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Der «Traverso» klettert steiler als am Gotthard: So fährt es sich im neuen Voralpen-Express zwischen Luzern und St. Gallen

Der Voralpen-Express, das touristische Zugpferd der Südostbahn, erfindet sich neu. Seit Dienstag fährt die Südostbahn mit dem «Traverso» von Luzern nach St. Gallen und zurück.
Christoph Zweili
Der neue Traverso auf der Sitterbrücke in St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)Der neue Traverso auf der Sitterbrücke in St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)
Der erste neue «Traverso» fährt auf der Voralpen-Express-Strecke zwischen St. Gallen und Luzern. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)Der erste neue «Traverso» fährt auf der Voralpen-Express-Strecke zwischen St. Gallen und Luzern. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)
Die Fernverkehrszüge verfügen über 359 Sitzplätze, davon 68 Plätze in der 1. Klasse. Alle Sitzplätze sind mit Steckdosen ausgerüstet.Die Fernverkehrszüge verfügen über 359 Sitzplätze, davon 68 Plätze in der 1. Klasse. Alle Sitzplätze sind mit Steckdosen ausgerüstet.
Ein Abteil, das mit Wimmelbildern gestaltet ist, steht Familien zur Verfügung. Die Bilder hat der Luzerner Illustrator Konrad Beck gezeichnet.Ein Abteil, das mit Wimmelbildern gestaltet ist, steht Familien zur Verfügung. Die Bilder hat der Luzerner Illustrator Konrad Beck gezeichnet.
In zwei Bistrozonen gibt es Kaffee- und Snackautomaten.In zwei Bistrozonen gibt es Kaffee- und Snackautomaten.
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Traverso: Der neue Voralpen-Express nimmt Fahrt auf

Dienstag, kurz vor 9 Uhr: Mit dem kupferfarbenen «Traverso» fährt einer der innovativsten Züge der Schweiz im Hauptbahnhof St. Gallen ein. Der erste Blick nach dem Einstieg zeigt bequeme, breite Sitze an den Panoramafenstern in der zweiten Klasse mit Steckdosen und Gepäckfach. Die erste Klasse besticht mit hochwertigen Sitzpolstern, viel Beinfreiheit und edle Holzverschalungen. Dazu kommen Bistrozonen und ein Familienabteil am Ende jedes Zuges.

Thomas Küchler, Vorsitzender der SOB-Geschäftsleitung. (Bild: Michel Canonica)

Thomas Küchler, Vorsitzender der SOB-Geschäftsleitung. (Bild: Michel Canonica)

Thomas Küchler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Südostbahn, steht zum Anspruch, den Kunden Qualität bieten zu wollen, «gerade in der 1. Klasse». Der «Traverso», seit Dienstag als Voralpen-Express im edlen Kupfer-Design regulär unterwegs zwischen St. Gallen und Luzern, stehe für diesen Qualitätsanspruch.

Welch ein Unterschied: Hier die vollklimatisierten, im Innern überaus einladenden Kompositionen der SOB, die drei Jahre nach der Bestellung beim Fahrzeugbauer Stadler bereits im Einsatz sind. Dort die teilweise auf dem gleichen Netz verkehrenden nahezu baugleichen Züge der SBB-Tochter Thurbo mit ihrem spartanischen Interieur.

Türöffner für Fernverkehrsgeschäft

Ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember ersetzen sechs achtteilige «Traverso»-Niederflurtriebzüge mit 359 Sitz- und 485 Stehplätzen das teilweise 40 Jahre alte Rollmaterial auf der Voralpen-Express-Strecke. Der «Traverso» ist für die SOB der Türöffner für das Fernverkehrsgeschäft. Die aufgewertete S-Bahn verkehrt zusammen mit den SBB als klassische Nord-Süd-Verbindung ab Dezember 2020 alternierend ab Basel beziehungsweise Zürich nach Locarno über die Gotthard-Bergstrecke.

Von Bern über Zürich nach Chur, also von Osten nach Westen, wird der hochmoderne Zug ab 2021 ebenfalls eingesetzt. Dadurch wird er auch seinem Namen gerecht: «Traverso» stammt aus dem Italienischen und bedeutet quer. Der kupferfarbene Zug fährt in Zukunft tatsächlich quer durch die Schweiz.

Blick in die 1. Klasse.

Blick in die 1. Klasse.

Um für diese neue Aufgabe gerüstet zu sein, muss er Tests in ganz Europa bestehen: Fahrten mit der Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde im Gotthard-Basistunnel, Kipptests auf deutschen Schienen, Klimatests von minus 30 bis plus 45 Grad in der SBB-Klimakammer in Olten, um Lüftung, Klimaanlage und Isolation zu prüfen.

Der Voralpen-Express, eine Gebirgsbahn

Auch Fahrten auf der Gotthard-Bergstrecke hat der «Traverso» bereits absolviert, sagt Küchler. Die grösste Nagelprobe aber ist die Strecke des Voralpen-Express. Die Steigung von 50 Promille zwischen Pfäffikon SZ–Biberbrugg und Arth-Goldau–Biberegg ist steiler als das steilste Stück am Gotthard, bestätigen Stadler-Experten.

Der neue SOB-«Traverso» im Hauptbahnhof St.Gallen.

Der neue SOB-«Traverso» im Hauptbahnhof St.Gallen.

«Die grösste Herausforderung sind die Abwärtsfahrten auf nassen Schienen im Herbst mit den Laubblättern. Da darf der Zug auf keinen Fall ins Gleiten kommen.» Um das zu verhindern, ist der «Traverso» zusätzlich mit einer Magnetschienenbremse ausgerüstet. SOB-Chef Küchler liebt Herausforderungen. Gegen das Bild, das Steinchen im Schuh der grossen SBB zu sein, wehrt er sich nicht: «Wir fordern als Privatbahn die Bundesbahnen heraus. Und wir zeigen, dass wir neue Mittel und Wege finden und trotzdem mit den SBB an einen Tisch sitzen können.»

Apropos Herausforderungen: 45 neue Lokführer für die Gotthard-Bergstrecke sind bereits gefunden und eingestellt. «Der grössere Hosenlupf aber sind die elf ‹Traverso›, die Stadler bis Ende 2020 noch bauen muss. Und wir suchen noch 50 zusätzliche Zugbegleiter», sagt Küchler. Ein neues Marketingkonzept soll dann die Touristen auf den «Treno Gottardo» bringen.

20 Jahre Voralpen-Express

(cz) Der Name Voralpen-Express stammt noch aus der Marketingküche der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT). Die Linie gilt als die schönste Verbindung von der Ostschweiz in die Zentralschweiz und ins Tessin – der Zug fährt durchs Toggenburg, durch die Zürichseelandschaft hinauf auf die Rothenthurmer Hochmoorebene Richtung Vierwaldstättersee nach Luzern.

Die Erfolgsgeschichte der direkten Verbindung von Romanshorn über St. Gallen–Rapperswil–Arth Goldau nach Luzern reicht zurück ins Jahr 1946. Auf der neuen Voralpen-Express-Strecke von St. Gallen nach Luzern werden die 125 Kilometer heute in zwei Stunden 15 Minuten Fahrzeit bewältigt. «Bereits damals bestand mit täglich zehn Zügen ein Vorbote des 1995 verwirklichten Angebots», erinnert sich der ehemalige Direktor der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT), Walter Dietz.

BT und SOB betrieben die Linie zusammen mit den SBB seit 1940 partnerschaftlich. Betriebliche Unterschiede der Unternehmen erschwerten über viele Jahre einen Betrieb mit einheitlichen Kompositionen. «‹Bahn 2000› brachte 1987 den Durchbruch für ein Grundkonzept für die Linie vom Bodensee in die Zentralschweiz. Seit 1996 ist ein grosses Gebiet der Ostschweiz über Arth-Goldau mit dem Tessin um 15 Minuten schneller verbunden als über Zürich. Seit dem Fahrplanwechsel 1999 verkehrt der stündliche Voralpen-Express mit einheitlichen Kompositionen.

Die Schweizerische Südostbahn AG entstand im Jahr 2001 durch die Fusion der BT mit der ehemaligen SOB. Die neue SOB hat ihren Sitz in St. Gallen und ist heute das drittgrösste Normalspur-Bahnunternehmen in der Schweiz. Der Bund ist zu knapp 36 Prozent Eigentümer. Weitere Aktionäre sind der Kanton St. Gallen (19 Prozent), Gemeinden an der Strecke (17,5 Prozent) und die Kantone Schwyz, Zürich, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden (12 Prozent). Gut 15 Prozent der Aktien sind im Besitz von Privaten. Betrieben wird heute ein eigenes Streckennetz von 123 Kilometern Länge zwischen der Zentral- und der Ostschweiz.

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