Die zwei amtsältesten Gemeinderäte in Emmen sind noch immer mit Herzblut dabei

Josef Schmidli und Thomas Lehmann sind die einzigen Gemeinderäte in Emmen mit langjähriger Erfahrung. Amtsmüde sind die beiden dennoch nicht: Sie stellen sich wieder zur Wahl.

Beatrice Vogel
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Josef Schmidli (links) und Thomas Lehmann auf dem Schulareal Gersag. Im Hintergrund der «Schoggiturm», das Verwaltungsgebäude der Gemeinde Emmen.

Josef Schmidli (links) und Thomas Lehmann auf dem Schulareal Gersag. Im Hintergrund der «Schoggiturm», das Verwaltungsgebäude der Gemeinde Emmen. 

Bild: Eveline Beerkircher, 6. Februar 2020

Wenn am 29. März in der Gemeinde Emmen gewählt wird, tritt Josef Schmidli (CVP) bereits zum vierten Mal zur Wahl an. «Emmen ist eine sehr interessante Gemeinde und derzeit läuft auch sehr viel. Ich will nicht mittendrin aussteigen», sagt er. Seine Direktion Bau und Umwelt steckt mitten in der Ortsplanungsrevision, «die uns die nächsten vier Jahre beschäftigen wird». Daneben steht der Bau eines neuen Pumpwerks der Wasserversorgung an sowie mehrere Bauprojekte des Kantons und des Bundes, wie etwa das Hochwasserschutzprojekt Reuss, «bei denen wir aktiv mitwirken», so Schmidli.

Auch nach drei Legislaturen ist der 59-Jährige begeistert von den Bauprojekten und Planungen in Emmen. Dass Schmidli so viel Herzblut für die Sache aufbringt, ist nicht selbstverständlich. Denn der Baudirektor steht fast permanent unter Beschuss. Das Bauwesen ist wohl jener Bereich der Gemeinde, der am stärksten im öffentlichen Fokus steht: Jeder will mitreden. Hinzu kommt die gestiegene Wachstumsskepsis. Insbesondere die SVP Emmen macht keinen Hehl daraus, dass sie mit der Arbeit des Baudirektors nicht zufrieden ist. Deshalb greift die Partei mit ihrer Kandidatin Ibolyka Lütolf seinen Sitz direkt an.

Josef Schmidli

Josef Schmidli

Baudirektor braucht eine dicke Haut

Trotzdem ist Josef Schmidli zuversichtlich, was die Wahl betrifft. «Ich spüre Rückhalt im Team und in der Bevölkerung. Das bestärkt mich, weiterzumachen.» Für seine Mitarbeiter ist er auch ein Puffer, der sie vor Anfeindungen abschirmt. Und wie geht er persönlich damit um? «Ich hole mir Ausgleich und Energie beim Velofahren, in den Bergen, und im Zusammensein mit meiner Familie», sagt Schmidli, der mittlerweile Grossvater ist. Ausserdem müsse man zuhören können, robust sein, und dürfe nicht alles persönlich nehmen. Eine dicke Haut braucht Josef Schmidli auch im Einwohnerrat, wo er manchmal Mühe hat, sich rhetorisch durchzusetzen.

Seine dritte Legislatur strebt Thomas Lehmann (FDP) an. In seiner Direktion Soziales und Gesellschaft fühlt sich der ehemalige Banker sichtlich wohl. «Ich gehe davon aus, dass es für die Wiederwahl reicht», sagt er. Damit dürfte er wohl recht haben, denn gross umstritten ist er nicht. Lehmann kann sich – auch dank starker Rhetorik – gut durchsetzen, bleibt dabei aber immer höflich. Polternde Voten hört man von ihm nicht.

Thomas Lehmann

Thomas Lehmann

Dennoch bleibt der 58-Jährige nicht gänzlich von Kritik verschont. Manche Parlamentarier bemängeln etwa, Lehmann sei teils zu wenig proaktiv und brauche manchmal den Druck des Parlaments, damit er etwas anpacke. Dieser Eindruck entstand im Zusammenhang mit einem Postulat zu den Sozialzimmern, deren Vermieter auf Kosten der Gemeinde Gewinn machen. Allerdings betonte Thomas Lehmann bereits bei der Ratsdebatte vor knapp zwei Jahren, dass die Preise für die Sozialzimmer überarbeitet werden. «Die Umsetzung war bereits fest vorgesehen, weshalb das Postulat offene Türen eingerannt hat», sagt er heute. Per Anfang dieses Jahres wurden die Mietzinsrichtlinien nun angepasst.

Sozialhilfekosten «im Griff»

Wenn man Thomas Lehmann fragt, was er in der vergangenen Legislatur geleistet hat, präsentiert er eine ausführliche Liste. Unter anderem wurde die Berufsbeistandschaft reorganisiert und das Angebot der Sozialinspektoren ausgebaut, auf das mittlerweile viele andere Gemeinden zurückgreifen. Dank einer Stellenaufstockung sei zudem das Betreuungsverhältnis für die Sozialhilfebezüger besser geworden, so Thomas Lehmann. «Die Kosten im Sozialbereich haben wir im Griff, wir generieren mehr Einnahmen.» Die Sozialhilfequote ist allerdings trotzdem gestiegen – laut Lehmann wegen des Bevölkerungswachstums.

Josef Schmidli kann aus seinen Bereichen ebenfalls viele Erfolge vermelden. Den Masterplan Seetalplatz, in dem Verkehr, Siedlung und Hochwasserschutz aufeinander abgestimmt werden, hat die Emmer Baudirektion zusammen mit Kanton und Stadt Luzern erarbeitet. «Erfolgreich waren auch alle Schulhausvorlagen sowie die Entwicklungen in der Viscosi­stadt, darunter der Wärmeverbund Seetalplatz.» Besonders stolz ist Josef Schmidli auf die Emmer Wasserversorgung, die Wasser nach Neuenkirch und bald an die Aquaregio Sursee-Mittelland liefert.

Schmidli will kommunikativ zulegen

Zudem hat die Baudirektion im vergangenen Jahr eine gross angelegte Bevölkerungsumfrage zur Ortsplanungsrevision durchgeführt. Das zeigt: Josef Schmidli nimmt die eingangs erwähnte Kritik ernst und versucht, Entscheidungen breit abzustützen. Kein anderer Gemeinderat in Emmen bindet die Bevölkerung so stark in die Prozesse mit ein. «Es ist mein Ziel, bei Grossprojekten die Kommunikation viel proaktiver zu gestalten», sagt Schmidli selbst. Dies soll etwa durch die Verbreitung von Informationen auf digitalen Medien geschehen, aber auch durch Partizipationsprozesse. «Die Akzeptanz für Bauprojekte ist nicht mehr wie früher einfach gegeben. Deshalb müssen wir die Bevölkerung vermehrt aktiv abholen.»

Diese Lehre hat Schmidli aus teils bitteren Erfahrungen gezogen. Zu erwähnen ist der Rückbau des ehemaligen Betagtenzentrums Herdschwand und der Neubau Neuschwand wie auch der vierte Trakt beim Schulhaus Erlen. In all diesen Fällen waren und sind es Einsprachen, welche die Projekte blockierten, wodurch zusätzliche Kosten entstanden, was ebenfalls Kritik einbrachte.

Anders als Josef Schmidli zieht Thomas Lehmann wenig Aufmerksamkeit auf sich, eben weil im Sozialbereich viele Auf- und Ausgaben gebunden sind. Zudem werden viele Aktivitäten der Direktion nicht öffentlichkeitswirksam kommuniziert. Lehmann täte ebenfalls gut daran, Fortschritte und Schwierigkeiten in seiner Direktion aktiver publik zu machen.

Projekte im Bereich Gesellschaft vorantreiben

Auch aus Thomas Lehmanns Sicht ist in der vergangenen Legislatur nicht alles ideal gelaufen. «Dass es dem Gesamtgemeinderat nicht gelungen ist, die finanzielle Situation zu verbessern, ist unschön und beschäftigt mich», sagt er. Unter den Sparmassnahmen habe auch der Bereich Gesellschaft gelitten. Gerade in diesem Bereich hätte der Gemeinderat aber den Handlungsspielraum und die Möglichkeit, mit wenigen finanziellen Mitteln etwas zu erreichen. «Das haben wir bereits getan und haben es weiter vor», versichert Lehmann. So wolle er etwa bei der Freiwilligenarbeit einen Schritt weitergehen, um diese institutioneller aufzubauen, etwa mit einer vernetzenden Plattform.

Ein weiteres Projekt ist laut Lehmann die frühe Förderung von Kindern. «Derzeit sind wir daran, Förderangebote zu suchen.» Diese Bemühungen sollen intensiviert werden, damit die Kinder bereits bei der Einschulung genügend Sprachkompetenzen aufweisen. Thomas Lehmann: «Dadurch können auch die Kosten gesenkt werden, weil es weniger Therapien braucht.»

Hinweis
Am 29. März wird in Emmen gewählt: Sechs Kandidaten bewerben sich um fünf Sitze im Gemeinderat. Die Porträts der anderen Kandidieren folgen später.

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