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«Die Zeitung soll Halt geben und hilfreich sein»

Rainer Rickenbach (58)
Rainer Rickenbach (Bild: Dominik Wunderli)

Rainer Rickenbach (Bild: Dominik Wunderli)

Rainer Rickenbach (58) ist bald 30 Jahre im Zentralschweizer Journalismus tätig. Der Weg von Rickenbach führte vom «Boten der Urschweiz» über das «Luzerner Tagblatt» zur LNN und dann zur «Neuen Luzerner Zeitung». Rickenbach ist in Merlischachen aufgewachsen und treuer FCL-Anhänger.

Rainer Rickenbach, als Sie vor 28 Jahren in den Journalismus einstiegen, wurden die Texte für die Zeitung noch auf der Schreibmaschine und auf Manuskriptpapier geschrieben. Vermissen Sie das?

Rainer Rickenbach:Ich erinnere mich an eine sehr, sehr laute Schreibmaschine und an total verrauchte Büros. Damals durfte man am Arbeitsplatz rauchen. In dieser Zeit war die Redaktion in erster Linie von den Ereignissen getrieben, heute wird mehr geplant. Ich vermisse etwas, dass wir Journalisten heute nicht mehr so oft aus der Redaktion kommen, wir waren früher näher bei den Leuten. Wenn ein Journalist eine Veranstaltung oder Versammlung besucht und sich danach unter die Teilnehmer mischt, knüpft er Kontakte und vernimmt im inoffiziellen Teil viele interessante Geschichten.

Wie kamen Sie zum Journalismus?

Rickenbach: In den 1980er-Jahren habe ich nach dem Lehrerseminar in Schwyz als Primarlehrer gearbeitet. In der Freizeit war ich Fussball-Berichterstatter des SC Schwyz. Eines Tages klopfte es an der Schulzimmertür, und Fidé Fässler, der als Trainer mit dem FC Ibach soeben in die Nationalliga B aufgestiegen war, sagte, er wolle mich als Match-Berichterstatter beim FC Ibach haben. Ich sagte zu. Eine journalistische Karriere hatte ich eigentlich nicht ins Auge gefasst. Ich bin da reingerutscht, begann später beim «Boten der Urschweiz» zu arbeiten und betreute dort die Küssnachter Seite. Danach habe ich für das «Luzerner Tagblatt», die LNN und die «Neue Luzerner Zeitung» zwanzig Jahre lang die Gemeinde- und Kantonspolitik betreut, und seit acht Jahren arbeite ich im Wirtschaftsressort.

Sie haben damals auch die Fusion der LNN mit der «Luzerner Zeitung» miterlebt. Erzählen Sie.

Rickenbach: Von drei auf zwei auf eine Zeitung in Luzern – das war sehr schmerzlich. Damals war die Schnelligkeit in der journalistischen Arbeit wichtig, weil man jeden Morgen bei der Konkurrenz nachblätterte, um nachzuschauen, was die anderen alles hatten und was in der eigenen Zeitung fehlte. Mit dem Verschwinden von «Vaterland» und «Tagblatt» ging ein Stück Luzerner Tradition verloren.

Genügt eine Tageszeitung in der Zentralschweiz?

Rickenbach: Es geht wohl gar nicht anders, die Zentralschweiz ist als Wirtschaftsraum zu klein für mehr als eine gedruckte Tageszeitung. Also ist es müssig, sich darüber Gedanken zu machen. Was die Meinungsvielfalt angeht, bieten die Neuen Medien Möglichkeiten. Es besteht aber die Gefahr, dass man sich im Internet seine eigene Welt schafft und sich nur noch in seine Interessen vertieft. Für die Zeitung kam darum eine neue Aufgabe hinzu: Sie bietet in dieser Informationsflut eine Orientierung.

Ihr aufregendster Tag in 28 Jahren Journalismus?

Rickenbach: Das war der 11. September 2001! An diesem Tag war ich mit dem redaktionellen Spätdienst betraut, der in der Regel bis 23 Uhr dauert. Als am Nachmittag die erste dürre Meldung mit zwei Zeilen über den Agenturticker ratterte, ging ich davon aus, dass in New York ein Touristen-Helikopter in ein Hochhaus geknallt war. Es stellte sich dann aber als grösster Terrorakt ever heraus, und wir aktualisierten hektisch die Zeitungsseiten bis nachts um 1 Uhr. Aus einem ersten Artikel wurden bis Mitternacht dann etwa acht Seiten.

Welches war die schönste Zeitungsgeschichte?

Rickenbach: In den 1990er-Jahren war das Lädeli-Sterben ein grosses Thema. Ich entdeckte eine kleine Meldung aus der Region Willisau, in der stand, dass ein Grosslieferant mehrere hundert kleine Läden in der ganzen Schweiz abrupt nicht mehr beliefern wolle. Wir gingen der Sache nach, und sie entwickelte sich zu einer Sommergeschichte, die danach auf allen Deutschschweizer Kanälen lief. Denn diese ursprünglich kleine Meldung bedrohte die Existenz zahlreicher kleiner Läden. Der Grosslieferant entschuldigte sich, verlängerte die Lieferfrist, und andere Lieferanten kamen später zu Hilfe.

Ihre peinlichste Anekdote?

Rickenbach: Einmal haben wir einen Gemeinderat in einem Streichelzoo abgebildet, neben ihm stand eine Geiss. Aus lauter Gewohnheit hiess es in der Bilderklärung: «Gemeinderat Soundso, links auf dem Bild» ...

Was macht einen guten Journalisten aus?

Rickenbach: Seriosität, Genauigkeit, die Offenheit für verschiedene Meinungen.

Ihr Rezept, dass die Menschen wieder mehr die Zeitung kaufen?

Rickenbach: Es ist ja nicht so, dass es zu wenig Informationen gibt. Die Tageszeitung soll die Informationen geordnet anbieten, Orientierung bieten, Halt geben, hilfreich sein.

Der Beruf Journalist ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Können Sie zwischendurch mal abschalten?

Rickenbach: Heute schon, früher fiel das schwerer. Heute kommt mir auch die Erfahrung zugute, man erschrickt nicht so schnell, wenn etwas geschieht. Das Abschalten muss man bewusst angehen: regelmässig ins Fitnesscenter gehen, einmal in der Woche im Schlagerchor mitsingen, öfter die Stammbeiz besuchen. Ich verbringe jeweils im Winter längere Ferien auf der südthailändischen Insel Phuket. Und ich bin seit Kindsbeinen an FCL-Fan, habe eine Saisonkarte. Auch wenn ich finde, dass die Heimstärke im Vergleich mit früheren Zeiten ein bisschen verloren gegangen ist: Der FCL ist ein Bestandteil von Luzern, die Spiele sind ein Ereignis, das über den Fussball hinausgeht.

Interview Turi Bucher

Serie: Weitere Interviews finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/autoren

Die Menschen hinter den News

Rainer Rickenbach

Funktion: Wirtschaftsredaktor Alter: 58 Jahre

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