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«Diese Krise ist noch lange nicht vorbei»: Die Night of Light in Luzern ist ein rotes Warnlicht der Eventbranche

Gebäude in der ganzen Schweiz erstrahlten am Montagabend in rotem Licht. Mit von der Partie waren in Luzern unter anderen das KKL, die Schüür, das Luzerner Theater und das Hotel Montana. Mit der «Night of Light» möchte die Veranstaltungsbranche auf ihre schwierige Situation im Zusammenhang mit der Coronakrise aufmerksam machen.

Text: Salome Erni, Bilder: Jakob Ineichen
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Das Seebistro Luz und das Hotel Schweizerhof strahlen um die Wette.

Das Seebistro Luz und das Hotel Schweizerhof strahlen um die Wette.

«Mega krass, so viele Scheinwerfer», war der Kommentar einer vorbeispazierenden Frau. Ob sie dabei auf das rot erleuchtete Seebistro Luz oder das strahlende Hotel Schweizerhof auf der gegenüberliegenden Seeseite deutete, war unklar. Egal ob das beleuchtete Dach des KKLs oder das stimmungsvolle Luzerner Theater – vor allen angestrahlten Gebäuden tummelten sich Fotografen, die die Beleuchtung anlässlich der Night of Light einfingen.

Die roten Gebäude waren ein Gesprächsthema auf der Strasse: Einige konnten den Hintergrund der Aktion benennen, andere wussten nicht, dass die Schweizerische Event- und Veranstaltungsbranche dahintersteckt und auf ihre schwierige Situation im Hinblick auf die Coronakrise hinweisen wollte. Die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen war den fast 30 beteiligten Unternehmen in der Stadt Luzern und ihrer Umgebung aber gelungen.

Die Night of Light: eine gesamtschweizerische Aktion der Event- und Veranstaltungsbranche

Um auf ihre schwierige Situation aufmerksam zu machen, initiierten die drei Branchenverbände Expo Event, Swiss Music Promoters Association und Schweizer Verband technischer Bühnen- und Veranstaltungsberufe die Night of Light. Gleichzeitig wie in Deutschland, Österreich und Belgien wurden auch in der Schweiz am Montagabend zwischen 22 und 24 Uhr Firmensitze oder stellvertretende Gebäude mit rotem Licht angestrahlt.

Die teilnehmenden Schweizer Unternehmen oder Veranstaltungsorte wollen mit dem «leuchtenden Mahnmal und flammenden Appell» wirtschaftliche Unterstützung beim Bund einfordern und auf ihre «Notlage» hinweisen.

Die Eventbranche fühlt sich vernachlässigt

«Wir müssen endlich dahin kommen, dass die Kultur- und Kreativitätswirtschaft als Branchen anerkannt werden», schreibt Marco Liembd, Geschäftsführer der Schüür Luzern. Jeder zehnte Betrieb in der Schweiz sei in dieser Branche tätig und gemeinsam werde ein Gesamtumsatz von 70 Milliarden generiert. «Politische Entscheidungen von National-, Stände- und gerade dem Kantonsrat Luzern werden diesem Umstand nicht im Ansatz gerecht.»

KKL Luzern und Hotel Schweizerhof.
15 Bilder
 Hotel Schweizerhof.
KKL Luzern.
KKL Luzern.
Seebistro LUZ.
Hotel Montana.
Luzerner Theater und Box.
Luzerner Theater.
Hotel Gütsch.
Kleintheater.
Auch in Altdorf wurde die "Night of Lights" begangen. Im Bild: Das Urner Rathaus mit dem Telldenkmal.
Das beleuchtete Theater Uri, Altdorf.
Das Fremdenspital in Altdorf
Das Urner Rathaus mit dem Telldenkmal
Der Landenberg Sarnen.

KKL Luzern und Hotel Schweizerhof.

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 22. Juni 2020)

In einer Medienmitteilung liefern die Initianten des Projekts Night of Light Zahlen: Fast elf Prozent aller Schweizer Betriebe sind in der Veranstaltungsbranche tätig, die Anzahl beschäftigter Personen ist ähnlich wie im Tourismus- oder Finanzsektor. Die Branche hätte in der aktuellen Krise das Problem, dass sie nichts «auf Vorrat» produzieren könne und von März bis «mindestens August, aber eher Oktober» einen Umsatzausfall von 80 bis 100 Prozent habe.

Die Krise sei noch längst nicht ausgestanden, meint Liembd. Trotzdem seien vielen, wenn nicht allen Partnern aus der Kultur- und Kreativitätswirtschaft erste Mittel wie Kurzarbeit gekündigt worden. «Es geht um Existenzen. Per sofort.» Die Aktion Night of Light interpretiert er als «Alarmstufe rot».

Auch das KKL und das Luzerner Theater machen mit

Das Luzerner Theater gab sich mit der extra installierten Beleuchtung grosse Mühe. Sogar die «Box» war offen und das Logo der Light of Night wurde für alle sichtbar an deren Wand projiziert.

Das Luzerner Theater gab sich mit der extra installierten Beleuchtung grosse Mühe. Sogar die «Box» war offen und das Logo der Light of Night wurde für alle sichtbar an deren Wand projiziert.

Dass mit der Kultur- und Eventwirtschaft eine grosse Branche existenzielle Probleme habe, schildert auch der Technische Direktor des Luzerner Theaters, Peter Klemm. Dies wolle die Aktion Light of Night auf kreative Art und Weise – anstelle einer Demonstration auf der Strasse – in das Bewusstsein rufen. Das Luzerner Theater baute eigens eine Beleuchtung auf, damit es sich für die Light of Night in rotes Licht hüllen konnte.

Es sei ausser Frage gestanden, dass auch das KKL an der schweizweiten Aktion teilnehme, schreibt Corinne Schneebeli vom KKL auf Anfrage. Nur schon das Gebäude eigne sich dafür. Natürlich sei das KKL aber auch sehr stark betroffen und deshalb an «(politischer) Aufmerksamkeit» interessiert: Da die Kultur- und Eventbranche sehr heterogen sei, fehle eine zentrale Lobby.

Das beleuchtete KKL spiegelt sich im Wasser.

Das beleuchtete KKL spiegelt sich im Wasser.

Weiter gehe es unter anderem darum, die Solidarität «gegenüber sämtlichen Betrieben von klein bis gross» auszudrücken, so Schneebeli. Aus diesem Grund beteiligte sich neben vielen anderen Luzerner Institutionen wie das Luzerner Sinfonieorchester, das Verkehrshaus (stellvertretend für B+T Bild+Ton AG), das Chateau Gütsch (stellvertretend für Eggi Group), der Schweizerhof oder das Neubad auch das Hotel Montana. Auf die Frage, weshalb das Hotel mitmachte, meint Sandra Widmer, Leiterin Marketing und Sales: «Wir waren ähnlich betroffen wie die Eventbranche und möchten unsere Solidarität ausdrücken. Es gibt auch bei uns Events und Veranstaltungen, die durch die Schutzmassnahmen nicht durchgeführt werden konnten.»

Auf der Karte sind alle teilnehmenden Schweizer Unternehmen und Kulturinstitutionen vermerkt, die ihren Sitz oder ein stellvertretendes Gebäude mit rotem Licht erhellen.

Blick nach vorne: Unsicherheit trotz Veranstaltungen bis 1000 Personen

Für die Exponenten der Light of Night sind die in Kraft getretenen und geplanten Lockerungen noch lange keine Entwarnung. «Unverändert bleibt, dass die Branche die Auswirkungen der Covid-19-Krise auch bei einer weiteren Lockerung der Massnahmen noch über Monate spüren wird.» Viele Veranstaltungen seien immer noch nicht wirtschaftlich und aufgrund der weiterhin grossen Planungsunsicherheit sei in der gesamten Branche der Normalbetrieb nach wie vor weit weg.

Da die Kantone die Obergrenze von 300 Personen pro Sektor selbständig herabsetzen können, wird eine «komplizierte Bedingungslandschaft» befürchtet. Trotzdem seien die gelockerten Massnahmen ein positives Signal und ein Schritt in die richtige Richtung.

Auch das KKL meint, dass die Krise noch lange nicht vorbei sei. Trotzdem gibt es sich positiv und hofft auf Unterstützung der Bevölkerung mit Ticket- oder Gutscheinkäufen. «Für uns ist es schön, wenn wir wieder möglichst viele Gäste empfangen dürfen und die Bevölkerung uns ihr Vertrauen schenkt.»

Grosse Solidarität in der Branche

Obwohl der Austausch in der Veranstaltungs- und Eventbranche stets rege gewesen sei, habe die Ausnahmesituation zu einem noch grösseren Zusammenhalt geführt, meinen verschiedene Luzerner Vertreter. Der Geschäftsführer der Schüür schreibt, dass auch für die Beleuchtung zusammengespannt wurde und Technikagenturen aus dem ganzen Land Material und Manpower zur Verfügung gestellt hätten. Auf die Frage, ob die Aktion fortgeführt wird, antwortet er: «Wir wissen nicht, ob weitere Anlässe geplant sind. Wir wissen aber, dass weitere Aktionen nötig sein werden, wenn jetzt nicht sofort und substanziell geholfen wird.»

Auch das Luzerner Neubad machte mit:

Mehr Infos gibt es auf nightoflight.ch und Impressionen aus der ganzen Schweiz sind auf Instagram und Facebook unter dem Hashtag #nightoflight_ch verfügbar.

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