Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

DIERIKON: Der Bach wird 2016 gezähmt

Der Götzentalbach verwüstete am Sonntag das Dorf Dierikon. Pikant: Die Sanierung des Bachs wurde wegen Geldmangel gestoppt. Im Herbst 2016 sollen die Bauarbeiten nun aber starten.
Der Götzentalbach hinterliess in Dierikon eine Spur der Verwüstung. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (Dierikon, 10.06.15))

Der Götzentalbach hinterliess in Dierikon eine Spur der Verwüstung. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (Dierikon, 10.06.15))

Bonus: Die Gefahrenkarte des Kantons Luzern finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/bonus

Christian Glaus

Auf tragische Art und Weise sind am Sonntagabend in Dierikon eine 32-jährige Frau und ihre 5-jährige Tochter ums Leben gekommen. Sie ertranken im Keller ihres Hauses, als der Götzentalbach, der über die Ufer trat, das Gebäude flutete. Laut Martin Marfurt, Kommandant der Feuerwehr Ebikon-Dierikon, reichte das Wasser im Keller bis unter die Decke. Vor dem Haus zog eine 20 bis 30 Zentimeter hohe reissende Flut vorbei. «Die Wassermassen am Sonntagabend waren enorm. Man muss sich das vorstellen, wie wenn sich die Reuss ihren Weg über die Dörflistrasse gebahnt hätte.» Weshalb sich Mutter und Tochter zum Zeitpunkt des Unwetters im Keller aufhielten, ist gemäss Auskunft der Luzerner Polizei unklar.

Kantonsrat kürzte Budget

Um den Hochwasserschutz am Götzentalbach zu verbessern, hat der Kanton Luzern 2013 ein Projekt gestartet. Weil der Kantonsrat das Budget für den Hochwasserschutz von jährlich gut 30 auf 18 Millionen Franken gekürzt hat, wurde das Projekt 2014 gestoppt. Im Mai dieses Jahres hat die Gemeinde Dierikon die Aufträge für die Projektierung erteilt. Dies, nachdem sie sich mit dem Kanton geeinigt hat, die Projektierung vorzufinanzieren. Läuft alles nach Plan und gibt es keine Einsprachen, könnten im Herbst 2016 die Arbeiten für den Hochwasserschutz am Götzentalbach starten. Dierikons Gemeindepräsident Hans Burri rechnet mit einer Bauzeit von rund einem Jahr. Bis dahin werden Sofortmassnahmen ergriffen, damit das Wasser im Götzentalbach wieder normal abfliesst und die Strasse wieder befahren werden kann. Insgesamt wird der Kanton rund 2,5 Millionen Franken investieren.

In Dierikon wurden bereits mehrere Bäche saniert, damit die Bevölkerung besser vor Hochwasser geschützt ist. Zwar gab es beim Unwetter vom letzten Sonntag auch entlang dieser Bäche Schäden. «Grundsätzlich haben die Schutzmassnahmen aber ihre Funktion erfüllt», stellt Hans Burri fest. Neben dem Götzentalbach verursachte auch der Spechtenbach grössere Schäden. Für diesen Bach wurde ebenfalls noch kein Projekt in Angriff genommen.

«Am falschen Ort gespart»

Die Dierikoner Bevölkerung erhebt nun Vorwürfe gegen Kanton und Gemeinde, sie hätten den Hochwasserschutz vernachlässigt. Gemeindepräsident Burri kann «das Unbehagen verstehen», wie er sagt. «Der Kanton hat am falschen Ort gespart, als er die Gelder beim Hochwasserschutz gekürzt hat», sagt Burri. Er erinnert aber auch daran, dass die Bevölkerung Ja gesagt habe zur Steuergesetzrevision. Die Einsparungen beim Hochwasserschutz seien eine Folge davon. Die kantonale Abteilung Naturgefahren musste deshalb ihre Projekte priorisieren. Hat sie die Gefährlichkeit des Götzentalbachs in Dierikon falsch eingeschätzt? «Nein», sagt Abteilungsleiter Albin Schmid­hauser, «die Notwendigkeit von Schutzmassnahmen wurde erkannt. Deshalb haben wir die Projektierung gestartet.» Auch wenn die Sanierung nach ursprünglichem Fahrplan gelaufen wäre, hätte dies das Unglück vom Sonntag nicht verhindert, denn die Arbeiten wären so oder so noch nicht abgeschlossen gewesen.

Laut Albin Schmidhauser gibt es im Kanton Luzern noch zahlreiche Bäche, die ähnlich verlaufen wie der Götzentalbach: Sie wurden im Siedlungsgebiet eingedolt, die Röhren sind aber zu klein bemessen. Über 1300 Hektaren Siedlungsfläche seien noch nicht vor einem Jahrhunderthochwasser geschützt. Die gefährdeten Gebiete sind auf der kantonalen Gefahrenkarte gelb (geringe Gefährdung), blau (mittel) und rot (erheblich) markiert. Luzern war 2011 der erste Kanton der Schweiz, der eine solche Gefahrenkarte flächendeckend und für verschiedene Gefährdungsarten erstellt hat. Noch immer sind viele Gebiete farbig markiert. So auch das ­Dörfli in Dierikon, wo die Mutter und ihre Tochter ums Leben gekommen sind. «Die Eliminierung der Gefahren ist eine Generationenaufgabe», sagt Schmid­hauser. In diesem Jahrhundert werde es wohl nicht gelingen, alle gefährdeten Stellen zu beseitigen.

Regierung prüft Budgeterhöhung

Nach dem Unwetter vom Sonntagabend werden nun Forderungen laut, die Ausgaben für den Schutz vor Naturgefahren zu erhöhen. Gemäss dem Krienser SP-Kantonsrat Peter Fässler ist es dringend nötig, über das Budget für den Hochwasserschutz erneut zu debattieren. 2016 fehlten 54 Millionen Franken: «Das ist eine Bankrotterklärung an die Bevölkerung. Die Unternehmen müssen weniger Steuern zahlen, hingegen muss der Bürger bluten.» Regierungsrat und Baudirektor Robert Küng sagt, dass alle Direktionen ihren Beitrag zu den Sparmassnahmen leisten müssen. Die Aus­gaben für den Schutz vor Natur­gefahren seien heute zwar tiefer als zwischen 2007 und 2010, aber höher als vor 2005. Damals betrugen die Ausgaben 15 Millionen Franken. «Der Regierungsrat wird sich im Rahmen des Budgetprozesses Überlegungen machen, ob mehr Geld für den Schutz vor Naturgefahren bereitgestellt werden kann», sagt Küng.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.