Die ZHB Luzern erstrahlt in neuem Glanz
Reportage

Die ZHB Luzern erstrahlt in neuem Glanz

Die Sanierung der Zentral- und Hochschulbibliothek in Luzern ist abgeschlossen. Nun ist sie wieder offen – inklusive neuer Freihandbibliothek.

Beatrice Vogel
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Noch riecht es ganz neu in den Sälen. Gleichzeitig herrscht eine feierlich-erhabene Stimmung inmitten der Bücher in diesem historischen Gebäude. Die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) ist nach zweijähriger Renovationszeit fertig saniert. Am Dienstagabend wurde sie offiziell von den Regierungsräten Marcel Schwerzmann (parteilos) und Reto Wyss (CVP) eröffnet, ab Mittwoch, 11. Dezember, ist sie für die Bevölkerung wieder zugänglich.

Die Medien erhielten bereits am Montag die Möglichkeit, einen Rundgang durch die sanierten Räumlichkeiten zu machen, während die letzten Bücher eingeräumt wurden. Finanzdirektor Reto Wyss betonte bei dieser Gelegenheit, dass denkmalgeschützte Gebäude nutzbar sein müssen, «mit Leben erfüllt», wie er es formulierte. Das Gebäude sei mit äusserster Sorgfalt renoviert worden: «Die Aura des Gebäudes blieb erhalten.» Gleichzeitig entspreche die Bibliothek nun den Anforderungen heutiger Nutzer. Dafür seien auch Modernisierungen wie ein barrierefreier Zugang oder digitale Ausrüstung nötig gewesen, so Wyss.

Der barrierefreie Zugang erfolgt über die Rampe beim Vögeligärtli.

Der barrierefreie Zugang erfolgt über die Rampe beim Vögeligärtli.

Bilder: Pius Amrein, Luzern, 9. Dezember 2019

Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann wies darauf hin, dass die weitere Nutzung des 1951 erbauten Gebäudes als Bibliothek nur dank dem Bau der Speicherbibliothek in Büron, wo 1,4 Millionen Bücher eingelagert sind, möglich geworden sei. Die ZHB ist für die vielen Bücher schon vor langer Zeit zu klein geworden. Die Zusammenarbeit mit anderen Bibliotheken in der Speicherbibliothek wie auch die Bestände der Luzerner Hochschulen, die in deren Räumlichkeiten untergebracht sind, mache das Angebot für die Nutzer komplett, so Schwerzmann. Daneben gibt es auch einen umfangreichen Bestand an digitalen Medien, beispielsweise E-Books.

Innenausstattung im Stil der 1950er Jahre

Der erste Eindruck beim Betreten der ZHB bestätigt: Es sieht aus wie vorher. Natürlich, war es doch eine Sanierung unter enger denkmalpflegerischer Begleitung. Auf den zweiten Blick merkt man aber doch einen Unterschied. Bei der Renovation wurde nämlich nicht der Zustand von 2017 erhalten, sondern vieles wieder originalgetreu in Stand gestellt. So verströmt die Innenausstattung wie auch das Mobiliar den Charme der 1950er Jahre. Viele Möbel sind noch original, die Neuen sind stilistisch an jenes Jahrzehnt angelehnt. Die Theke am Empfang im Katalogsaal besteht nicht mehr aus dem blauen Plexiglas-Korpus, sondern ist wieder aus Holz gefertigt.

Der Katalogsaal mit der neuen Theke.

Der Katalogsaal mit der neuen Theke.

Die Architekten Thomas Lussi und Remo Halter haben sich auch im Farbkonzept an die Entwürfe des ZHB-Erbauers Otto Dreyer gehalten: Jeder Saal ist mit einem anderen Holz verkleidet, die Farbe von Wänden und Fussböden sind darauf abgestimmt. «Wir haben ähnliche Materialien und Stile verwendet wie im ursprünglichen Bau», sagt Remo Halter. So ist der Katalogsaal in dunklem Nussbaumholz gehalten, der Boden in dunklem Linoleum und die Wände weisen einen dezenten Ockerton auf.

Katalogsaal ZHB

Laut Denkmalpflegerin Cony Grünenfelder waren die meisten Wände vor der Sanierung weiss. «Jetzt sind sogar die Storen wieder ockergelb und nehmen die Farbe des gelblichen Muschelkalks der Fassade auf», sagt Grünenfelder.

Der Lesesaal ist der am stärksten original gehaltene Raum. Weil überall der später eingelegte Spannteppich entfernt und wieder Linoleumboden eingebaut wurde, sorgt hier die wieder hergestellte graue Wandbespannung für akustische Dämpfung – und ebenso die Vorhänge, die wieder montiert wurden. Auch die Lampen wurden durch solche ersetzt, die den ursprünglich montierten nachempfunden sind.

Lesesaal ZHB

Modern sei der Lesesaal trotzdem, sagt ZHB-Direktor Rudolf Mumenthaler. Jeder Arbeitsplatz ist neu mit Strom versorgt, man kann die Plätze online reservieren und es gibt ausleihbare Laptops. Ebenso wurde die Lüftung modernisiert, die alte Deckenheizung – die oft Probleme bereitete – grösstenteils entfernt und durch Radiatoren ersetzt. Sicherheitstechnisch wurde alles auf den neusten Stand gebracht.

50'000 Bücher vor Ort und zur Selbstausleihe

Die grösste Änderung stellt die neue Freihandbibliothek dar, die im ehemaligen Magazin im Westtrakt des Gebäudes untergebracht ist. Das einstige Magazin bestand gewissermassen aus einem riesigen und begehbaren, vierstöckigen Bücherregal, dessen Böden nur 7,5 Zentimeter dick waren. «Das Magazin war wohl der erdbebengefährdetste Raum in der ganzen Stadt Luzern und durfte während der letzten Jahre vor der Sanierung nicht mehr betreten werden», sagt Remo Halter. Deshalb habe man diesen Gebäudeteil vollständig ausgehöhlt und neu gebaut.

Übernommen wurde die vierstöckige Struktur, deren Auskleidung – analog zum Farb- und Materialkonzept im restlichen Haus – in Ulmenholz gefertigt wurde. Das Holz sorgt für eine warme Atmosphäre. Um dem Raum mehr Licht zu geben, wurde im Erdgeschoss ein grösseres Fenster herausgebrochen und auf der Ostseite des Raumes eine Galerie gebaut, sodass man von unten bis in den vierten Stock blicken kann.

Beim Eingang zur Freihandbibliothek.

Beim Eingang zur Freihandbibliothek.

Auf die vier Stockwerke sind aktuell 50'000 Bücher verteilt, laut Mumenthaler die am häufigsten genutzten sowie die Neuerwerbungen. Diese Bücher können per Selbstausleihe ausgeliehen werden. Es gibt in der Freihandbibliothek auch viele zusätzliche Arbeitsplätze (in ganzen Haus sind es nun 140), bequeme Sitzecken sowie im obersten Stock reservierbare Gruppenarbeitsräume. Im Untergeschoss werden die Sondersammlungsbestände hinter einer Glaswand unterkommen. Die Glaswand dient auch als Vitrine für Ausstellungen, aktuell etwa mit Fotografien und Plänen aus der Baugeschichte der ZHB.

Führungen durch die ZHB

Die Zentral- und Hochschulbibliothek an der Sempacherstrasse 10 in Luzern ist werktags jeweils von 8 bis 18 Uhr (Sondersammlung ab 12 Uhr) und samstags von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

Bis zum 14. Dezember sowie von 16. bis 21. Dezember gibt es öffentliche Führungen mit dem Fokus «Architektur/ Denkmalpflege» jeweils um 13 Uhr (Dauer: 45 Minuten); Führungen mit dem Fokus «Benutzung» jeweils um 12 Uhr, von 11. bis 13. Dezember zusätzlich um 17 Uhr (Samstag, 14. Dezember um 15 Uhr) (Dauer: 15 Minuten). 

Neuheiten gibt es auch im östlichen Trakt der Bibliothek. Die Sondersammlung ist nun rechts des Eingangs im einstigen Vortragssaal untergebracht, der einen verspielten originalen Parkettboden aufweist. Im Obergeschoss ist jetzt die Bibliotheksverwaltung zu Hause. Neu gibt es links des Eingangs – wo einst die Sondersammlung war – ein Bistro, geführt durch das «Quai4», wo es Kaffee und Snacks auch für Nicht-Bibliotheksbesucher gibt. «Das Bistro ist ein Zeichen für die Öffnung der ZHB, schliesslich soll es kein elitärer, sondern ein belebter Ort sein», sagt Mumenthaler.

Das Bistro.

Das Bistro.

Baukosten von 20,38 Millionen Franken

Obwohl die Pläne respektive die Zustandsanalyse für die Sanierung bei Baubeginn schon über zehn Jahre alt waren, konnte das Budget eingehalten werden. Bewilligt wurde vom Kantonsrat ein Kredit von 20,05 Millionen Franken, später sprach der Regierungsrat noch einen Nachtragskredit von 330'000 Franken. Dieser war nötig, weil es wegen des budgetlosen Zustands des Kantons 2017 zur Verzögerung des Baustarts kam.

Die ZHB-Renovation hat eine aussergewöhnliche Geschichte hinter sich: Lange war es umstritten, ob das Gebäude beim Vögeligärtli saniert oder neu gebaut werden soll (siehe Chronik). «Die Stimmung war teils verbissen. Umso schöner ist es, dass wir den Bau nun einvernehmlich wiedereröffnen können», kommentiert Reto Wyss. Dies auch dank dem Volksentscheid in der Stadt Luzern von 2014, der für klare Verhältnisse sorgte.

Weitere Impressionen aus der ZHB

Die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) wurde während zwei Jahren saniert und ist ab 11. Dezember wieder geöffnet.
23 Bilder
Neu hat die Bibliothek beim Vögeligärtli einen barrierefreien Zugang über eine Rampe.
Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1951 wurde kaum verändert – eine Ausnahme ist das grosse Fenster in der Westfassade.
Und so sieht es im Innern aus.
Bei der Sanierung wurde vieles in den Originalzustand zurückversetzt, auch das Mobiliar stammt stilistisch aus den 1950er Jahren.
Der Katalogsaal: Wieder mit Linoleumboden statt Spanntepich ...
... und der Ausleihtheke, die wieder aus Holz gefertigt wurde.
Der Lesesaal sieht fast noch so aus wie vorher ...
... abgesehen von den Lampen, die jenen von 1951 nachempfunden sind.
Grosse Neuheit der sanierten Bibliothek ist der Freihandbereich, der sich im ehemaligen Magazin befindet.
Dank einer Galerie kommt viel Licht in die Bibliothek und man kann von unten bis in den vierten Stock sehen.
Rund 50'000 Bücher sind hier frei zugänglich ...
... und können per Self-Checkout ausgeliehen werden.
Neu hat die Bibliothek 140 Arbeitsplätze, die meisten davon im Freihandbereich.
Im Innern dieser Bücherregal-Würfel im 4. Stock befinden sich Gruppenarbeitsräume.
Die Treppe führt ins Untergeschoss der Freihandbibliothek, wo sich unter anderem eine Vitrine für Ausstellungen befindet.
Gleich beim Eingang der Bibliothek gibt es neu ein Bistro.
Die Sondersammlung wird ab Frühling 2020 im ehemaligen Vortragssaal unterkommen.
Der Saal verfügt über einen verspielten Parkettboden.
Regierungsrat Reto Wyss übergibt ein Bild an Regierungsrat Marcel Schwerzmann.
ZHB-Direktor Rudof Mumenthaler spricht anlässlich der Eröffnung.
Besucher strömen aus dem Lesesaal.
Musik anlässlich der Eröffnung

Die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) wurde während zwei Jahren saniert und ist ab 11. Dezember wieder geöffnet.

Bilder: Pius Amrein, Luzern, 9. Dezember 2019

Weitere Infos: www.zhbluzern.ch

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