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DIERIKON: Angst vor Hochwasser bleibt

Wegen einer Einsprache verzögern sich weitere Massnahmen zum Hochwasserschutz. Pikant: Da der Gemeinderat befangen ist, wird auswärts entschieden.
Sandra Monika Ziegler
Das schwere Unwetter im Juni 2015 forderte in Dierikon zwei Todesopfer. (Bild Corinne Glanzmann)

Das schwere Unwetter im Juni 2015 forderte in Dierikon zwei Todesopfer. (Bild Corinne Glanzmann)

Das Unwetter vom Juni 2015 hat im Luzerner Dorf Dierikon seine tragischen Spuren hinterlassen. Damals starben eine junge Mutter und ihre Tochter. Die Wassermassen beschädigten Strassen und drangen in Häuser ein (Ausgabe vom 9. Juni 2015).

Seither fordert die Bevölkerung von Dierikon rasches Handeln. Als eine der Sofortmassnahmen wurde im unteren Teil des Götzentalbaches, hinter der Mühle, Geschiebe im Umfang von 1300 Kubikmeter abtransportiert, wie Gemeindepräsident Max Hess auf Anfrage erklärt.

Doch die weiteren Hochwasserschutzmassnahmen am Götzentalbach in Oberdierikon sind nicht etwa mangels Finanzen, sondern durch eine noch hängige Einsprache blockiert. Hess sagt dazu: «Wir trafen uns mit dem betreffenden Eigentümer für eine Einigungsverhandlung, leider ohne Resultat.» Zum Inhalt der Einsprache dürfe er sich nicht äussern.

Gemeinderäte sind Landbesitzer

Weiter aktiv kann der Dierikoner Gemeinderat diesbezüglich nicht mehr werden. Denn mehr als die Hälfte der Amtsinhaber besitzen selber Land in diesem Gebiet. Damit wird der Gemeinderat beschlussunfähig und muss in den Ausstand treten. In solch einem Fall ist das weitere Vorgehen gesetzlich geregelt. Und so liegt der Ball nun beim Amt für Gemeinden (AfG), einer Abteilung der kantonalen Dienststelle Gemeinden, Handelsregister und Staatsarchiv (GHS) des Justiz- und Sicherheitsdepartements. Kathrin Graber, stellvertretende AfG-Leiterin: «In den nächsten Wochen wird der Entscheid mitgeteilt.» Einen genaueren Termin konnte Graber nicht benennen.

30 Eigentümer betroffen

Nach den Sofortmassnahmen, die nur innerhalb von drei Monaten nach dem Unwetter – also in der Zeitspanne von Juni bis August letzten Jahres – ausgeführt werden konnten, stehen jetzt die weiteren Hochwasserschutzmassnahmen an. Dazu Hess: «Diese sind als ordentliches Projekt abzuwickeln und gehen in den Kompetenzbereich des Kantons.» Dafür zuständig ist das Amt Verkehr und Infrastruktur, Abteilung Naturgefahren. Leiter Albin Schmidhauser erklärt das weitere Vorgehen: «Die Pläne für das Bauprojekt sind bis Mai, spätestens Juni ausgearbeitet. Danach werden sie jedem einzelnen Grundeigentümer vorgelegt. Damit sie dazu Stellung nehmen können.» Laut Dierikons Gemeindeschreiber Marcel Herrmann sind durch die geplante Götzentalbach-Sanierung rund 30 Grundstückeigentümer betroffen.

Vom direkten Kontakt mit den Grundeigentümern verspricht sich Schmidhauser den einen oder anderen Anstoss. Diese Erkenntnisse werden dann in das Projekt mit einbezogen. Schmidhauser: «Nach der Vernehmlassung bei den kantonalen Dienststellen und beim Bund wird die Auflage wiederum überarbeitet. Bis sie dann öffentlich aufliegt, wird es bestimmt Herbst.» Vor der öffentlichen Auflage, so Gemeindepräsident Max Hess, werde die Bevölkerung informiert. Wie, das werde noch bestimmt, so Hess. Bezüglich dem Tempo, das der Kanton vorlegt, sagt Hess: «Da wird mit hoher Priorität gehandelt. Ich bin zuversichtlich, das Projekt ist auf gutem Weg.»

Neue Brücke

Dem aktuellen Mitteilungsblatt «Dieriker Info» ist auch zu entnehmen, dass die Brücke an der Oberdierikonerstrasse nicht repariert, sondern neu gebaut und nach hinten versetzt werden muss. Hess: «Dies wird nötig, weil die Brücke einen zu kleinen Abflussquerschnitt aufweist und sich zudem direkt am abrutschgefährdeten Hang befindet.» Die weiteren Schutzmassnahmen sind im Hochwasserschutzprojekt integriert und Sache des Kantons. Zugewartet wird auch mit der Sanierung der Strasse Dörfli, da diese ebenfalls von der Bachsanierung abhängt.

Anwohner sind besorgt

Mit der Umsetzung der Massnahmen kann frühestens im Sommer 2017 begonnen werden, wie Hess abschliessend sagt. Ganz sistiert hingegen hat der Kanton die Sanierung des Spechtenbachs. Die Begründung: geringe Gefahr, zu hohe Kosten. Betroffene Eigentümer müssen selber aktiv werden und können einen Unterstützungsbeitrag an Objektschutzmassnahmen bei der Gebäudeversicherung Luzern beantragen.

Nicht erfreut über diesen Zeitplan sind die Dörflibewohner, die am Fusse des Götzentals zu Hause und bei starken Regenfällen als Erste betroffen sind. Stellvertretend sagt Mathias Hediger: «Die Angst bleibt im Dorf. Das dauert alles zu lange. Deshalb fordern wir Notmassnahmen.»

Sandra Monika Ziegler

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