50-Stunden-Woche und top motiviert: Die beiden Neulinge im Emmer Gemeinderat ziehen Bilanz

Seit gut 100 Tagen sind Patrick Schnellmann (CVP) und Brahim Aakti (SP) nun im Amt. Was sie im Gemeinderat angetroffen haben, hat sie teils erstaunt. Sie haben aber auch konkrete Ideen, was sie in Emmen verändern wollen.

Beatrice Vogel
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Finanzdirektor Patrick Schnellmann (CVP, links) und Bildungsdirektor Brahim Aakti (SP) auf dem Dach der Gemeindeverwaltung Emmen. (Bild: Boris Bürgisser, 27. Februar 2019)

Finanzdirektor Patrick Schnellmann (CVP, links) und Bildungsdirektor Brahim Aakti (SP) auf dem Dach der Gemeindeverwaltung Emmen. (Bild: Boris Bürgisser, 27. Februar 2019)

Patrick Schnellmann wirkt entspannt bei unserem Besuch in Emmen, er fühlt sich sichtlich wohl als Gemeinderat. «Ich wurde mit offenen Armen empfangen und habe ein super Team übernommen», sagt er. Die neuen Gemeinderäte haben beim Amtsantritt vergangenen Herbst ein Einführungsprogramm bekommen. «Die Abläufe kennen zu lernen und sich einen Überblick zu verschaffen, war eine Herausforderung», so Schnellmann. Er sei dabei aber von allen Seiten unterstützt worden.

Aakti: «Ich bin am richtigen Ort»

Willkommen gefühlt hat sich auch Brahim Aakti, sowohl in der Bildungsdirektion als auch im Gemeinderat, wie er sagt. «Alle sind hilfsbereit und wertschätzend». Auf die Frage, wie er sich eingelebt hat, sagt Aakti: «Ich bin am richtigen Ort.» Er gehe gern arbeiten. Das sei für ihn besonders wichtig, weil er sich vor rund einem Jahr zunächst noch schwer damit getan habe, zu kandidieren. «Ich war damals sehr zufrieden mit meinem Job, meinen Lebensumständen. Durch die Kandidatur musste ich aus meiner Komfortzone ausbrechen.» Bereut hat er es nicht. Er schätze die vielseitige Arbeit als Gemeinderat und Vorsteher des Bildungs- und Kulturdepartements. Auch die zusätzlichen Aufgaben, etwa als Gemeindevertreter in Verbänden, seien spannend. «Überrascht hat mich die Intensität der Arbeit», sagt Aakti und führt aus: «Das Gemeinderatsgeschäft läuft, und nimmt keine Rücksicht darauf, ob du eingearbeitet bist oder nicht.» 

Papitag trotz voller Agenda

Im Vergleich zu seinem früheren Job – Brahim Aakti war Maschineningenieur bei Andritz Hydro in Kriens – sei seine Präsenzzeit viel höher: «Die Arbeit als Gemeinderat nimmt aktuell fünf Arbeitstage in Anspruch und die einzelnen Tage dauern jeweils bis zu zehn Stunden.» Für die Familie sei das natürlich eine Umstellung, sagt der 37-Jährige, der erst kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden ist. Wenn der Mutterschaftsurlaub seiner Frau im Sommer vorüber ist, will er wieder einen Papitag machen. «Das ist mir sehr wichtig, und ich arbeite dafür gerne am Abend oder am Wochenende.» Patrick Schnellmanns Kinder sind hingegen bereits erwachsen, für seine Familie habe sich mit dem neuen Job wenig verändert. Der 49-Jährige ist in seiner Firma, der Zimmermann Technik AG in Reussbühl, noch in einem kleinen Pensum beratend tätig. «Mehr wäre nicht möglich, da ich 45 bis 50 Stunden hier bin.»

Schnellmann hat die Gesprächskultur verändert

Das Büro des Finanzdirektors sieht fast gleich aus wie früher. Patrick Schnellmann hat die Einrichtung von seinem Vorgänger Urs Dickerhof (SVP) übernommen. «Etwas zu verändern war nicht nötig», meint er. Verändert hat er allerdings die Gesprächskultur in seiner Direktion. «Meine Mitarbeiter waren anfangs überrascht, dass wir an den Sitzungen so viel diskutieren.» Am Herzen liegt Schnellmann auch, mit seinen Mitarbeitern regelmässigen Kontakt zu pflegen. Das ist nicht einfach, sind seine Abteilungen ja nicht nur auf verschiedene Stockwerke verteilt – im Fall der Immobilien sind auch einige ausser Haus. 

«Die Finanzdirektion hat nicht den einfachsten Stand innerhalb der Verwaltung, weil sie zwangsläufig überall mitredet. Dieses Image möchte ich ändern», so Schnellmann. Seine Direktion soll vermehrt als unterstützend wahrgenommen werden. Überhaupt will er eine offene Kommunikation etablieren, auch über die Direktionsgrenzen hinaus. Auch Brahim Aakti hat festgestellt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Direktionen weiter gefördert werden kann. «Das Miteinander ist klar ein Punkt, den man angehen muss», da seien sich alle Gemeinderäte einig.  

Sitzungsrhythmus gelockert

Brahim Aakti hat die Gepflogenheiten in der ehemaligen Direktion von Susanne Truttmann (SP) bislang kaum umgekrempelt. «Ich traf auf ein eingespieltes Team und kann mich auf meine Mitarbeitenden verlassen», sagt er. Dies hängt damit zusammen, dass im Schulbereich vieles vorgegeben ist, und dass die Volksschule über eine Geschäftsleitung verfügt. Aber natürlich habe er Änderungswünsche bei den Mitarbeitern eingeholt und aufgrund dessen etwa den Sitzungsrhythmus gelockert. Ansonsten pflegt auch Aakti eine Kultur der offenen Tür. «Es ist wichtig, dass die Mitarbeitenden ihre Anliegen jederzeit einbringen können. Dafür nehme ich mir gerne die notwendige Zeit.» Grundsätzlich sei in der Direktion viel Fachwissen vorhanden, es herrsche eine hohe Arbeitsmoral sowie wirtschaftliches Denken.

Die beiden geben auch Einblicke in den Gemeinderatsalltag. So müssen die Geschäfte für die Gemeinderatssitzung jeweils am Montagnachmittag bei der Kanzlei angemeldet werden, damit sich alle Gemeinderäte darauf vorbereiten können. Das Vorbereiten und die Rücksprache mit den eigenen Führungsleuten brauche viel Zeit, so Schnellmann. Die eigentliche Sitzung am Mittwoch sei dann durchgetaktet und dadurch effizient – auch weil alle gut vorbereitet seien. Unangemeldetes wird dabei nicht besprochen. Beide schätzen die Sitzungskultur. «Wir diskutieren meist bis wir uns einig sind, abgestimmt wird sehr selten», sagt Aakti.

Schnellmann sucht weitere Sparmöglichkeiten

Inhaltlich bleibe in der Finanzdirektion das Sparen ein grosses Thema – trotz Steuererhöhung, sagt Patrick Schnellmann. Er wolle nun vor allem langfristige Sparmassnahmen lokalisieren, «zum Beispiel möchte ich Serviceverträge überprüfen und schauen, ob man besser einkaufen kann». In der Bildungsdirektion liegt ein Schwerpunkt der nächsten Jahre bei der Schulraumplanung. Brahim Aakti: «Das ist ein grosser Brocken.»  Heute gibt es in Emmen 3000 Schüler. In zehn Jahren wird mit 1000 Schülern mehr gerechnet. Laut Aakti kommt der Zuwachs zu zwei Dritteln wegen Geburten zu Stande – «und nur zu einem Drittel durch die Bautätigkeit». Da die Schulgebäude bei den Immobilien angesiedelt sind, ist auch Patrick Schnellmann in die Schulraumplanung involviert. Für ihn ist diese ebenfalls ein Schwerpunkt, auch wegen der alten Schulhäuser, die unterhalten werden wollen. «Wird beim Unterhalt gespart, wird es irgendwann teuer.»

Und wie fühlen sie sich heute, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen? In der Bevölkerung spürt Brahim Aakti viel Wohlwollen, wie er sagt. «Ich höre immer wieder, es sei positiv, dass ein Junger gewählt wurde.» Er selbst gehe mit seinem Amt aber nicht hausieren: «Wenn jemand nicht weiss, dass ich Gemeinderat bin, kläre ich ihn nicht immer auf.» Im Auftreten habe er sich nicht verändert, so Aakti. Anders Patrick Schnellmann: «Als öffentliche Person bin ich sicher kontrollierter als ganz privat, auch weil die Leute mich anderes wahrnehmen.» So mancher sei erstaunt gewesen, dass er beispielsweise weiterhin aktiv in einer Fasnachtsgruppe mitmache. «Dabei bin ich ja oft gar nicht in der Funktion des Gemeinderats unterwegs», meint er.