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Sie pflegt die wilden Ecken der Stadt Luzern

Weniger Blumenbeete, dafür mehr Wildnis: Die Stadt Luzern will Tieren und Pflanzen mehr Lebensräume bieten. Inzwischen werden über 40 Prozent des öffentlichen Grüns naturnah gestaltet.
Stephie Burkart von der Stadtluzerner Fachstelle Natur- und Landschaftsschutz beim Kloster Wesemlin. (Bild: Nadia Schärli, 16. Mai 2019)

Stephie Burkart von der Stadtluzerner Fachstelle Natur- und Landschaftsschutz beim Kloster Wesemlin. (Bild: Nadia Schärli, 16. Mai 2019)

Die Stadt Luzern hat sich herausgeputzt. Auf öffentlichen Plätzen, entlang von Strassen oder auf Kreiseln blühen sie wieder, die Blumen, welche jeweils pünktlich zur warmen Jahreszeit gepflanzt werden. Für die Einheimischen und die Touristen. Immer öfter aber trifft man in Luzern auch auf verwilderte Ecken. Hier herrscht auf den ersten Blick Unordnung; die Stadt zeigt ihre wilde Seite. Für die Tiere. Ganz bewusst, im Rahmen des Projekts Stadtwildtiere, an dem sich mehrere Schweizer Städte beteiligen.

Mit diesen wilden Ecken will die Stadt heimische Tier- und Pflanzenarten fördern. Inzwischen werden über 40 Prozent des öffentlichen Grüns naturnah pflegt und gestaltet. Wie gross der Aufwand ist, die naturnahen Lebensräume zu erhalten, kann die Stadt nicht beziffern. Klar ist aber, dass eine Vielzahl tierischer Bewohner profitiert: 40 der 90 Säugetierarten und rund die Hälfte aller Reptilien und Amphibienarten, die in der Schweiz vorkommen, besiedeln das Stadtgebiet. Viele von ihnen sind bedroht oder leiden darunter, dass ihre Lebensräume verschwinden. Darunter etwa der Igel oder die Wildbienen (siehe Box am Ende des Textes).

Die naturnahen Lebensräume mitten im Siedlungsgebiet mögen etwas unordentlich aussehen. Doch dies sei oftmals ein Qualitätsmerkmal für einen vielfältigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sagt Stefan Herfort, Bereichsleiter Natur- und Landschaftsschutz bei der Stadt Luzern:

«Damit solche Wildnisräume entstehen können, muss der Mensch einen Schritt zurücktreten und der Natur mehr Spielräume lassen.»

Manchmal sei auch etwas Toleranz gefragt, wenn die Natur ihre eigenen Wege geht. Ein gutes Beispiel für die wilden Ecken befindet sich am südlichen Ende des Kapuzinerweges im Wesemlin-Quartier. Dort wurde vor kurzem eine Natursteinmauer restauriert. Die alten, übrig gebliebenen Sandsteine liegen nun am Fuss der Mauer und bieten den Mauereidechsen einen Unterschlupf. Auch ein toter Baum wurde nicht, wie früher üblich, ganz entfernt. Er wurde lediglich verkürzt, damit er kein Sicherheitsrisiko mehr darstellt. Der zirka 2 Meter hohe Baumstamm bietet Lebensraum für Tiere aller Art wie Vögel, Fledermäuse oder Insekten. Weiter sind Brennnesseln zu finden. Diese sind zwar bei Menschen nicht sonderlich beliebt, für zahlreiche Schmetterlinge wie den Kleinen Fuchs oder das Tagpfauenauge aber überlebenswichtig.

Mit der Aktion «Kleine Stadtwildnis» wollen Herfort und sein Team noch mehr solcher wilden Ecken schaffen. Sie rufen die Bevölkerung auf, Lebensräume zu bewahren und zu fördern. Schon kleine Gesten würden helfen, sagt Stephie Burkart, die für die Aktion verantwortlich ist. «Es reicht, wenn man einen Teil des Gartens der Natur überlässt und weniger stark eingreift.» Dabei gelte es etwa, auf den Einsatz von Giften zu verzichten.

Pflegen ist aufwendiger als Mähen

Das Erhalten solcher wilden Ecken im eigenen Garten ist allerdings mit einem gewissen Aufwand verbunden. «Es braucht mehr Wissen, einen etwas wilden Garten zu pflegen, als einen Rasen zu mähen», sagt Burkart.

Ein quantitatives Ziel für die Errichtung neuer Lebensräume auf privaten Grundstücken hat sich die Stadt nicht gesetzt. Primär geht es darum, die Bevölkerung zu sensibilisieren und zu motivieren. Das Projekt Stadtwildtiere will solche Orte und ihren Wert für die Biodiversität sichtbar machen. Dazu wurde auch die Website www.luzern.stadtwildtiere.ch aufgeschaltet. Dort können Bewohner entdeckte wilde Ecken und Begegnungen mit tierischen Stadtbewohnern wie Marder, Dachs, Reh oder Blindschleiche festhalten. «Wenn wir die Bevölkerung mit diesem Projekt sensibilisieren können, ist schon viel erreicht», sagt Stefan Herfort. «Es wäre ein hehres Ziel, das Artensterben stoppen zu wollen.»

Igel verliert seinen Lebensraum

Der Igel ist in der Stadt Luzern immer seltener anzutreffen. Inzwischen sind nach Angaben der Stadt «einige Gebiete igelfrei». Die kleinen Säugetiere leiden unter dem fortschreitenden Verlust naturbelassener Grünflächen und unter der Zerschneidung ihres Lebensraums. Neben kleinen Hindernissen wie Mauern und Zäunen sind vor allem Strassen für Igel gefährlich. Die Tiere werden oft überfahren.

Ebenfalls gefährdet sind die Wildbienen. Anders als die Honigbienen leben sie solitär und bauen ihre Nester beispielsweise in unberührten Zwischenräumen von Pflastersteinen. Der Hauptgrund für die Gefährdung der Wildbienen ist der Verlust an geeigneten Nistplätzen und Nahrungspflanzen. Sie sind jedoch für die Menschen unverzichtbar, weil sie die wichtigsten Bestäuber von Kultur- und Wildpflanzen sind. Wildbienen sind sehr friedliebend und stechen nur selten.

Dieser Text ist im Rahmen einer Projektwoche am Kollegium St. Fidelis Stans in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung entstanden. Autorinnen: Annabelle Dick, Nina Bieri, Leonie Achermann, Lea Zwissig

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