Die Unruhe in Person

Dieser Luzerner Politiker liess fast niemanden kalt. Besonders keinen Journalisten. Jürg Auf der Maur, Chefreporter der «Zentralschweiz am Sonntag», über die Persönlichkeit Otto Ineichen.

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Jürg Auf der Mauer an einem Podiumsgespräch mit Otto Ineichen im Schweizerhof. (Bild: Archiv/Neue LZ)

Jürg Auf der Mauer an einem Podiumsgespräch mit Otto Ineichen im Schweizerhof. (Bild: Archiv/Neue LZ)

Um Otto Ineichen kam keiner herum. Wer sich mit der Schweizer Politik professionell beschäftigte, war schnell in Kontakt mit dem FDP-Politiker aus Sursee. Otto Ineichen sprühte vor Energie, hatte keine Berührungsängste  und nahm den Telefonhörer auch mal selber in die Hand, um seine jüngsten Pläne und Ideenskizze in die Redaktionsstuben zu bringen.

Ineichen gab nie klein bei, bis seine Idee umgesetzt war. Wer ihn in der Wandelhalle traf, wurde mit Worten, Vorstössen und Konzepten eingedeckt. Auch für uns Medienleute schmiedete er oft Allianzen und Brücken. Wenn er eine Idee realisieren wollte, lieferte er meist noch weitere Gesprächspartner. Es ging ihm um die Sache, um die Partei und – das glaube ich tatsächlich – nicht um seine Person. Was viele zwar sagen, bei Otto war es ernst gemeint.

Otto liess keinen Journalisten kalt, gerade deswegen reagierten alle so schockiert, als in der Wandelhalle am Mittwochmorgen zuerst nur Gerüchte, dann die traurigen Fakten die Runde machten. Er liess sich nicht bremsen. Winkte ein Journalist ab und wollte von seiner jüngsten Idee nichts wissen, konnte man ihm das offen sagen. Er hatte Verständnis, dass nicht immer alles von ihm publiziert wurde. Wer Nein sagte, hatte mit keinen Nachteilen zu rechnen. Ineichen war nie nachtragend. Als Journalist musste man nur damit leben, dass er schon Sekunden später mit anderen Medienleuten wieder im Gespräch war, um diese von der Idee zu überzeugen. Deshalb kam es auch vor, dass man sich als Sonntagsjournalist manchmal grün und blau ärgerte, weil man eine Geschichte, die man selber hätte haben können, plötzlich bei der Konkurrenz lesen musste.

Ich werde ihn vermissen. Die Gespräche, die Anrufe, die Interviews, die ich mit ihm führen durfte. Er am Samstagmorgen auf einem Fahrrad, wir in der Redaktionsstube schwitzend.

Jürg Auf der Maur, Chefreporter «Zentralschweiz am Sonntag»