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Verdorbene Ware in Luzerner Restaurant: Die Zahl der Keime sprengte die Messskala

In einer Luzerner Stadtbeiz ist die Lebensmittelkontrolle auf Produkte gestossen, die längst verdorben waren. Der Verantwortliche muss eine hohe Busse zahlen – kommt damit allerdings noch mit einem blauen Auge davon.
Lena Berger/Thomas Heer
Verdorbenes Essen im Kühlschrank: Das Luzerner Restaurant musste eine Busse zahlen. (Symbolbild: Getty)

Verdorbenes Essen im Kühlschrank: Das Luzerner Restaurant musste eine Busse zahlen. (Symbolbild: Getty)

Sechs Produkte aus der Küche eines Stadtluzerner Restaurant hat die Lebensmittelkontrolle im Februar letzten Jahres untersucht – und in vier der erhobenen Proben teils massive Überschreitungen der Richtwerte festgestellt. Konkret ging es um sogenannte Enterobakterien, zu denen unter anderem auch Salmonellen und bestimmte Kolibakterien gehören. Diese Bakterien – die unter Umständen Infektionen und Durchfälle auslösen können – sind hitzeempfindlich. In gekochten Produkten sollten sie also nicht mehr vorkommen. Anders war es in dem besagten Restaurant: In der Kürbissuppe wurde der Richtwert 39-fach überschritten, in den Salzkartoffeln um das 91-fache. Im Reis waren gar 370-mal mehr Bakterien drin, als zu erwarten gewesen wäre. Am schlimmsten jedoch stand es um den Schinken, dessen Wert «mindestens» 490-fach über dem Grenzwert lag.

«Das Resultat überschritt den Messbereich»,

heisst es in dem entsprechenden Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Luzern, der Anfang Januar rechtskräftig geworden ist.

Im Schinken wurde zusätzlich der Richtwert für aerobe mesophile Keime um das 10-fache überschritten. Dies deutet in der Regel auf eine mangelhafte Verarbeitung oder Umgebungshygiene hin, wie aus einem Merkblatt der Luzerner Lebensmittelkontrolle hervorgeht.

War das Essen für die Mitarbeiter bestimmt?

Auf Nachfrage heisst es in dem betroffenen Restaurant, Mitarbeitende hätten das beanstandete Essen für sich selber in den Kühlschrank gestellt. Es wäre den Gästen «nie und nimmer» serviert worden. Vor einer Busse bewahrt, hat das den Küchenchef nicht. Denn verdorbene Ware kann andere Nahrungsmittel kontaminieren. Wäre das Essen im Teller der Gäste gelandet, wäre die Strafe aber deutlich höher ausgefallen. Gemäss Silvio Arpagaus, Leiter der Luzerner Lebensmittelkontrolle, muss ein Restaurant seinen Betrieb einstellen, wenn die Gesundheit der Gäste gefährdet ist. Erst wenn dafür gesorgt sei, dass die lebensmittelrechtlichen Anforderungen wieder erfüllt und die hygienischen Mängel behoben sind, dürfe es seinen Betrieb wieder aufnehmen. «Wenn es die Situation erfordert, kommen wir gleich am nächsten Tag wieder vor Ort und führen eine Nachkontrolle durch.»

In gravierenden Fällen werde – wie vorliegend – eine Strafanzeige eingereicht. Üblicherweise mache die Lebensmittelkontrolle alle zwei Jahre eine unangekündigte Kontrolle in einem Restaurant. «Stellen wir gröbere Verstösse fest, kommen wir häufiger – dann kann es sein, dass uns die Betreiber bereits nach einigen Wochen wieder sehen.»

Von rund 2000 Restaurants im Kanton Luzern sind im Jahr 2017 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – fast 800 inspiziert worden. Bei 65 wurde ein erhöhtes Risiko festgestellt. Bei zweien davon bestand gemäss Jahresbericht ein grosses Risiko infolge der festgestellten Verstösse gegen das Lebensmittelgesetz.

Die Staatsanwaltschaft hat die Strafen angehoben

Von den meisten Fällen erfährt die Öffentlichkeit allerdings nichts. Der Kantonsrat hat einen Vorstoss, der dies ändern sollte, im Mai 2017 abgelehnt. Einen gröberen Fall, wo in einem Restaurant verschimmelte Lebensmittel gefunden wurden, machte die «Luzerner Zeitung» damals publik. Der Verantwortliche hatte nicht das erste Mal gegen das Lebensmittelgesetz verstossen – und wurde zu einer Busse von 2500 Franken verurteilt.

Im aktuellen Fall ist der Staatsanwaltschaft kein relevanter Wiederholungsfall bekannt. Warum liegt die Busse dann trotzdem höher? Die Staatsanwaltschaft Luzern teilt auf Nachfrage mit, dass jeder Fall individuell beurteilt werde – und sie zudem die Strafen für Widerhandlungen gegen die Lebensmittel- und Hygienegesetzgebung in der Tendenz angehoben habe.

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