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Die Horwer «Uni», die keiner kennt

Unlängst ist Walter Odermatt gestorben, Gründer der nach ihm benannten Universität in Horw – deren Lehre Experten als «missionarisch» bezeichnen. Wie es mit der Institution weitergeht, ist unklar. Die Verantwortlichen schweigen.
Raphael Zemp
Gepflegt und unscheinbar: der Standort der Odermatt-Walter-Universität. (Bild: Roger Grütter (Horw, 28. Mai 2018))

Gepflegt und unscheinbar: der Standort der Odermatt-Walter-Universität. (Bild: Roger Grütter (Horw, 28. Mai 2018))

Einige krümmen sich über dicke Wälzer, andere streichen sich mit Leuchtstiften ihre ausgedruckten Texte bunt. Die meisten aber plaudern, trinken Kaffee, rauchen im Schatten der Sonnenschirme und Bäume. Nichts Aussergewöhnliches, befinden wir uns doch auf dem Vorplatz der PH und Uni Luzern, wo sich (bei schönem Wetter) junge, wissbegierige Leute die Füsse platttreten.

Keine drei Kilometer davon entfernt, unweit der Stadtgrenze zu Sankt Niklausen, Horw, da geht es weniger geschäftig zu und her. Obschon hier eine weitere Universität ihr Hauptgebäude hat: die Odermatt-Walter-Universität. Hier wird nicht angeregt diskutiert. Hier reiht sich nicht Velo an Velo. Überhaupt gibt es keinen Vorplatz, keine öffentliche Bibliothek oder Mensa. Die Odermatt-Walter-Universität, das ist ein rosa Einfamilienhaus, das sich hinter hohen Hecken duckt. Einzig der grosse Aushangkasten an der vorgelagerten Bushaltestelle, sowie eine kleine auf Glanz polierte Plakette verraten, dass hier nicht nur gewohnt, sondern auch gelehrt wird.

«Bahnbrechend, zukunftsweisend und systematisch abgerundet»

Nicht irgendeine Lehre wird hier vermittelt, nein. Der Internetauftritt der Odermatt-Walter-Universität verspricht nichts weniger als «bahnbrechende und zukunftsweisende Forschungsergebnisse», die in einer «systematisch abgerundeten Lehre» gebündelt werden. Organisiert ist dieses Wissen in den vier Fakultäten «Philosophie», «Tiefenpsychologie», «Wirtschaft» und «Naturwissenschaften». Das «Geniale» am Ausbildungsangebot: Die Lehre ist auf «systematischen und widerspruchsfreien Tatsachen» aufgebaut. Deshalb enthält sie auch «keine Hypothesen, die sich möglicherweise später als Irrtümer erweisen».

Spätestens jetzt stellen sich Fragen. Wie kann eine widerspruchsfreie Wissenschaft funktionieren? Ist das Forschen nicht ein beständiges Ringen nach Wahrheit, das Aufstellen und Verwerfen von ebensolchen Hypothesen? Und überhaupt, was hat es mit dieser Universität auf sich? Wie viele Studenten zählt sie, wie viele Dozenten? Und vor allem: Wie geht es weiter mit dieser privaten Bildungsinstitution, da unlängst der Übervater und Gründer Walter Odermatt verstorben ist?

Alles spannende Fragen, auf deren Beantwortung man vergebens wartet. Vielleicht sollte die Uni noch eine weitere Fakultät schaffen – für Kommunikations-Wissenschaften? Auf der Homepage findet man lediglich eine Nummer. Nach mehrmaligem Anrufen stellt sich schliesslich Hermine Odermatt-Imfeld am anderen Ende der Leitung vor, die Witwe des unlängst verstorbenen Professors. Erst beantwortet sie einige Fragen, will dann nochmals genauer wissen, wer sie genau anruft – und zieht daraufhin sämtliche Aussagen zurück. Sie fühle sich nicht in der Verfassung, so kurz nach dem Ableben ihres Ehemannes zu diesen Fragen Stellung zu nehmen. Einen Verantwortlichen der Odermatt-Walter-Universität, der genau dies tun könnte, will Odermatt aber auch nicht vermitteln. Man solle später anrufen.

Ein Später aber gibt es nicht. Seither ist die Leitung besetzt (oder blockiert?). Auch beim Trägerverein der Privatuni, dem «Hochschulverein der Odermatt-Walter-Universität» mit Hauptsitz im Kanton Schwyz, stossen die Fragen unserer Zeitung nicht auf offene Ohren. Erst eine ausgiebige Recherche mit Umwegen fördert die Telefonnummer des Vereinspräsidenten, Urs Rudolf, zu Tage. Auch hier wieder: Erst nach mehrmaligen Versuchen nimmt Rudolf den Anruf an, nur um barsch mitzuteilen: Fragen würden weder telefonisch noch per E-Mail beantwortet.

Institution war schon mehrmals in den Schlagzeilen

Man merkt, die Verantwortlichen der Privatinstitution sind nicht mitteilungsfreudig – und sagen damit doch einiges aus. Ganz nach dem Grundsatz des österreichischen Psychotherapeuten und Philosophen Paul Watzlawick: «Man kann nicht nicht kommunizieren.» Ihre Abwehrhaltung ist wohl auch der bisherigen Berichterstattung geschuldet. Einen ersten unrühmlichen Auftritt in den Medien hatte die Horwer Privatuniversität 2008, als Luzerner Kantonsräte ihre Kampagne gegen akademische Scheintitel lancierten. Dabei wurde die Odermatt-Walter-Universität in einem Atemzug mit den Begriffen «Schein-Uni» und «Titelmühle» genannt.

Fast schon harmlose Vorwürfe im Vergleich zu dem, was Martin Scheidegger, damaliger Leiter der Ökumenischen Beratungsstelle für religiöse Sondergruppen und Sekten in einem Bericht aus eben diesem Jahr festhielt: Die Odermatt-Walter-Universität erhebe «einen missionarischen Anspruch», trage in sich «eine ideologische Überhöhung», könne gar «in eine Abhängigkeit führen» (siehe Interview).

Ein weiteres Mal in die Medien schaffte es die private Bildungsinstitution vier Jahre später. Damals beschloss der Bund, künftig Bezeichnungen wie «Fachhochschule» und «Pädagogische Hochschule» und auch «Universität» zu schützen. Private nicht akkreditierte Bildungsanbieter würden auf andere Bezeichnungen ausweichen müssen, wie etwa «Akademie». Davon betroffen war im Kanton Luzern zu diesem Zeitpunkt einzig die Odermatt-Walter-Universität. Im Gespräch mit unserer Zeitung stritt Walter Odermatt persönlich den Vorwurf der Schein-Uni vehement ab, legte gar noch eine Schippe drauf, indem er behauptete: «Wir sind die einzige Universität in der Schweiz, die eine Psychologie anbietet, die wirklich universitäres Niveau hat, und sind deshalb anderen voraus.»

Im selben Artikel erfährt man auch, dass die Odermatt-Walter-Uni 2012 bereits zwei Ableger im Ausland hatte, in Deutschland und Spanien. Eine Information, deren Sensationsgehalt sich drastisch relativiert angesichts der ebenfalls kommunizierten Zahlen: Eingeschrieben waren 2012 an allen drei Standorten rund 30 Studenten. Einen Studiengang erfolgreich abgeschlossen haben zu diesem Zeitpunkt rund 20 Personen in ebenso vielen Jahren (eingerechnet ist dabei die Vorgänger-Institution, das Tiefenpsychologische Institut in Sarnen).

Seit 2015 gilt nun, was der Bund bereits drei Jahre zuvor beschlossen hatte: Das revidierte Hochschulgesetz fordert, dass private Bildungsanbieter, die sich als Universität bezeichnen, sich akkreditieren lassen oder aber umbenennen. Darüber ist auch die Odermatt-Walter-Universität informiert worden, wie Karin Pauleweit, Leiterin der kantonalen Dienststelle für Hochschulbildung und Kultur, bestätigt. Man werde «das Akkreditierungsverfahren zu gegebener Zeit einleiten», lassen die Uni-Verantwortlichen auf ihrer Homepage verlauten. Ob dies bereits geschehen ist, weiss Pauleweit nicht. Seitens der Uni hat auch zu diesem Punkt niemand Auskunft gegeben.

Zeit haben die Verantwortlichen der Odermatt-Walter-Universität noch bis Ende 2022. Dann nämlich wird die Übergangsfrist für die Umbenennung auslaufen – und Luzerns zweite Universität womöglich verschwinden, zumindest aus dem Namen.

Sektenexperte Martin Scheidegger. (Bild: PD)

Sektenexperte Martin Scheidegger. (Bild: PD)

Nachgefragt: Warum macht diese Uni abhängig?

Martin Scheidegger ist reformierter Pfarrer im Ruhestand und hat in Luzern die «Ökumenische Beratungsstelle religiöse Sondergruppen & Sekten» aufgebaut, der er von 1990 bis 2011 vorstand. Heute lebt Scheidegger zusammen mit seiner Frau in der Nähe von Bern.

Martin Scheidegger, unlängst ist Walter Odermatt verstorben, Kopf und Gründungsmitglied der gleichnamigen «Universität» mit Sitz in St. Niklausen, Horw (siehe Haupttext). Bedeutet das nun ihr Ende?

Wie es nun weitergeht, ist schwierig zu sagen. Auch weil ich schon länger nicht mehr an diesem Fall arbeite. Nach meinen Einschätzungen aber handelt es sich bei der Odermatt-Walter-Universität um ein kleines Grüppchen mit der Gründerfigur Walter Odermatt im Zentrum. Er hat es verstanden, Leute zu faszinieren und um sich zu scharen. Dabei hatte er aber zweifelsohne Guru-Allüren.

Sie sagen, die Lehre der Odermatt-Walter-Universität kann «in eine Abhängigkeit führen». Inwiefern?

Ich habe mich mit einigen Absolventen der Odermatt-Walter-Universität ausgetauscht. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Lehren des Walter Odermatts telquel übernommen werden – und nicht kritisch hinterfragt. Dabei «verhebet» vieles nicht. Viele Elemente sind ideologisch geprägt. Wenn der Mensch das unkritisch übernimmt, dann läuft er Gefahr, in die Abhängigkeit zu rutschen.

Wie sind Sie auf die Odermatt-Walter-Uni aufmerksam geworden?

Es sind mehrere Anfragen bei mir eingegangen. Dies nachdem die Institution ordentlich die Werbetrommel gerührt und mit Broschüren, Plakaten und auch Informationsveranstaltungen auf sich aufmerksam gemacht hatte. Das liegt aber über zehn Jahre zurück. Es haben mich aber auch Absolventen kontaktiert – mit dem Ziel, dass ich meine kritischen Texte über die Odermatt-Walter-Universität vom Netz nehmen möge.

Ist das alternative Bildungsinstitut in Horw ein Einzelfall?

Nein, es ist bloss ein Vertreter einer bereist abgeflachten, esoterischen Strömung. Diese trachtete nach der Jahrtausendwende nach (pseudo-)wissenschaftlicher Anerkennung. Dafür steht etwa auch die Osiris Universität in Herlisberg, Römerswil, die inzwischen bloss noch «Hohe Schule der Menschenkenntnis» heisst. Sowie weitere. (zar) Martin Scheidegger. (zar)

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