Die Zahl der Velofahrer in der Stadt Luzern nimmt zu

Am Schweizerhofquai werden immer mehr Zweiräder registriert. Eine Rolle könnte der E-Bike-Boom spielen.

Stefan Dähler
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Der Velozähler am Schweizerhofquai

Der Velozähler am Schweizerhofquai

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 17. März 2020)

In der Stadt Luzern sind offenbar immer mehr Velos unterwegs. Das legen zumindest die Messwerte der Velozählstation am Schweizerhofquai nahe. Diese erfasste im letzten Jahr 1,75 Millionen Velos, wie es bei der Stadt auf Anfrage heisst. Im Vorjahr waren es noch 1,5 Millionen. 2012, im ersten vollen Betriebsjahr der Zählstation, wurden 1,3 Millionen Velos registriert. Hier die Entwicklung der letzten Jahre:

Anzahl Velos am Schweizerhofquai pro Jahr

in Millionen
2012 1,29
2013 1,23
2014 1,33
2015 1,41
2016 1,36
2017 1,41
2018 1,5
2019 1,75

Ein geringfügiger Faktor für die starke Zunahme im Jahr 2019 sei zwar auch, dass man am Schweizerhof eine neue Hardware installiert habe, die weniger störungsanfällig sei, sagt Martin Luternauer, Projektleiter Verkehrssteuerung im städtischen Tiefbauamt. Er fügt an:

«Der Trend ist aber generell steigend, auch bei den anderen Zählstationen.»

Insgesamt unterhält die Stadt in Luzern zwölf Stationen; neben jener am Schweizerhofquai auch an der Langensandbrücke, Taubenhausstrasse, Bleicherstrasse, Löwenplatz, Baselstrasse, Inseliquai, Haldenstrasse, Dammstrasse, Neustadtstrasse, Arsenalstrasse und Kleinmatt – wobei jene beim Schweizerhof die mit Abstand am stärksten frequentierte ist.

So werden Velos gezählt

Der Velozähler am Schweizerhofquai erfasst nicht nur jene Zweiräder, die direkt dort vorbeifahren. Sondern sämtliche Velos auf allen Spuren in beide Fahrtrichtungen. «Das funktioniert mittels Induktionsschlaufen im Strassenbelag», erklärt Martin Luternauer, Projektleiter Verkehrssteuerung im Stadtluzerner Tiefbauamt. Bei Überfahrt der Induktionsschlaufe wird das magnetische Feld der Schleife verändert. Anhand der Veränderung erkennt der Zähler, um welches Gefährt es sich handelt: Ein Velo beeinflusst das Feld weniger als ein Töff oder Auto. «Es gibt aber gewisse Ungenauigkeiten», sagt Luternauer. So könne es sein, dass auch kleine Töffs als Velos erfasst werden, umgekehrt werden Velos mit Anhänger nicht mitgezählt.

Warmes Wetter spielt wichtige Rolle

Ein wichtiger Grund für die Zunahme dürfte das generell trockene und warme Wetter der letzten Jahre sein, sagt Martin Urwyler, Leiter Mobilität beim Tiefbauamt. «Denkbar ist auch, dass die Massnahmen für Veloförderung einen Einfluss haben, wobei das nicht genau messbar ist.» Die Zahlen etwa beim Freigleis – eines der wichtigsten Veloprojekte der letzten Jahre – seien eindrücklich. Im ersten Betriebsmonat, dem Juni 2017, seien 54'000 Fahrten gezählt worden, im September 2019 rund 135'000. «Weiter dürften auch die E-Bikes eine Rolle bei der Zunahme spielen. Dadurch sind viele Leute, die zuvor nicht mit dem Velo unterwegs waren, umgestiegen.»

Wie viele Velofahrten insgesamt in der Stadt Luzern unternommen werden und ob ihr Anteil gegenüber dem Auto- oder dem Busverkehr steigt, wird alle fünf Jahre schweizweit durch den Mikrozensus Mobilität und Verkehr erhoben, sagt Urwyler. Die letzte Erhebung fand 2015 statt. In diesem Jahr folgt die nächste, deren Resultate voraussichtlich 2021 oder 2022 veröffentlicht werden.

Anteil Velos soll verdoppelt werden

2015 machten die mit dem Velo in der Stadt Luzern zurückgelegten Distanzen 5 Prozent aus. An der Spitze lag der motorisierte Individualverkehr mit 47 Prozent, danach folgten der ÖV mit 32, der Fussverkehr mit 13 und am Ende übrige Verkehrsmittel wie Taxis, Cars oder auch Skateboards mit 3 Prozent. Ziel der städtischen Mobilitätsstrategie ist, den Anteil der Velos bis ins Jahr 2035 auf 10 Prozent zu verdoppeln.

Dazu sind noch zahlreiche Massnahmen nötig. Grosse Vorhaben sind etwa der Velotunnel beim Bahnhof oder die unterirdische Parkierung bei der Bahnhofstrasse. Für beides hat das Stimmvolk letztes Jahr Projektierungskredite genehmigt. «Ein weiteres grosses Projekt, das derzeit vorbereitet wird, ist die Veloverbindung zwischen Neustadt- und Zentralstrasse entlang der Gleise», sagt Urwyler. «Diese würde es ermöglichen, den Bundesplatz zu umfahren.» Das Projekt ist aber gekoppelt an die dort geplante Überbauung, die derzeit wegen Einsprachen blockiert ist. Weiter plant die Stadt neue Querungen zwischen dem Hirschmatt- und Bruchquartier im Rahmen der Sanierung des Pilatusplatzes.