Die Umzugsgruppen rüsten auf

In fünf Tagen startet endlich die Luzerner Fasnacht. Die Umzugswagen erhalten den letzten Schliff - und grössere Boxen.

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Die Gruppe Schenkastiko hat ihren Fasnachtswagen fertig. Präsident Jürg Fischer (rechts) zeigt Kuno Blättler, Mitglied des Umzugskommitees, die Details. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Gruppe Schenkastiko hat ihren Fasnachtswagen fertig. Präsident Jürg Fischer (rechts) zeigt Kuno Blättler, Mitglied des Umzugskommitees, die Details. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Spät fängt sie dieses Jahr an, die Luzerner Fasnacht. Einigen wohl viel zu spät. Doch den Wagenbaugruppen beschert dies etwas mehr Zeit, um ihre teils gewaltigen Gefährte fertig zu stellen. «Aber eigentlich könnte man ja ewig weiterbauen», sagte Marcel Würgler von den Borggeischtern Rothenburg am Donnerstagabend, als er beim traditionellen Baustellenrundgang den Zünftlern und Umzugskomiteemitgliedern das beinahe fertige Raumschiff seiner Guuggenmusig vorstellt.

Bild: Pius Amrein/neue LZ
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«Weltraumtouristen» heisst das Sujet, dass die Borggeischter am Schmutzigen Donnerstag und am Güdismontag am Umzug präsentieren werden. Dieser hat heuer insgesamt 36 Nummern. Damit ihr Wagen aus Plexiglas, Holz und Stahlträgern rechtzeitig fertig wird, mussten die Borggeischter viel krampfen. «Seit Oktober sind wir wöchentlich dran», sagt Würgler. Zwischenzeitlich hätten sie das Gefährt sogar komplett zusammengestampft und wieder von vorne begonnen. «Jetzt gilt es, die letzten Löcher zu stopfen.»

Längere Bierpausen

Anders bei der Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern. Diese kann ihr Gefährt eine Woche vor dem Fasnachtsstart fixfertig präsentieren. Die Gruppe hat sich der Euro-Krise in Griechenland angenommen und die überdimensionale Gelddruckmaschine prominent auf dem Wagen montiert. «Föörig» Zeit hätten sie am Schluss trotzdem nicht gehabt, meint Mitglied und «Schweizerhof»-Chef Mike Hauser schmunzelnd. «Denn wenn die Fasnacht später stattfindet, werden halt die Bierpausen beim Wagenbau jeweils etwas länger.»
Die Maskenliebhaber setzen bei ihrem Wagen hauptsächlich auf die Baumaterialien Holz und Sagex. «Nichts Revolutionäres, dafür ist es authentisch», meint Mitglied Pascal Lüthi. Aufgestock habe man dafür bei der Musikanlage. «Das Publikum soll unsere Sprüche am Umzug schliesslich mitbekommen.» Und gerade weil auch alle anderen immer grössere Anlagen hätten, müsse man fast zwangsläufig mitziehen. «Fast schon ein kleines Wettrüsten.»

KKL des Grauens

Gehört werden wollen auch die Schenkasticos, eine Surseer Fasnachtsgruppe. Ihr schaurig schöner Wagen «Orchester des Grauens» zeigt sich musikalisch – sogar mit einem Flügel drauf. «Wir wollten eine Art KKL mit toten Musikern kreieren», sagt Präsident Jürg Fischer. «Unser KKL muss aber nicht saniert werden.» Dafür werde aber noch am Abend des Aschermittwochs alles ratzeputz abgerissen. «Das ist zwar jeweils ein wenig brutal, gehört aber auch dazu.»
Auch die Surseer haben seit Oktober Hunderte Stunden in ihren Wagen investiert. «Alles wurde in Handarbeit gemacht, keine speziellen Teile gekauft», sagt Fischer bestimmt. Jeder in der Gruppe habe halt so seine Talente, dann gehe das.

Baustelle im Freien

Vom Wagen mit seinen vielen Totenköpfen und den Marmorsäulen zeigten sich die anwesenden Fasnachtsgewaltigen beeindruckt. Allen voran Beat Niederberger, Präsident des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK). «Es ist wirklich schön, was die Gruppe geschaffen hat.» Grossen Respekt habe er aber auch vor all jenen, die keine geheizte Halle wie die Surseer hätten und ihre Sujets unter Scheunenvordächern zusammenbasteln. Oder wie Stephan Furrer, diesjähriger Chef des Umzugskomitees, sagt: «Es gibt Gruppen, die haben unter Plastikplachen ihren Wagen angemalt, damit es nur ein wenig wärmer war und die Farbe nicht zu schnell hart wurde.»

Stefan Roschi