«Eine schmerzhafte Entscheidung»: Winteruniversiade in der Zentralschweiz findet im Januar 2021 nicht statt

An der Winteruniversiade 2021 hätten sich in der Innerschweiz Sportler aus 50 Ländern in zehn Disziplinen gemessen. Aufgrund des Coronavirus' fällt die Veranstaltung dieses Jahr aus. Eine Verlegung steht noch offen.

Laura Inderbitzin und Pablo Mathis
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Das Maskottchen Wuli kommt im Januar 2021 nicht zum Einsatz.

Das Maskottchen Wuli kommt im Januar 2021 nicht zum Einsatz.

Bild: PD

Die Luft wurde immer dünner für die Winteruniversiade in der Zentralschweiz und jetzt schliesslich zu dünn: Nachdem bereits reihenweise Grossanlässe vom kommenden Jahr abgesagt wurden, musste auch die Universiade vor dem Coronavirus kapitulieren. «Nach über vier Jahren Vorbereitung ist es eine schmerzhafte Entscheidung, aber am Ende doch eine einfache. Die Gesundheit aller Teilnehmenden hatte bei unseren Evaluationen stets oberste Priorität», sagt Guido Graf, Präsident des Organisationskomitees und Luzerner Gesundheitsdirektor. Leider sei nicht in Aussicht gestellt, dass sich in den kommenden Monaten viel an der epidemiologischen Lage etwas ändern werde.

Insgesamt hätten 1600 Sportler im Januar 2021 zum zweitgrössten Multisport-Event der Welt pilgern sollen. Bis auf Biathlon und Ski-Orientierungslauf, die auf der Lenzerheide hätten durchgeführt werden sollen, hätte die Winteruniversiade in der Zentralschweiz stattgefunden. Auf dem Stoos war Ski Alpin geplant, in Andermatt Langlauf, in Engelberg Curling, Freestyle Skiing und Snowboard, in Zug und Sursee Eishockey und in Luzern Eiskunstlauf und Short Track. In der ganzen Zentralschweiz wurden zudem 500 Medienschaffende und 3800 Volunteers erwartet.

«Die Absage stellt auch für die Hotelbranche der Stadt Luzern einen herben Schlag dar», sagt Urs Hunkeler, Geschäftsführer der Winteruniversiade 2021. Als Host City hätten nämlich alle Delegationen, mit Ausnahme derer in Andermatt und Lenzerheide, in der Stadt Luzern Unterkünfte bezogen. Weiter sollten die Eröffnungs-, Medaillen- und Schlussfeiern auf dem Europaplatz stattfinden. Dazu hätte vor dem KKL ein Universiade-Park errichtet werden sollen.

Klappt es mit einer Verschiebung auf 2023?

«Die Absage war allerdings alternativlos, die Gesundheit geht vor», betont Peter Föhn. Föhn ist OK-Präsident des Organisationskomitees auf dem Stoos. Neben der epidemiologischen Lage waren insbesondere die Einreisebeschränkungen ein zu grosses Hindernis. Gemäss derzeitigem Stand hätten schon 40 Prozent der Teilnehmenden nicht in die Schweiz einreisen dürfen. Betroffen wären unter anderem grosse Delegationen wie die USA, Russland oder China, teilten der internationale Hochschulsportverband Fisu, das OK und Swiss University Sports am Montag mit. Was sie jedoch nicht mitteilten, ist ein Verschiebedatum. Eine mögliche Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt wird nun erst geprüft.

Wie realisierbar dies wegen des sowieso schon gedrängten Kalenders und wegen des bis anhin fehlenden Entgegenkommens von Lake Placid (Austragungsort der Universiade 2023) ist, bleibt unklar. «Ich hoffe zutiefst auf eine Verschiebung», sagt Föhn aber, «und zwar innerhalb der nächsten drei Jahre. Sonst kann ich mein Amt als Ok-Präsident nicht mehr machen. Ich möchte mich nicht für so lange verpflichten und ‹mä isch au nümmä 20i›.»

Für den Muotathaler wäre eine Verschiebung auf Januar 2023 und gleichzeitiges Nachrutschen von Lake Placid auf 2025 am sinnvollsten – so wie es bei jedem Schwingfest geklappt habe. «Aber bislang gestaltet sich das in diesem Fall schwierig», bedauert er.

Ein Jahr vorher, im Winter 2022, käme es derweil höchstwahrscheinlich zu einer Terminkollision mit den Olympischen Winterspielen. Föhn erwartet bis Ende Oktober den Entscheid. Eine definitive Absage wäre vor allem für die Region und die Helfer schade, sagt der frühere Ständerat Föhn. «Dieses Engagement darf nicht verloren gehen.»

Verschiebung führt zu Mehrkosten

Nebst epidemiologischer Überlegungen spielen auch die finanziellen Möglichkeiten bei einer Verschiebung eine Rolle. «Momentan prüfen wir mit unseren Geldgebern und Sponsoren, ob eine Zusammenarbeit auch in Zukunft möglich ist», sagt Urs Hunkeler, Geschäftsführer der Winteruniversiade 2021. Das Budget für den Grossanlass beläuft sich auf 39 Millionen Franken. Nebst Sponsoren erhält das OK auch Gelder vom Bund, den jeweiligen Kantonen und der Stadt Luzern. Zu den finanziellen Auswirkungen der Nichtdurchführung im Januar 2021 konnte Hunkeler keine Angaben machen. Die Verschiebung führe aber zu noch nicht bezifferbaren Mehrkosten, sagte er. Bis heute sei knapp ein Drittel der budgetierten Gelder verbraucht worden.

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