ineichen, Fenkrieden 11. Dezember 2019)

Er und sein Bruder betreiben – wie die meisten Anbieter von der Seepromenade – eigene Christbaumkulturen, und zwar in Fenkrieden, Meienberg, Ebikon und Ermensee. Er sagt:

«Ich sehe schon aus zehn Metern Entfernung, ob die Tanne aus Dänemark oder aus der Schweiz stammt.»

Die Nadeln und der Schnitt seien anders – und vor allem die Frische. Die meisten ausländischen Bäume würden bereits um den 1. November geschnitten und seien deswegen rascher trocken.

Auch bei der IG Suisse Christbaum begrüsst man die neue Regelung in Luzern: «Weil es immer wieder ‹Schlitzohren› gibt, die ausländische Bäume als einheimische anpreisen», sagt Geschäftsführer Philipp Gut und fügt an: «Klar müssen wir mit den ausländischen Bäumen leben, aber man muss schon sehen, dass sie die Heimischen wegen des tiefen Preises massiv konkurrenzieren.» Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Produkten würde darauf eben kein Zoll erhoben. «Hinzu kommt, dass die Bäume in Dänemark auf riesigen Flächen angebaut und von Billig-Arbeitskräften aus dem Osten geschnitten werden – da können wir schlicht nicht mithalten», so Gut. Er vermutet, dass Luzern mit seinem Entscheid eine Vorreiterrolle einnimmt.

Mario Lütolf, Verantwortlicher Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern.

Mario Lütolf, Verantwortlicher Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern.

Pius Amrein (Luzern, 29. Oktober 2014)

Dies kann Mario Lütolf von der Stadt Luzern nicht sagen: «Wir haben diesbezüglich keine Quervergleiche angestellt.» Sicher ist: Die neue Regelung gilt in Luzern für alle Produzenten und Händler, die auf öffentlichem Grund ihre Tannen verkaufen. Also auch für jene im Helvetiagärtli und auf der Bellerivehöhe. Allfällige Vorwürfe, wonach die Stadt mit dieser Regelung zu sehr in den Markt eingreift, weist Lütolf zurück und sagt: «Die Initiative dazu stammt von den Händlern selber, zumal selbst Grossverteiler mittlerweile hauptsächlich Schweizer Bäume verkaufen.» Bleibt noch die Frage, ob und wie die Stadt die neue Regelung kontrollieren wird. Mario Lütolf sagt dazu: 

«Falls sich berechtigte Zweifel bezüglich der deklarierten Herkunft ergeben, kann eine DNA-Probe angeordnet und genommen werden.»
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