DIERIKON: Neuer Anlauf für Gemeindefusion im Rontal

Die FDP will eine Fusion mit Ebikon und Root prüfen lassen und lanciert eine Volksinitiative. Die potenziellen Partner sind nicht abgeneigt.

Beatrice Vogel
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Blick auf das Rontal mit Ebikon (im Vordergrund), Dierikon (Mitte) und Root (hinten). Die Ortsgrenzen sind kaum noch sichtbar – werden sie dereinst ganz aufgehoben? (Bild: Reportair.ch/Niklaus Wächter)

Blick auf das Rontal mit Ebikon (im Vordergrund), Dierikon (Mitte) und Root (hinten). Die Ortsgrenzen sind kaum noch sichtbar – werden sie dereinst ganz aufgehoben? (Bild: Reportair.ch/Niklaus Wächter)

Fusion: für die einen ein Unwort, für andere verheissungsvolle Zukunftsvision. Gerade im Rontal, wo die Gemeinden schon heute eng zusammenarbeiten – sei es im Schulbereich, bei den Bibliotheken, der Musikschule oder der Feuerwehr –, kommt die Zusammenlegung von Gemeinden immer wieder aufs Tapet. Erst vor einem Jahr brachte die CVP Buchrain das Thema wegen der prekären finanziellen Lage der Gemeinde zur Sprache (Ausgabe vom 16. Juli 2015).

«Steuerhölle im Rontal»

Nun fordert die FDP Dierikon, dass Fusionsabklärungen mit Ebikon und Root getätigt werden. Eine entsprechende Gemeindeinitiative liegt derzeit beim Gemeinderat zur Vorprüfung. Die rund 100 notwendigen Unterschriften werden erst nach der amtlichen Publikation innerhalb von 60 Tagen gesammelt.

«Grund für die Initiative ist vor allem die finanzielle Lage der Gemeinde», erklärt Initiant und FDP-Präsident Lukas Waldispühl. Erst vor zwei Jahren wurde der Steuerfuss von 1,65 auf 1,95 Einheiten erhöht. «Trotzdem kann die Gemeinde die laufenden Ausgaben nicht decken.» So resultiere in den kommenden fünf Jahren gemäss Finanzplan ein jährliches strukturelles Defizit von 700 000 Franken. «Geht es so weiter, ist eine weitere Steuererhöhung auf 2,25 Einheiten unvermeidbar», ist sich Wal­dispühl sicher. «So würde Dierikon zur Steuerhölle im Rontal.»

Grossfusion politisch nicht machbar

Das Problem liege auf der Ausgaben- und nicht auf der Einnahmenseite. «Die Dierikoner sind steuerkräftig, aber die Infrastrukturkosten sind unverhältnismässig hoch», so Waldispühl. Die Nettobelastung pro Kopf liege rund 500 Franken über jener in Ebikon. Die Steuerkraft hingegen ist um ebenso viel höher. Komme hinzu, dass es immer schwieriger wird, Leute für den Gemeinderat oder andere öffentliche Ämter zu finden. Deshalb sei es sinnvoll, eine Fusion zu prüfen. «Es wäre eine Win-win-Situation», ist Waldispühl überzeugt. Die Partnergemeinde hätte mehr Steuereinnahmen und mit den 1500 Dierikonern nur wenig mehr administrativen Aufwand.

Waldispühl schlägt Ebikon und Root als Partner vor, da diese einerseits geografisch am nächsten liegen und andererseits über «ausgeglichene und nachhaltige Budgets» verfügen. Mit Root besteht ausserdem schon eine Zusammenarbeit bei der Oberstufenschule, mit Ebikon bei der Feuerwehr und dem Zivilstandsamt. Grundsätzlich befürwortet der FDP-Mann gar eine Grossfusion mit allen Rontaler Gemeinden. «Aber das wäre politisch nicht machbar.»

Unabhängige Kleingemeinde

Ein derartiges Anliegen ist insofern erstaunlich, da sich Dierikon nach aussen gern als stolze und unabhängige Kleingemeinde präsentiert. Der Gemeinderat wird die Initiative kaum unterstützen. So sagte doch Gemeindepräsident Max Hess (CVP) von sich selbst, er sei «kein Fusionsturbo» (Ausgabe vom 11. Mai 2015). Gestern war der Gemeinderat für eine Stellungnahme jedoch nicht erreichbar.

Grundsätzlich offen für Gespräche

Fragt man bei den potenziellen Partnern an, erhält man relativ knappe Antworten. «Es ist eines unserer Strategieziele, dass wir für Zusammenarbeit offen sind und diese prüfen», sagt Herbert Lustenberger (CVP), Gemeinderat in Ebikon. Und auch der Rooter Gemeindepräsident Heinz Schumacher (FDP) sagt: «In unserer Gemeindestrategie ist festgelegt, dass wir offen sind für Gespräche dieser Art.» Von sich aus würden die beiden Gemeinden aber nicht aktiv werden.

Dieselbe Antwort gaben die Gemeinderäte schon vor einem Jahr, als in Buchrain eine Fusion thematisiert wurde. Damals war von Ebikon als wahrscheinlichstem Partner die Rede. Der Buchrainer Gemeinderat liess sich daraufhin beraten, wie sich ein Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde auswirken könnte. Es blieb aber bei einer Gedankenspielerei: Der Gemeinderat entschied, das Anliegen nicht aktiv weiterzuverfolgen. «Eine Gemeindefusion ist kein Mittel, um kurzfristig finanzielle Probleme zu lösen», begründete der Buchrainer Finanzvorsteher Patrick Bieri (FDP).

Beatrice Vogel