Die SVP fordert Luzerns Stadtpräsidenten Beat Züsli heraus

Das Stadtpräsidium soll bürgerlich werden, findet SVP-Kandidat Silvio Bonzanigo. Bei den potenziellen Verbündeten, der CVP und der FDP, ist man vom Kandidaten aber wenig begeistert.

Stefan Dähler
Hören
Drucken
Teilen

Es kommt zu einer Kampfwahl um das Luzerner Stadtpräsidium: Silvio Bonzanigo (SVP) kandidiert im März nicht nur für den Stadtrat, sondern auch für das Präsidium. Neben dem amtierenden Stadtpräsidenten Beat Züsli (SP) sind derzeit keine anderen Aspiranten bekannt.

Herausforderer Silvio Bonzanigo

Herausforderer Silvio Bonzanigo

Bild: Pius Amrein

«Wir streben eine bürgerliche Mehrheit im Stadtrat an, dann sollte konsequenterweise auch der Stadtpräsident bürgerlich sein», sagt Bonzanigo. Da FDP und CVP nicht für das Präsidium antreten, springe er in die Bresche. Seine Motivation sei zudem, es besser zu machen als Züsli, insbesondere im Bereich Wirtschaftsförderung. Dass er als Kandidat für das Stadtpräsidium mehr Aufmerksamkeit erhält, sei nicht ausschlaggebend gewesen.

CVP ist nicht mehr gut auf Bonzanigo zu sprechen

Bei den anderen bürgerlichen Parteien ist man jedoch nicht sonderlich angetan von Silvio Bonzanigos Kandidatur. Ihn zu unterstützen, ist für die CVP kein Thema, wie Parteipräsidentin Karin Stadelmann sagt. Bonzanigo war früher in der CVP, hat nun die Partei gewechselt und sich mehrmals negativ über die CVP geäussert.

Stadtpräsident Beat Züsli

Stadtpräsident Beat Züsli

Bild: Boris Bürgisser

Beat Züsli mache zwar einen soliden Job als Stadtpräsident und Stadtrat, sagt Stadelmann. Man würde es aber klar bevorzugen, wenn der Stadtrat bürgerlicher würde. Schon länger laufen auch Diskussionen über eine überparteiliche bürgerliche Kandidatur. «Kommt eine solche zu Stande, würde die CVP eine Unterstützung sicher prüfen.» Die CVP verzichtet auf eine eigene Kandidatur mit Finanzdirektorin Franziska Bitzi, da die Kombination Finanzen und Präsidium wegen zu grosser Machtballung als problematisch gilt.

FDP: Unterstützung eher unwahrscheinlich

Auch seitens der FDP dürfte eine Wahlempfehlung von Beat Züsli oder Silvio Bonzanigo eher unwahrscheinlich sein, wie FDP-Präsident Fabian Reinhard sagt. «Ich vermisse bei Beat Züsli die positive Ausstrahlung, die Visionen und die strategische Führung.» Aber auch Bonzanigo ist nicht gerade der Wunschkandidat der FDP, die vor vier Jahren die SVP noch unterstützt hat. «Der Parteiübertritt und die Kandidatur kamen sehr kurzfristig», sagt Reinhard. Damit sei die CVP vor den Kopf gestossen worden.

Die Grünen werden erwartungsgemäss Beat Züsli unterstützen, wie Präsident Martin Abele sagt. Wen die GLP unterstützt, ist noch offen, so Präsident Marcel Dürr. «Wir warten noch ab, ob allenfalls eine weitere Kandidatur zu Stande kommt.» GLP-Stadträtin Manuela Jost wird selbst auch nicht für das Stadtpräsidium kandidieren.

SP wünscht sich noch mehr Kandidaten

Beat Züslis Partei, die SP, beurteilt es positiv, dass es durch Bonzanigos Kandidatur nun zu einer Kampfwahl um das Stadtpräsidium kommt. «So erhält Beat Züsli die Gelegenheit, sein Profil und seine Ideen für ein soziales und ökologisches Luzern aufzuzeigen», sagt SP-Präsident Claudio Soldati. «Wir würden im Sinne der demokratischen Auseinandersetzung auch weitere Kandidaturen begrüssen, das würde den Wahlkampf weiter beleben.»

Listenverbindungen: Verschiedene Allianzen sind denkbar

Welche Listenverbindungen kommen bei den Wahlen für den Grossen Stadtrat im März zu Stande? Besonders der CVP stehen viele Optionen offen. Sie bevorzugt eine Allianz mit der FDP. «Wir können uns aber auch eine grosse Mitte-Koalition mit FDP und GLP vorstellen», sagt Präsidentin Karin Stadelmann. Eine Verbindung mit der GLP allein lehnte die Mitgliederversammlung ab. Eine weitere Option wäre eine Allianz mit den Kleinparteien EVP und BDP, die auf nationaler Ebene nun mit der CVP eine gemeinsame Fraktion bilden.

Ob eine und wenn, welche Verbindung zu Stande kommt, hängt auch davon ab, wie die anderen Parteien sich entscheiden. FDP-Präsident Fabian Reinhard sagt: «Unser Ziel war ein bürgerlicher Schulterschluss, das wird aber nicht möglich sein.» Daher bestünden drei Optionen: Listenverbindung mit der CVP, der SVP oder ein Alleingang. Die Parteiversammlung entscheidet am 7. Januar.

SP und Grüne wieder mit Allianz

Die GLP hat sich ebenfalls noch nicht entschieden. Anders die SP: Die Parteiversammlung hat beschlossen, wie stets bei den letzten städtischen Wahlen mit den Grünen zu kooperieren. Letztere wollen ebenfalls wieder mit der SP paktieren. «Ob weitere Parteien dazukommen, ist noch offen», sagt Grünen-Parteipräsident Martin Abele. «Auch die GLP wäre aus unserer Sicht eine Option.»

Die SVP-Mitglieder haben bereits entschieden, für einen bürgerlichen Schulterschluss mit FDP und CVP offen zu sein. Für Letztere ist das keine Option, der Entscheid der FDP steht wie erwähnt noch aus.

Mehr zum Thema