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Sörenberg: Ausbaupläne scheiterten an den Finanzen

Dass die Bergbahnen Sörenberg ihr Grossprojekt teilweise begraben, wird mit Verständnis aufgenommen. Doch der Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten gibt Raum für Spekulationen, sagt ein Experte.
Marc Benedetti und Alexander von Däniken
Die Dachterrasse des Restaurants auf dem Brienzer Rothorn. (Bild: Getty)

Die Dachterrasse des Restaurants auf dem Brienzer Rothorn. (Bild: Getty)

Die Bergbahnen Sörenberg verzichten auf den Neubau einer 8er-Gondelbahn und einem Bergrestaurant auf der Ostseite des Rothorns. Gleichzeitig tritt der langjährige Verwaltungsratspräsident Fredy Portmann aufgrund unterschiedlicher Ansichten über die Ausbaupläne zurück. Theo Schnider, im Verwaltungsrat für die Kommunikation zuständig, sagt auf Anfrage: «Die wirtschaftliche Tragbarkeit dieses Vorhabens ist für die Bergbahnen Sörenberg nicht gegeben.»

Gemeindepräsidentin: «Verantwortungsvoller Entscheid»

Für Sabine Wermelinger, Gemeindepräsidentin von Flühli, kommt die Nachricht nicht gänzlich überraschend. «Wenn man jetzt noch eine Korrektur vornehmen kann, weil rechtzeitig festgestellt wurde, dass diese Projektvariante wirtschaftlich auf die Dauer nicht tragbar ist, finde ich das einen verantwortungsvollen Entscheid.» Ein Fehlentscheid hätte für das ganze Tal negative Auswirkungen, fügt sie hinzu. «Die Bergbahnen sind unser grösster Arbeitgeber und ein wichtiger Partner, und es ist für uns wichtig, dass es ihnen gut geht.» Sie hofft, dass man auf dem Rothorn dennoch weiter plant.

Dies bestätigt Theo Schnider: «Um die im Winter 2021 auslaufende Konzession der Luftseilbahn halten zu können, prüfen wir mehrere Varianten; etwa die Sanierung der Anlagen. Sicher ist, in den Ski- und Ausflugsberg Rothorn wird auch in Zukunft investiert.» Die aufgegleiste Etappe werde fertiggestellt. Zurzeit ist die Beschneiungsanlage und der Skilift Schönenboden im Bau.

Tourismusdirektorin: «Das ist nun Vergangenheit»

Carolina Rüegg, Direktorin von Sörenberg Flühli Tourismus, will den unternehmerischen Entscheid der Bergbahnen nicht kommentieren: «Das ist nun Vergangenheit.» Für die Zukunft relevant sei, dass das Brienzer Rothorn attraktiv bleibe und Investitionen getätigt würden.

Ein Punkt bei der Planung des Rothorn Ost-Projektes gab bei der Bevölkerung immer wieder zu reden: der Ersatz des Gipfelrestaurants Brienzer Rothorn durch einen Neubau auf der Ostseite. «Dass am heutigen Standort mit seinem schönen Ausblick auf die Berner Alpen keine Gaststätte mehr stehen sollte, ist von vielen nicht verstanden worden», sagt Rüegg. Der Verwaltungsrat habe sich für diesen Planungsschritt entschieden, weil viele Skigäste sich daran störten, zuerst den Tunnel durchlaufen zu müssen.

Hochschulprofessor: «Bergbahn-Metier ist sehr teuer»

Professor Urs Wagenseil leitet das Kompetenzzentrum Tourismus an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Für ihn hat die Neuigkeit eine unternehmerische und eine persönliche Komponente – den Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten. «Dass aktuell keine Kommentare abgegeben werden, eröffnet Raum für Spekulationen.»

Zum unternehmerischen Entscheid sagt er: «Das Bergbahn-Metier ist extrem anlageintensiv und deshalb sehr teuer.» Viele Bergbahnen in der Schweiz würden zu wenig Cashflow erwirtschaften, um die notwendigen, oft zweistelligen Millionenbeträge für die (Ersatz-)Investitionen zu stemmen. «Dass man in Sörenberg einen Marschhalt respektive eine Neuausrichtung ins Auge fasst, zeigt die Komplexität solcher grosser Projekte auf.» Der Bund, die Kantone, die lokale Politik, Umweltverbände redeten mit. Der Gast habe zudem immer höhere Leistungserwartungen.

Verwaltungsratspräsident Fredy Portmann war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Am Montag teilte der unserer Zeitung mit, dass er sich bis zur GV der Bergbahnen nicht weiter äussern werde und um Verständnis bitte.

Kennzahlen zum 39-Millionen-Projekt

Das Projekt Rothorn Ost hatte ein Gesamtbudget von 39 Millionen Franken. Der Kanton hatte bereits ein zinsloses Darlehen von 1,8 Millionen Franken und eine Bürgschaft für einen Kredit von 4,2 Millionen Franken mit einer Laufzeit von jeweils 20 Jahren bewilligt.

Mit dem jetzigen Entscheid der Bergbahnen fällt die neue 8er-Gondelbahn ab Witmoos weg. Ebenso wird das neue Bergrestaurant auf der Ost-Bergseite wird definitiv nicht gebaut. Das bestehende Gipfelrestaurant bleibt damit bestehen. Ein erster Schritt des Projekts, die neue 4er-Sessel-Bahn Eisee-Rothorn, wurde bereits 2017 realisiert. Dieses Jahr wird die Beschneiung Rothorn-Speichersee ausgebaut und der Skilift ins Tal verlegt. Die neue 4-er-Sessel-Bahn Witmoos ist bis 2019 sistiert worden.

Wieviel mit dem Wegfall einzelner Massnahmen der Etappe 3 eingespart wird, kann laut BBS-Verwaltungsrat Theo Schnider zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Denn auch die neue Strategie, die im Ansatz im Herbst bekannt gegeben werden soll, werde Investitionen auslösen (für die Erschliessung des Bergs, Anpassungen Gipfelrestaurant, Lösung Tunnel). Teilweise stecke man hier noch in der Ideenphase.

Die Bergbahnen Sörenberg erwirtschaften 2017 mit der Bahn einen Umsatz von acht Millionen Franken. Die Gastronomie inklusive dem Gipfelrestaurant Brienzer Rothorn setzt weitere 4,7 Millionen Franken im Jahr um. Im Sommer beträgt die Anzahl Gäste laut den BBS zirka 100'000 und im Winter gut 300'000 Personen. Der Saisonbetrieb beschäftigt im Winter 150 und im Sommer 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist einer der wichtigsten Arbeitgeber im Entlebuch.

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