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Kolumne

Die stärkste Frau der Welt

Lena Berger, Leiterin regionales «Zentralschweiz am Sonntag» über die Rollenverteilung von Mann und Frau.
Lena Berger
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Ich habe als Kind lange nicht gemerkt, dass bei mir zu Hause einiges anders lief als bei meinen «Schulgspänli». Mein Vater hat jeden Tag für die Familie gekocht, meine Mutter war für alles Handwerkliche zuständig. Mein Vater war es, der uns abends am Bett die Gute-Nacht-Geschichten erzählt hat. Und wenn wir krank waren, hat er uns das «Kotzkübeli» geholt. Sie dagegen hat selber Möbel geschreinert und angepackt, wenn es ein konkretes Problem zu lösen gab. Meine Mutter war und ist eine «Chrampferin». Ich bin stolz auf sie – und auch auf meinen Vater.

Ich vergesse nie, wie mein Freund Luki – der für mich wie ein Bruder ist – einmal meiner Mutter im Garten half. Es galt einen riesigen Stein wegzuschaffen. Mit aller Kraft umklammerte er den Fels und versuchte ihn zu bewegen – doch das Ding machte keinen Wank. Da ging meine Mutter neben ihm in die Hocke, packte den Stein und hob ihn hoch, als wäre sie Obelix und der Fels ein Hinkelstein. Der damals Neunjährige war tief beeindruckt. Er schaute meine Mutter mit grossen Augen an und sagte: «Du bist die stärkste Frau der Welt!»

Inzwischen ist Luki 35 – und meine Mutter 62. Das Kräfteverhältnis hat sich gewandelt. Eines aber hat uns diese Kindheit gelehrt: dass eine Frau auch eine Frau ist, wenn sie kräftig zupackt und «Männerarbeit» macht. Und dass ein Mann auch ein Mann ist, wenn er gerne kocht, vorliest und sich um seine Kinder kümmert.

Vieles von dem, was in der Feminismus-Debatte gefordert wird, ist für mich längst selbstverständlich. Gleich­berechtigung in einer Partnerschaft heisst für mich: dass jede und jeder seine Stärken in den Alltag einbringt. Dass man zusammen an einem Strick zieht – und so mehr erreicht, als man alleine geschafft hätte.

Obwohl meine Mutter drei Kinder innerhalb von drei Jahren bekommen hat, hat sie viel gearbeitet, sich verwirklicht und weitergebildet. Für mich ist sie noch heute die stärkste Frau der Welt. Und ich bin davon überzeugt: Diese Stärke ist einerseits ihrer Willenskraft geschuldet – und andererseits auch meinem Vater, der sich nicht nur als «Ernährer», sondern als vollwertigen Elternteil verstanden hat.

«Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau», so hiess es früher. Das gilt auch umgekehrt, besonders wenn beide ihre Talente in die Beziehung einbringen. Gerade wenn man nicht dem Rollenbild entspricht, gilt es solche Stereotypen aufzubrechen – und seine wahren Stärken zu entdecken.

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