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Ein Luzerner Prügelopfer erzählt: «Die vier wollten mich töten»

Ein 42-Jähriger wurde Ende August beim Franziskanerplatz von vier Männern überfallen und verprügelt. Seither leidet er an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Das Opfer schildert den Moment, der sein Leben veränderte.
Thomas Heer
Beim Luzerner Franziskanerplatz geschah der brutale Überfall. (Bild: Boris Bürgisser, 15. November 2018)

Beim Luzerner Franziskanerplatz geschah der brutale Überfall. (Bild: Boris Bürgisser, 15. November 2018)

Am Abend des 25. Augusts war es, als Campinos «Tote Hosen» bei den Fans auf der Allmend «vor allem mit ihrer Leidenschaft für die Musik punkteten», wie die «Luzerner Zeitung» im Nachgang des Konzerts schrieb. An jenem letzten Samstag des Monats kam es auch zu einem – für den abgelaufenen Sommer – seltenen Ereignis: Es fiel zum Teil heftiger Regen. Das aber kümmerte Peter Meier* wenig. Er liess sich nicht davon abhalten, den Weg von einer Agglomerationsgemeinde hinein in die Stadt anzutreten. Der Grund für seinen nächtlichen Abstecher: Meier hatte Durst. Und so deckte sich der 42-Jährige im Bahnhofareal mit zwei Sechserpackungen Bier ein. Seine Wahl fiel auf die Marke «Tell».

Mit den Dosen, verstaut in seinem Rucksack, spazierte der Mann nach dem Einkauf um zirka 22 Uhr entlang der Bahnhofstrasse. Er querte den Rathaussteg und suchte zwecks Erleichterung seiner Blase noch kurzzeitig das öffentlich zugänglich Pissoir unter der Egg auf. Danach führte ihn der nächtliche Ausflug weiter über die Reussbrücke, wieder zurück auf die andere Flussseite.

Opfer wurde zur Bewusstlosigkeit gewürgt

Dann eingangs des Franziskanerplatzes nahm Meiers Ausflug jäh eine dramatische Wende. «Ich war mit einem Tunnelblick unterwegs», erinnert er sich an jenen Augenblick. Zu spät bemerkte er offenbar, dass ihn zwei vor einer Hauswand stehende Männer bereits beobachteten. Der eine packte ihn dann am Arm und wollte den verdutzten Passanten zum nahe gelegenen Veloparkplatz zerren. Meier konnte sich aus dem Griff lösen, versuchte zu fliehen, wurde aber fast zeitgleich von zwei weiteren Männern gestellt. Nun stand er vier Typen gegenüber, der Jüngste 21-, der älteste 30-jährig.

Das Opfer wurde zu Boden gerissen, geschlagen und gewürgt, sodass der Überfallene auch kurzzeitig das Bewusstsein verlor. In einem Arztzeugnis, datiert vom 21. Oktober, ist unter anderem von «Schädelprellung, Würgetrauma, Thorax- und Kniekontusion» die Rede. «Ich dachte, ich müsse sterben», erinnert sich Meier an diese schrecklichen Momente von Ende August. Als er wieder zu sich kam, und die Täter bereits das Weite gesucht hatten, stand ein Mann neben ihm. Dieser alarmierte die Polizei.

Die uniformierten Sicherheitskräfte trafen wenige Minuten später am Franziskanerplatz ein. Zur Befragung hiess es für Meier nach erster notfallmässiger Versorgung dann vorerst mal Platz nehmen im Kastenwagen. Aber im Innern des Fahrzeugs beeinträchtigte für alle Beteiligten bald schon ein übler Geruch die Luft zum Atmen. Meier sagt: «Ich war eingekotet und eingenässt.» Er spricht dies aus, ohne eine Miene zu verziehen und ginge dabei als Filmdouble von Angel Di Maria durch. Jenem argentinischen Fussballnationalspieler, der, auch wenn er lacht, noch irgendwie traurig wirkt.

Später wurde Meier ins Kantonsspital eingeliefert. Im «Arztbericht Unfall Chirurgie Notfall» heisst es unter Absatz «AUF»: «Arbeitsunfähigkeit zu 100 % von 26.08.2018 bis 01.09.2018 ggf. Verlängerung durch Hausarzt.»

Peter Meier ist heute arbeitsunfähig und leidet an einer «posttraumatischen Belastungsstörung», wie der Hausarzt schriftlich festhält. Meier selber spricht von der «Boxerkrankheit», in der Medizin unter der Abkürzung CTE bekannt. Diese kann zu Gedächtnisverlust, Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen, aber auch Depressionen und erhöhtem Suizidrisiko führen.

Die Täter wurden kurz nach dem Verbrechen am Franziskanerplatz von der Polizei gefasst. Simon Kopp, Informationsbeauftragter der Staatsanwaltschaft, spricht im Zusammenhang vom Überfall auf Peter Meier von einem «schwerwiegenden Fall». Kopp sagt weiter: «Die Täter sind geständig und werden sich vor Gericht verantworten müssen.» Als Tatmotiv geben die vier an, sie hätten kein Geld mehr gehabt und sich daher spontan für Raubdelikte entschieden.

Warum aber spricht Peter Meier mit einem Journalisten über sein Erlebnis? «Ich wehre mich dagegen, dass solche Fälle bagatellisiert werden.» Im E-Mail-Verkehr mit einem Behördenvertreter schrieb Meier unter anderem: «Die vier wollten mich töten.» Meier geht es auch darum, aufzuzeigen, dass selbst in einer Stadt wie Luzern, Raubüberfälle vorkommen können. Und nicht zuletzt möchte er andere Opfer dazu ermutigen, solche Ereignisse der Polizei zu melden. «Auch wenn es am Schluss darum geht, den Tätern bei einer Gegenüberstellung wieder zu begegnen», fügt Meier an.

Hinweis: * Name wurde von der Redaktion geändert.

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