Die Vorwärtsstrategie beim Campus Sursee zahlt sich aus

136 Millionen hat der Campus Sursee in den letzten Jahren investiert. Und auch der Oscar der Schweizer Wirtschaft ging nach Oberkirch.

Ernesto Piazza
Hören
Drucken
Teilen
Das Areal des Campus Sursee hat sich in den letzten Jahren auch dank eines Masterplans stark entwickelt.

Das Areal des Campus Sursee hat sich in den letzten Jahren auch dank eines Masterplans stark entwickelt. 

Bild: Pius Amrein (3. Dezember 2019)

Als der jetzige Direktor Daniel Suter (59) am 1. März 2013 die Führungsrolle im Campus Sursee übernahm, fand er als Richtschnur einen mit verschiedenen Meilensteinen gepflasterten Masterplan «Campus.22» vor. «Wir mussten uns dabei die Frage beantworten, wie das Business entwickelt werden kann, um die anstehenden Ersatzinvestitionen tätigen zu können», erinnert sich der Campus-Direktor an seine Anfänge.

Die Verantwortlichen hatten sich vordringlich damit zu beschäftigen, wie sie mit den 36 Millionen an aufgeschobenen Unterhaltsarbeiten umgehen. Sie entschieden sich für eine Vorwärtsstrategie, eine Marktöffnung. Künftig sollte das Zentrum nicht mehr nur als Ausbildungsstätte dem Bauhauptgewerbe dienen. Vielmehr wollte man auch andere Branchen davon profitieren zu lassen.

Grosses Kontaktnetz zur Wirtschaft

Auf der Verbandsseite habe sukzessive ein Umdenken stattgefunden, sagt der Seeländer Daniel Suter. Und zwar so sehr, «dass wir heute über ein grosses Kontaktnetz zur Schweizer Wirtschaft verfügen». Unternehmen wie die Allianz Versicherung, Landi Schweiz, Coop, Post, SBB, das Eidgenössische Departement für Verteidigung und eine Vielzahl von KMU nutzen die Campus-Räumlichkeiten für Seminare und Übernachtungen. Wobei das Kerngeschäft noch immer bei Schulungen für das Bauhauptgewerbe liegt. «Doch mit der Öffnung hat sich eine riesige Chance ergeben, die wir nutzten», erklärt Suter. «Die neue Klientel stellte aber auch höhere Anforderungen an uns.» Der Campus Sursee musste fortan seinen Standard steigern.

Als erstes Projekt des Masterplans «Campus.22» wurde im Mai 2013 das neue Grill-Restaurant Baulüüt eröffnet. Im September desselben Jahres wurde das Hotelgebäude renoviert. Entstanden sind 125 neue Einzel- und 25 Doppelzimmer. «Die neue Premium-Kategorie macht uns zum leistungsstärksten Hotel der Schweiz», betont Suter. Im Geschäftsjahr 2018/19 verzeichnete die Campus Sursee Seminarzentrum AG erstmals 122600 Übernachtungen und servierte 410000 Hauptmahlzeiten.

Um dem wachsenden Parkplatzbedarf gerecht zu werden, erfolgte im August 2014 die Fertigstellung des Parkdecks P3. Dieses bietet Platz für rund 450 Fahrzeuge. Eineinhalb Jahre später war die neue Ausbildungsarena für Kranführer und Maschinisten betriebsbereit. Sie sei die modernste Ausbildungsanlage für Baumaschinenführer- und für Ausbildungen für Absturzsicherungen in Europa, so Suter.

Mit dem Bau von 400 zusätzlichen Parkplätzen bietet das Campus-Gelände ab vergangenem Februar mittels neuer Tiefgarage Platz für rund 1100 weitere Fahrzeuge. Man lege aber auch grossen Wert auf die Anbindung an den Öffentlichen Verkehr, erklärt Suter. Von und nach dem Bahnhof Sursee verkehrt der Bus neu während der Woche im 30-Minuten-, am Wochenende im Stundentakt.

Neue Kunden und mehr Ertrag

Des Weiteren ist seit März die grösste Schwimmsport-Arena der Schweiz und die Dreifachturnhalle offen. Die Investitionen für die Campus Sursee Sportarena beliefen sich auf rund 60 Millionen Franken. Der Betrieb sei grundsätzlich gut angelaufen, sagt Suter. Mittlerweile kämen bereits elf Gemeinden zum Schulschwimmen. Die Bewohner der Kommunen Mauensee, Oberkirch, Schenkon, Sursee und Wauwil können auf den jeweiligen Gemeindeverwaltungen auch verbilligte Tickets für den Eigengebrauch beziehen. «Bei der Zahl der freien Besucher liegen wir aber noch hinter unseren Erwartungen zurück», erklärt Suter. Dank der Umsetzung des Masterplans gelang es dem Campus neue Kunden und damit einhergehend auch zusätzlichen Ertrag zu generieren. «Diesen haben wir grösstenteils wieder reinvestiert», so der Direktor. Unter seiner Ägide konnte das Unternehmen den Umsatz von 31 auf 43 Millionen Franken steigern. Das betriebliche Ergebnis vor Abschreibungen, Wertberichtigungen, Finanzerfolg und Steuern belief sich im Geschäftsjahr 2018/19 auf 9,277 Millionen Franken. Momentan beschäftigt der Campus Sursee rund 300 Mitarbeitende. Das sind knapp 200 Vollzeitstellen. Wobei der Personalbestand in den letzten Jahren recht stabil blieb – trotz der erwähnten Umsatzsteigerung. Das sei aufgrund gesteigerter Produktivität und engagierten und motivierten Mitarbeitenden möglich gewesen, sagt Daniel Suter.

Im Juni wurde der Campus Sursee mit dem Esprix Award for Excellence 2019 ausgezeichnet. Der Oscar der Schweizer Wirtschaft wird für besondere Organisationsleistungen verliehen. «Der Award wird unsere Vorbildfunktion in der Bauwirtschaft und das Image als Ganzes stärken», ist Suter überzeugt.

Im Oktober überreichte das Bundesamt für Energie dem Campus Sursee zudem das Zertifikat «2000-Watt-Areal». Seit 2016 beheizt das Unternehmen sämtliche Gebäude im Rahmen eines eigenen Holzwärmeverbunds vollumfänglich CO2-neutral. Beim letzten Meilenstein von «Campus.22» handelt es sich nun um einen Ersatzneubau für den altehrwürdigen Hallenbad- und Turnhallen-Komplex. Geplant ist ein Multifunktionspavillon bei der Rezeption.

Betrugen die aufgeschobenen Sanierungen dereinst 36 Millionen Franken, belaufen sich die Investitionen gemäss Masterplan «Campus.22» letztlich auf 136 Millionen. Wobei der Campus-Direktor erklärt:

«Bei unserer Unternehmensstrategie legen wir den Fokus nicht ausschliesslich auf das Errichten von Neubauten.»

Zentral sei, einen Mehrwert für die diversen Anspruchsgruppen und für künftige Generationen zu generieren.

Nicht auf Vorrat Flächen einzonen

Und welche Zukunftsperspektiven gibt sich der Campus Sursee? «Bei einem nächsten Masterplan dürfte die Gebäudesanierung mit ein Bestandteil von diesem sein», glaubt Direktor Suter. Davon wird Suter nicht mehr tangiert. Per 31. Juli 2020 tritt er von der operativen Leitung zurück und lässt sich pensionieren.

Es sei nicht die Idee, nur des Wachstums wegen zu wachsen, betont Suter. Und man werde auch nicht auf Vorrat Flächen einzonen. In dem Zusammenhang wurde die Mitwirkung zur Teilzonenplanänderung Campus Sursee seitens Gemeinde Oberkirch eben abgeschlossen.

Die Stiftung beantragt, eine Fläche im Gebiet Chäsweid der Priorität A zuzuordnen. Dort sollen im Erdgeschoss eine Mehrzweckhalle und im Obergeschoss Schulräume entstehen. Der Hallenboden wird diverse Nutzungen ermöglichen – und zwar von Berufsausbildungen über Ausstellungen bis hin zu Sportveranstaltungen.