Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Klimafreundlicher Tourismus in Luzern – künftig Stuttgarter statt Chinesen?

Klimaschutz und Tourismus klingt nach Widerspruch. Darüber diskutierten drei Experten anlässlich eines Podiums zum Klimatag – und gaben Luzern ein paar Tipps. Klar ist: Ohne Einschränkungen dürfte klimafreundlicheres Reisen kaum möglich sein.
Roman Hodel
Der Schwanenplatz ist einer der Touristen-Hotspots. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 20. Juni 2018)

Der Schwanenplatz ist einer der Touristen-Hotspots. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 20. Juni 2018)

Es ist ja so mit dem Tourismus: Am klimafreundlichsten wäre, wenn er gar nicht stattfände. Doch die Sache ist natürlich komplexer. Erst recht in einer Touristenstadt wie Luzern, wo viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. Dabei gibt es ihn durchaus, den klimafreundlichen Tourismus. Das zeigte sich am Mittwochabend an einem gutbesuchten Podium anlässlich des Klimatags im Kulturhof Hinter-Musegg, organisiert vom VCS Luzern, Partnerorganisationen und der Stadt Luzern. «Wer weniger häufig reist, lieber per Bahn statt Flugzeug, Reiseziele in der Nähe aussucht und auch Dinge wie den Flächenverbrauch berücksichtigt, beeinflusst den ökologischen Fussabdruck schon mal positiv», sagte Sven Kotlarski, Leiter des Teams Klimaentwicklung bei Meteo Schweiz.

Trotzdem hielt Daniel Peter, Dozent für Nachhaltigkeit und Ökologie an der Höheren Fachschule für Tourismus Luzern, schonungslos fest:

«Der Tourismus ist einer der Hauptverursacher des Klimawandels.»

Touristen essen, übernachten und vor allem sie reisen – oft mit dem Flugzeug. Das alles wirke sich ökologisch aus. Weiter leide die Natur. Peter erwähnte zerstörte Küsten und fasste schliesslich zusammen: «Ich kenne fast keine positiven Auswirkungen des Tourismus.» Deshalb brauche es möglichst rasch Vorgaben von der Politik – und zwar drastischere als jene, die die eidgenössischen Räte beschlossen hätten. «Alles, was mit fossilen Brennstoffen zu tun hat, muss mehr kosten, anders geht es nicht.» Mit dem freiwilligen Verzicht komme man nicht weit.

«Doch was heisst das jetzt für Luzern – künftig Stuttgarter statt Chinesen als Touristen?», fragte die Moderatorin und Journalistin Katharina Deuber. «Unter Umständen schon», erwiderte Peter und räumte gleichzeitig ein, dass Luzern ein Problem bekäme, wenn der Tourismus über den Preis gesteuert würde. «Manche Touristen würden wohl einfach woanders hingehen, etwa nach Salzburg», warf Kotlarski von Meteo Schweiz ein.

Moderatorin Katharina Deuber diskutierte auf dem Podium mit (von links) Sven Kotlarski, René Dobler und Daniel Peter. (Bild: hor)

Moderatorin Katharina Deuber diskutierte auf dem Podium mit (von links) Sven Kotlarski, René Dobler und Daniel Peter. (Bild: hor)

René Dobler, Geschäftsleiter der Schweizer Stiftung für Sozialtourismus und damit Chef der Jugendherbergen, sprach noch einen anderen Punkt an:

«Es braucht generell einen Wandel, wie und warum wir reisen – für viele geht es heute doch nur noch darum, die paar Bilder zu machen, die man dann seinen Freunden zeigen kann. Genau ein solcher Hotspot ist Luzern geworden, den man in wenigen Stunden abhandelt.»

Dabei sei die Stadt eigentlich prädestiniert für einen längeren Aufenthalt mit ihrem See, den Bergen und dem kulturellen Angebot. «Luzern kann sich anders verkaufen, wenn es denn will – da müssen die Touristiker aktiver werden», so Dobler. «Aber man wird nicht um Einschränkungen herumkommen.»

Ähnlich argumentierte Daniel Peter: «Wir müssen dafür sorgen, dass die Touristen länger in Luzern bleiben, um mehr Wertschöpfung pro Person zu generieren.» Er erinnerte daran, dass momentan gerade mal
50 Millionen Chinesen einen Reisepass hätten, in den kommenden Jahren werde diese Zahl auf 200 Millionen steigen. Oder anders gesagt: Die 12'000-köpfige chinesische Reisegruppe im Mai war wohl erst ein Vorgeschmack. Peter sagte es so: «Das ist zwar gut für den Tourismus, aber eben schlecht fürs Klima.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.