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Diese Luzerner FDP-Politikerin stemmt so einiges

Anne-Sophie Morand (31) ist Vizepräsidentin der Luzerner FDP. Im Job und in der Politik setzt die Juristin aus Kriens konsequent auf Networking – und fordert auf, es ihr gleich zu tun.
Evelyne Fischer
Einst Fussball, nun Triathlon: Sport hat in Anne-Sophie Morands Agenda einen fixen Platz. (Bild: Philipp Schmidli, Kriens, 10. Juni 2019)

Einst Fussball, nun Triathlon: Sport hat in Anne-Sophie Morands Agenda einen fixen Platz. (Bild: Philipp Schmidli, Kriens, 10. Juni 2019)

Ihr Lebensentwurf kommt ohne das Prinzip Hoffnung aus. Was Anne-Sophie Morand (31) will, packt sie an. Mit 12 beginnt sie gegen den Willen ihrer Eltern mit Fussball, schafft es bis in die Nationalliga A. Mit Mitte 20 reaktiviert sie die Jungfreisinnigen Kriens, präsidiert die Partei seither. Mit fast 30 klopft sie bei der FDP-Spitze an und deponiert ihre Ambitionen für die Geschäftsleitung. Jetzt, als Vizepräsidentin der Kantonalpartei, kandidiert sie für den Nationalrat. Anne-Sophie Morand sagt: «Ich warte nicht darauf, entdeckt zu werden.» Zugleich sei sie stets von Frauen gefördert worden, insbesondere von alt Kantonsrätin Johanna Dalla Bona, ihrer Vorgängerin.

Diese Rolle will die promovierte Juristin, die als Politikstipendiatin bei den Parlamentsdiensten in Bern arbeitet und einen Lehrauftrag an der Uni Luzern hat, nun selber einnehmen.

«Ich sehe mich als Vorbild. Ich möchte junge Frauen motivieren, politische Ämter zu übernehmen.»

Ein Ausschnitt aus dem Forderungskatalog: Individualbesteuerung, Elternurlaub, Ehe für alle, mehr Eigenverantwortung im Gesundheitswesen, eine nachhaltige Klimapolitik, ökologisch sinnvoll, ökonomisch tragbar. «Für mich ist Wohlstand nur mit wirtschaftlicher Freiheit möglich.»

Sie war das einzige Mädchen im Quartier

Anne-Sophie Morand, Sidecut, Sommerkleid, Siegelring, grüsst mit kräftigem Händedruck. Sie wohnt im Obergeschoss ihres Elternhauses, im Dattenberg-Quartier auf dem Sonnenberg, lädt auf den Balkon mit Blick auf See, Allmend-Hochhäuser, Pilatus. Unten rauscht die Autobahn. «Wenn mit dem Bypass die Überdachung kommt, ist’s endlich etwas ruhiger», sagt sie und lacht.

Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder ist Morand hier aufgewachsen. Der Vater, ein Walliser, arbeitete als Ingenieur. Die Mutter, eine Deutsche, bei der UNO in Afrika in der Entwicklungszusammenarbeit und später als Berufsschullehrerin. Anne-Sophie Morand lernt Klavier und Geige, ist das einzige Mädchen im Quartier.

«Wenn nötig, setzte ich mich als Kind schon mal für meinen Bruder zur Wehr.»

Grüne-Grossstadträtin Noëlle Bucher, die am Montag als Kantonsrätin vereidigt wird, war mit Morand am Gymnasium. Sie sagt: «Anne-Sophie war schon damals sehr engagiert. Sie wird es in der FDP nicht einfach haben, ihre Anliegen durchzusetzen, aber sie wird es schaffen.» Sie müsse allerdings noch lernen, dass man es in der Politik nie allen recht machen könne.

Mehr Networking, mehr Frauensolidarität

Morand ist aktuell das weibliche Aushängeschild der Freisinnigen – und sorgt für ein kollektives Aufatmen bei jener Partei, die nach der alleinigen Nomination eines Mannes für die Regierungsratswahlen Kritik einstecken musste. Ihre Wahl in die Geschäftsleitung habe eine Signalwirkung, sagt Parteipräsident Markus Zenklusen.

«Beispiele wie Anne-Sophie Morand oder Damian Müller beweisen: Bei der FDP braucht man keine Ochsentour, um vorwärtszukommen.»

Wobei Morand nichts dem Zufall überlässt. «Vielen Frauen ist es unangenehm, ihr Talent anzupreisen. Dabei machen das die Männer ständig.» Netzwerken sei enorm wichtig, nicht nur politisch. «70 bis 80 Prozent aller Jobs werden unter der Hand vergeben.» Es brauche auch mehr Frauensolidarität. «Wir sollten uns gegenseitig ermutigen, mehr Komplimente aussprechen», so Morand, die Parteikolleginnen schon mal per E-Mail zu pointierten Statements gratuliert.

Doch wer Morand nun ausschliesslich für eine konsequente Frauen-Supporterin hält, liegt falsch: Bei den Regierungsratswahlen sprach sich die Geschäftsleitung einhellig fürs Duo Paul Winiker/Marcel Schwerzmann aus, bei den Ständeratswahlen hat sich Morand noch nicht zwischen CVP-Nationalrätin Andrea Gmür und SVP-Nationalrat Franz Grüter entschieden. Dieser hat die Freisinnige kürzlich an einem Podium zur Digitalisierung kennen gelernt und sagt:

«Anne-Sophie Morand ist intelligent und sehr eloquent. Eine erfrischende Begegnung.»

Im Grundsatz hält es Morand mit der Frauenförderung wie Parteipräsident Zenklusen, der in puncto kommunaler Erneuerungswahlen 2020 sagte: «Jede weitere Gemeinderätin ist willkommen. Grundsätzlich gewichten wir Kompetenz, Erfahrung, den Wille zu Engagement und Wahlkampf aber höher als die Geschlechterfrage.» Morand ist dennoch der Meinung, dass man Frauen «pushen» müsse. «Weil sie sich oft weniger zutrauen als Männer.» Zudem brauche es bessere Rahmenbedingungen für Frauen in Führungsetagen.

Volle Agenda erfordert «gutes Zeitmanagement»

Der Frauenstreiktag bringt Morand als Homosexuelle ein Stück weit ins Dilemma. Denn zeitgleich startet das Zurich Pride Festival, das sich für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Menschen mit Transidentität, Intersexuellen und Queers einsetzt. Hier darf Morand, Leiterin des Politikressorts beim organisierenden Verein, nicht fehlen (Artikel vom 13. Juni). Immerhin: Über den Mittag nimmt sie an einem Anlass von «Helvetia ruft» teil, jener überparteilichen Kampagne der Alliance F und der Operation Libero, die mehr Frauen ins Bundeshaus bringen will.

Morands Leben ist durchgetaktet. Sie nennt es «gutes Zeitmanagement» («auch eine Beziehung hätte Platz»). Im Zug lassen sich E-Mails beantworten, eingekauft wird gleich am Bahnhof, auf einen Fernseher verzichtet sie («Champions League schaue ich auswärts»), mit Freunden verabredet sie sich am liebsten auf eine Joggingrunde. Morand, die Triathlon-Wettkämpfe bestreitet und täglich trainiert, sagt:

«Bewegung ist für mich die beste Erholung.»

Ihre Zeit als Spitzensportlerin sei eine Schule fürs Leben gewesen, habe sie Disziplin und Durchhaltewillen gelehrt. «Ich musste erkennen: Männer versuchen, einander stetig zu übertrumpfen. Frauen hingegen bremsen ihre Mitstreiterinnen aus. Auch, weil Vorbilder fehlen. Das gilt es zu ändern.»

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