Die Zahl der Modelabels am «Design schenken» in Emmenbrücke steigt stark an

Am Freitag haben die Luzerner Designtage in der Viscosistadt begonnen. Auffällig ist, dass dieses Jahr besonders viele Modelabels vertreten sind. Doch geht es den Designerinnen und Designern selten «nur» um Mode.

Larissa Haas
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Impressionen der Luzerner Designtage.
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Impressionen der Luzerner Designtage.
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Impressionen der Luzerner Designtage.

Impressionen der Luzerner Designtage.

Philipp Schmidli, 6. Dezember 2019

Der Blick auf die Ausstellerliste der diesjährigen Luzerner Designtage dürfte die eingefleischten Besucher überrascht haben: Die Liste der Teilnehmenden ist so lang und so vielfältig wie noch nie. Nicht weniger als 130 Designerinnen und Designer präsentieren sich bis Sonntag in der Viscosistadt in Emmenbrücke. Deren Produkte kommen aus Bereichen wie Keramik, Dekoration, Mode, Möbel, Papeterie, Schmuck bis hin zu Licht, Spiel und Accessoires.

Gründerin Franziska Bründler ist begeistert: «Wir haben uns in den Jahren vom ‹Geschänklimärt› zur Designmesse weiterentwickelt.» Dieser Wandel sei weniger einer Strategie, sondern viel mehr den Räumlichkeiten geschuldet. Bründler sagt, dass sich seit dem Umzug der Designmesse vor zwei Jahren von der Luzerner Altstadt nach Emmenbrücke vermehrt Mode- und Möbeldesigner für einen Messeplatz interessieren: «Es muss sich herumgesprochen haben, dass wir nun genug Platz haben für Umkleidekabinen, Kleiderstangen oder Möbelstücke», sagt sie und fügt an:

«Vor wenigen Jahren wäre
das undenkbar gewesen.»

Nebst dieser Produktevielfalt hat sich mit den Jahren noch ein weiterer Trend abgezeichnet: Der fast schon exponentielle Anstieg von Modelabels, die an der Messe dabei sind. Konnte man die Zahl der Modedesignerinnen und Modedesigner vor zwei Jahren noch an einer Hand abzählen, stellten letztes Jahr immerhin 14 ihre Kollektionen aus. Heuer hat sich die Zahl beinahe verdoppelt.

Diese Entwicklung war der Anlass, an der diesjährigen Messe für einmal den Fokus ganz auf die Mode zu richten. Unsere Zeitung hat mit Designerinnen und Designern über ihre Kollektionen gesprochen und dabei bemerkt, dass die Mode längst nicht mehr der Mode willen existiert, sondern einen gesellschaftspolitischen Dienst erfüllen soll. Deutlich zeigt sich dies etwa im Nachhaltigkeitsgedanken, den sämtliche Designerinnen und Designer an der Messe betonen. Ob dies eine Reaktion auf die momentan so präsente grüne Welle ist, bestreitet Franziska Bründler allerdings:

«Punkto Nachhaltigkeit ist die lokale Modebranche seit jeher einen Schritt voraus. Und wir fördern diese Werte mit unserer Messe natürlich gezielt.»

Bestes Beispiel hierfür ist etwa die Jungdesignerin Lea Vogel aus Grosswangen. Sie präsentiert ihre gleichnamige Kollektion zum ersten Mal auf dem sogenannten «Newcomer Floor» – dem Abteil für aufstrebende Designerinnen und Designer. Anfang 2017 hat die studierte Modedesignerin den alten Pferdestall des Bauernhofes, auf dem sie aufgewachsen ist, zu einem Atelier umfunktioniert. Seither entwirft und näht sie dort ihre Mode, die sie selbst mit den Adjektiven «zeitlos uns schlicht» beschreibt. Sie sagt, dass sowohl Zwanzigjährige aber auch Siebzigjährige ihre Kollektionen tragen können. Viele ihrer Stücke seien zudem Unisex – für Männer und Frauen geeignet. Weiter verarbeitet die 28-Jährige ausschliesslich Bio-Stoffe aus der Schweiz oder aus Europa. Das Lieblingsstück ihrer diesjährigen Kollektion, die «intuitiv aus dem Bauch heraus» entstanden sei, ist die nachtblaue Jacke «haim» mit passender Hose «alva» aus 100 Prozent Wolle. «Diese Kombination ist klassisch und passt zu jedem Anlass.»

Bio soll Standard sein

Eine ähnliche Philosophie verfolgt auch Julia Kreienbühl mit ihrem Kinderkleiderlabel «little indi». Sie sagt: «Ich verstehe nicht, wieso Bio noch speziell deklariert werden muss.» Und weiter: «Bio sollte doch einfach zur Normalität werden.» Fast zwei Jahre habe es gedauert, bis die Textildesignerin aus Sursee eine Manufaktur gefunden hat, die nicht nur ihre Entwürfe so produziert, wie sie es sich vorstellt, sondern dies auch mit ihren Werten und ethischen Prinzipien tut. Zudem kehre auch sie der Massenproduktionen bewusst den Rücken, indem ihre Kollektionen nur eine limitierte Zahl von Kleidern enthalten: «Es gibt immer so viele Artikel, wie ich Stoff kreiere.»

Auch Feminismus ist ein Thema

Neben der Nachhaltigkeit gibt es ein zweites Thema, das sich bei den Ausstellerinnen und Ausstellern immer wieder aufdrängt: die starke Frau.
Deutlich wird dies etwa beim Damenunterwäschelabel «moya kala» von Claudine Tanner aus Sarnen. Tanner versteht sich als Initiantin einer «Bewegung, die sich für die Würde der Frau einsetzt». Dieser Anspruch äussert sich in vielen Aspekten: «Wir kaufen umweltfreundliche Materialien, bei denen Frauen sicherlich nicht mit giftigen Chemikalien in Berührung kommen. Zudem setzen wir uns für faire Löhne und Arbeitsbedingungen ein.»

Gutes möchte Tanner mit ihrer Lingerie aber auch bei der Trägerin bewirken: Sie beschreibt die aktuelle Kollektion als «puristisch, minimalistisch, aber nie romantisch oder aufreizend». Damit stehe sie für das weibliche Selbstwertgefühl und die Stärkung der Frau ein. Diese Idee zeigt sich etwa auch in den Bildern, mit denen sie ihre Produkte vermarktet: «Wir lichten Frauen mit jeglichem Aussehen ab und verzichten ganz auf Bildbearbeitung.»

Ein Anglo-Zürcher sticht heraus

Jemand, der mit seinem Label ganz dieser Idee entsprechen dürfte, ist Adam Brody aus Zürich. Die Kollektion des gebürtigen Engländers, der in London Modedesign studiert hat, sticht am «Design schenken» aus mehreren Gründen heraus: Erstens ist Brody einer der wenigen Männer, die ihre Mode hier ausstellen. Zudem ist er der einzige, der Damenmode produziert. Aber damit nicht genug: Seit 18 Jahren designt er bewusst und ausschliesslich nur «Plus Size»-Mode, also Stücke in grossen Grössen.

«Ich wollte mit diesem Schritt eine grosse Marktlücke schliessen», sagt Brody und betont, dass es sich hierbei nach wie vor um ein Nischenprodukt handle. Wenn er seine Mode beschreibt, redet er von Sinnlichkeit und Magie. Dann kommt er auf denselben Kerngedanken wie Tanner zurück: «Die Frau muss sich lieben, wenn sie sich im Spiegel betrachtet.» Und schliesslich betont er etwas, das alle Modedesignerinnen und Modedesigner in der Viscosistadt gemeinsam haben dürften: «Ich möchte mit meiner Mode etwas bewirken.»